Energie¬Wende 4.0

Windstrom ins Gasnetz: Windgas Haurup nimmt Regelbetrieb auf

Das Projekt "Windgas Haurup" geht vom Test- in den Regelbetrieb über. Dabei wird überschüssiger Strom aus Windkraftanlagen in Wasserstoff umgewandelt und dann in das Gasnetz geleitet. So soll CO2 eingespart und gleichzeitig das Stromnetz stabiler werden.

19.04.2021, 12:11 Uhr
WindenergieMit dem Produktionsstart des Windgas-Elektrolyseurs von Energie des Nordens am Standort Haurup macht der Ausbau der Wasserstoff-Produktion in Schleswig-Holstein weitere Fortschritte, sagt Greenpeace Energie.© Holger B. - Fotolia

In Haurup in der Nähe der Stadt Flensburg wird ab sofort überschüssiger Strom aus Windkraftanlagen in sogenanntes Windgas umgewandelt. Dabei wird Windstrom in erneuerbaren Wasserstoff umgewandelt und kann dann in das Gasnetz eingespeist werden.

"Windgas Haurup" ist ein Projekt der Energie des Nordens GmbH & Co. KG. (EdN) und Teil des Programms "Norddeutsche EnergieWende 4.0" (NEW 4.0), das Technologien mit besonderem Energiewende-Nutzen in der Praxis erprobt. Die Verknüpfung der Stromerzeugung mit den Verbrauchssektoren Wärme, Mobilität und Chemieindustrie ist ein entscheidender Baustein für den Erfolg der Energiewende insgesamt, erklärt Greenpeace Energy, eines der an dem Projekt beteiligten Unternehmen.

Windanlagen können weiterlaufen – CO2-Ausstoß wird gesenkt

Der mit Hilfe eines Elektrolyseurs vom Typ ME 450/1400 des Herstellers H-TEC SYSTEMS regenerativ erzeugte Wasserstoff wird mit einem Anteil von bis zu zwei Volumenprozent ins bestehende Ferngasleitungsnetz eingespeist, so das Energieunternehmen weiter. Die dafür genutzte deutsch-dänische Gasleitung "Deudan" verlaufe vom Grenzort Ellund bis nach Quarnstedt nördlich von Hamburg. Für die Netzeinspeisung der Anlage in Haurup hätten die Deudan-Anteilseigner Gasunie und Open Grid Europe zwei neue Anschlussleitungen verlegt. Hinzu käme eine Einspeiseanlage mit aufwändiger Mess- und Regeltechnik sowie Verdichtereinheiten, die den Wasserstoff auf das Druckniveau der Transportleitung anhüben. Die jährliche Produktionsmenge von drei Millionen kWh Wasserstoff nehme die Hamburger Energiegenossenschaft Greenpeace Energy für ihre rund 30.000 proWindgas-Kunden ab.

Anlage in Haurup hilft bei der Stabilisierung des Stromnetzes

"Unser Projekt Windgas Haurup in der Gemeinde Handewitt bei Flensburg nutzt Stromüberschüsse aus nahen Windkraftanlagen, die an diesem Netzknotenpunkt bei viel Wind sonst häufig abgeschaltet werden", erklärt EdN-Co-Geschäftsführer Reinhard Christiansen die Vorteile. Das daraus produzierte erneuerbare Gas ersetze fossiles Erdgas, was Deutschland helfe, seinen CO2-Ausstoß zu senken.

So könne auch der nahe Windpark Ellhöft weiterlaufen, weil dessen Strom vom Elektrolyseur zu auskömmlichen Preisen abgenommen würde. Ellhöft sei kürzlich nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung gefallen und hätte ohne das Windgas-Projekt abgebaut werden müssen, ergänzt Christiansen. Außerdem stabilisiere der reaktionsschnelle Elektrolyseur das Stromnetz, indem er durch Herauf- oder Herunterfahren der Wasserstoffproduktion das Stromangebot mit der Stromnachfrage im Netzgebiet im Gleichgewicht halte.