Automarkt

Weniger Diesel zugelassen - Trotzdem kein Anstieg bei den E-Autos

Zwar schrumpft die Zahl der Neuzulassungen bei den Diesel-Fahrzeugen. Das bedeuted aber nicht, dass die Deutschen nun auf Elektroautos umsteigen. Stattdessen werden Benziner offenbar wieder beliebter. Wo liegt eigentlich das Problem mit den Elektroautos?

Umweltfreundlich© Markus Mainka / Fotolia.com

Flensburg/ Eschborn - Dieselautos werden in Deutschland immer unbeliebter, auch Elektroautos verkaufen sich in Deutschland schwach. Das geht aus den jüngsten Zulassungs- und Förderzahlen hervor.

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts vom Montag ging die Zahl neu zugelassener Diesel im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 27,2 Prozent zurück. Ihr Anteil an den Neuzulassungen lag mit 31,3 Prozent bei weniger als einem Drittel, was einem Rückgang um etwa 9,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht.

Elektrofahrzeuge verkaufen sich weiterhin schwach: Für E-Autos gingen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) im gleichen Zeitraum nur 2.873 Anträge auf die staatliche Prämie zur Verkaufsförderung ein, wie die Behörde mit Sitz im hessischen Eschborn mitteilte. Die Gesamtzahl der seit Juli 2016 eingereichten Anträge beläuft sich damit auf 63.285.

Umweltprämie wird bisher kaum angenommen

Bislang wurde somit erst etwa ein Fünftel der bereitgestellten Fördermittel abgerufen, die für mehr als 300.000 Elektrofahrzeuge reichen würden. Das Programm läuft noch bis Ende Juni 2019. Für reine Elektrowagen mit Batterie gibt es 4.000 Euro, für Hybridautos sind es 3.000 Euro. Finanziert werden die Prämien je zur Hälfte vom Bund und vom jeweiligen Hersteller.

Anteil an Benzinern nimmt zu

Vom Trend der Diesel-Abkehr profitierte der Markt für Benziner. Im Vergleich zum Mai 2017 stieg der Absatz um 6,0 Prozent auf insgesamt 64,0 Prozent.

Insgesamt wurden im Mai mit 305.057 Personenwagen rund 5,8 Prozent weniger Autos zugelassen als noch im Vorjahr. Der deutliche Rückgang erklärt sich vor allem durch zwei Arbeitstage weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für die ersten fünf Monate des Jahres ergibt sich dennoch ein positiver Trend: Insgesamt 1,5 Millionen Zulassungen zwischen Januar und Mai bedeuten einen Anstieg um 2,6 Prozent.

Warum halten sich die Deutschen bei den E-Autos zurück?

Die Autofahrer in Deutschland können inzwischen unter 27 reinen Stromern wählen, vom Elektro-Smart bis zum Tesla. Neben den Kaufprämien lockt der Staat lockt mit Steuernachlässen, die Kommunen mit Parkplätzen. Wo hakt es eigentlich?

"Wer zu Hause eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat und am Arbeitsplatz auch noch kostenlos laden kann, der fährt umweltfreundlich und günstig", sagt Reinhard Kolke, Leiter des Technikzentrums des ADAC in Landsberg am Lech. Das Problem ist nur: Das ist eine kleine Minderheit.

Für die meisten Autofahrer dagegen ist ein Elektroauto heute teuer und unpraktisch. Bisher haben Behörden, Verbände und Firmen rund 70 Prozent der E-Fahrzeuge gekauft, so das Kraftfahrtbundesamt. Nur 30 Prozent der Kunden sind Privatleute. Und eher Hausbesitzer im Speckgürtel von Großstädten als Mieter und Laternenparker.

Hürde 1: Hoher Kaufpreis bei Elektroautos

Die erste große Hürde ist der hohe Kaufpreis der E-Autos. "Ein Opel Ampera kostet rund 43.000 Euro, ein vergleichbarer Astra 30.000 Euro", heißt es beim ADAC. "Während der elektrische Peugeot iOn rund 22.000 Euro kostet, ist der vergleichbare Benziner 9.000 Euro günstiger." Staat und Autobauer steuern zwar 4.000 Euro Umweltprämie bei, "aber ein E-Auto bleibt immer noch teuer". Auch geringere Betriebskosten können den Preisunterschied kaum mehr ausgleichen.

Ein E-Auto hat keinen Auspuff und weniger Verschleißteile, "die Werkstattkosten sind etwa 40 Prozent günstiger", sagt Kolke. Der Fiskus hilft auch hier: Wenn Mitarbeiter in ihrer Firma kostenlos laden, müssen sie das nicht als geldwerten Vorteil versteuern. Und beim Dienstwagen wird die teure Batterie vom zu besteuernden Kaufpreis abgezogen. "Das macht viel aus", sagt BMW-Sprecher Wieland Bruch.

Hürde 2: Reichweite und Praxistauglichkeit

Im ADAC-Autokostenvergleich sind einige Stromer auf Augenhöhe mit Diesel und Benziner. Aber die Rechnung hinkt bei den Stromkosten pro Kilometer, denn Grundlage ist noch der alte NEFZ-Fahrzyklus. Fährt man dagegen auf der Autobahn 130 Stundenkilometer und beschleunigt mit Vollgas, dann verbrauchen E-Autos deutlich mehr Strom als angegeben, sagt Kolke. "Der Unterschied zwischen Herstellerangaben und tatsächlichem Verbrauch ist bei Elektroautos viel größer als bei Benzinern oder Dieselautos. Wenn im Winter die Heizung an ist, kann die Reichweite um ein Drittel schrumpfen."

Die Praxistauglichkeit ist die zweite Hürde. "Viele Kunden kommen im Alltag mit der Reichweite zurecht. Im Jahresdurchschnitt kommen sie 200 Kilometer weit", sagt VW-Sprecher Christian Oemisch. Und für die Fahrt in den Urlaub stellt VW einen Benziner zur Verfügung - gratis.

Hürde 3: Batterie aufladen

Aber wo kann der Stromer laden, und wie lange? Rund 5.000 öffentliche Ladesäulen gibt es heute in Deutschland. An einer Schnellladestation mit 50 Kilowatt lässt sich ein BMW i3 mit kleiner Batterie in einer halben Stunde auf 80 Prozent aufladen, sagt Kolke. Einen Opel Ampera mit großer Batterie an einer Station mit 4,6 Kilowatt Ladeleistung aufzuladen, dauert dagegen 15 Stunden.

Wer sich zu Hause eine Ladebox einbauen lassen will, braucht dafür ab 11 Kilowatt Leistung aber eine extra Genehmigung von seinem Stromversorger. Sonst fliegen alle Sicherungen raus, wenn in einem Mehrfamilienhaus acht Autofahrer nach Feierabend gleichzeitig laden.

"An einer normalen Steckdose kann man im Notfall mal laden, wenn nichts anderes mehr geht", sagt Kolke. Das dauert dann allerdings. Und diese Stromleitungen sind auch nicht für stundenlange Dauerlast ausgelegt - da kann es schon mal brennen.

Druck auf Autokonzerne könnte schnellen Fortschritt bringen

Die Chefs der Autokonzerne reden zwar viel von den Kunden, die "stets im Fokus" und "klar im Mittelpunkt unseres Handelns" stehen. Aber die wenigsten Kunden haben ungeduldig darauf gewartet, dass sie endlich ein Elektroauto kaufen können. Die Konzerne müssen auf E-Autos umschwenken, weil die Politik in Europa und in China das so will. In einigen Jahren schon können Autofahrer ein viel besseres Angebot erwarten, mit Dutzenden neuen Modellen, sinkenden Preisen, höherer Reichweite. "Gut, dass die E-Technologie schnell Fortschritte macht", sagt Bruch.

Quelle: DPA