Hintergrund

Wende beim globalen Öl-Poker: Spritpreise fallen

Verbraucher können sich derzeit über niedrige Heizöl- und Spritpreise freuen. Große Preisaufschläge sind wohl erstmal nicht zu erwarten. Hintergrund ist eine Machtverschiebung am Ölmarkt und ein damit einhergehender Preisverfall beim Rohöl.

ÖlförderungDie Spritpreise bleiben wohl auch in den Sommerferien niedrig.© Jim Parkin / Fotolia.com

Frankfurt - Die Niedersachsen und die Bremer sind die ersten. Sie starten schon am Donnerstag in die Sommerferien. Peu à peu werden die Deutschen dann wieder die Autobahnen stürmen. Doch während Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber die Urlaubszeit gern für satte Preisaufschläge nutzten, haben Autofahrer dieses Jahr Glück: Die Spritpreise fallen. Grund dafür ist die schwindende Macht des einst dominanten Ölkartells Opec, das im globalen Öl-Poker gegen die USA immer mehr ins Hintertreffen gerät.

Heizöl und Sprit sind derzeit sehr günstig

Benzin und Diesel sind so billig wie seit Monaten nicht. Laut dem Automobilclub ADAC sind die Spritpreise seit Mitte April gesunken; zuletzt lag der Preis für einen Liter Super E10 im Durchschnitt bei 1,33 Euro. Das sind fünf Cent weniger als vor acht Wochen. Ein Liter Diesel kostet mit 1,11 Euro sogar sieben Cent weniger. Auch wer sein Haus mit Öl heizt, hat Gelegenheit zum Sparen. 100 Liter Heizöl kosten derzeit laut der Internetplattform "heizoel24" nur noch etwas mehr als 50 Euro, nach knapp 59 Euro Mitte April.

Preisverfall beim Rohöl

Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist ein Preisverfall beim Rohöl, das als Vorprodukt die Benzin-, Diesel- und Heizölpreise maßgeblich beeinflusst. "Den weiter sinkenden Preisen an den Zapfsäulen geht der weiter leicht gesunkene Rohölpreis voran", heißt es vom ADAC. Am Dienstag ist der Ölpreis sogar wieder unter das Niveau von Ende November zurückgefallen, als wichtige Förderländer eine historische Einigung auf eine gemeinsame Produktionsbeschränkung erzielen konnten.

Ölkartell und Russland haben die Produktion gedrosselt

Besonders bemerkenswert: Der Preisverfall setzt sich trotz zunehmender Spannungen zwischen den Golfstaaten fort, die normalerweise für Verunsicherung am Ölmarkt und zu steigenden Preisen führen. Dabei hatte sich das Ölkartell Opec gemeinsam mit Russland und weiteren Förderländern eigentlich fest vorgenommen, dem Billigöl ein Ende setzen. Denn seit Mitte 2014 war der Ölpreis von über 100 Dollar je Barrel (159 Liter) bis unter 30 Dollar abgestürzt und hat sich bis heute nicht wieder richtig berappeln können - für Ölstaaten wie Saudi-Arabien, die wirtschaftlich fast vollständig vom Ölexport abhängen, eine Katastrophe.

Daher hatte man sich zu gemeinsamen Förderkürzungen durchgerungen, um das Angebot zu verknappen und den Ölpreis wieder nach oben zu treiben - 1,8 Millionen Barrel pro Tag weniger, so der Beschluss; ursprünglich für ein halbes Jahr, inzwischen wurde bis März 2018 verlängert. "Wir starten in eine neue Ära der Kooperation", frohlockte der russische Energieminister Alexander Nowak.

Machtverschiebung am Ölmarkt

Doch die Strategie geht nicht auf. Zwar stiegen die Preise zwischenzeitlich, aber inzwischen ist der Effekt vollständig verpufft. Denn von der einstigen Macht der Opec ist nicht mehr viel geblieben. Noch in den 1970er Jahren konnte das Kartell die mächtigsten Industrieländer der Welt vor sich her treiben und heftige Ölkrisen auslösen. Doch inzwischen sitzen die USA als mächtiger Gegenspieler mit am globalen Öl-Pokertisch. Grund dafür ist die umstrittene Fracking-Technologie, durch die die USA vom Öl-Junkie zum Dealer geworden sind.

Fracking-Bohrlöcher können flexibler genutzt werden

Zwar ist Fracking teurer als die konventionelle Förderung. Aber Fracking-Bohrlöcher lassen sich zu relativ geringen Kosten vorübergehend stilllegen, wenn die Förderung aufgrund zu niedriger Ölpreise unrentabel wird. Umgekehrt lassen sie sich schnell wieder aktivieren, wenn die Preise steigen. Mit jedem Dollar, um den die Opec die Ölpreise jetzt mühsam anzuheben versucht, kommen daher neue US-Fracker aus der Reserve und sorgen durch das zusätzliche Angebot für neuen Preisdruck. Und künftig könnte die US-Energieindustrie unter Präsident Donald Trump noch mehr freie Hand bekommen. "Die Entscheidung Trumps, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, dürfte den Ölpreis drücken", sagt Alwin Schenk, Experte bei der Bank Sal. Oppenheim.

Nicht alle Opec-Staaten ziehen mit

Zu allem Überfluss sorgen zurzeit auch noch die beiden einzigen Opec-Staaten für sinkende Preise, die nicht an der Förderkürzung beteiligt sind. Libyen und Nigeria haben ihre Produktion zuletzt ausweiten können. Das vom Bürgerkrieg geplagte Libyen produziert sogar wieder so viel wie seit Jahren nicht, nachdem ein Streit mit der deutschen Ölfördergesellschaft Wintershall um Konzessionsverträge beigelegt werden konnte.

So bleibt der Opec nicht viel mehr, als Zweckoptimismus zu verbreiten. Der Ölmarkt bewege sich grundsätzlich in die richtige Richtung, meint der saudische Energieminister Khalid Al-Falih. Alles was man jetzt noch brauche, sei Zeit. Doch die Stimmung am Ölmarkt ist alles andere als rosig. "Auch wenn wir die aktuellen Preise langfristig als günstig erachten, könnte der Abwärtssog angesichts der negativen Stimmung anhalten", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. So viel scheint jedenfalls klar: Zumindest in diesen Sommerferien kann die Opec den deutschen Autofahrern nicht mehr in die Quere kommen.

Quelle: DPA