Wasserkraft

Weltweit erstes Schachtkraftwerk produziert Ökostrom

Das weltweit erste Schachtkraftwerk hat in Großweil, einer Gemeinde in Garmisch-Partenkirchen in Bayern, den Betrieb aufgenommen. Die Anlage nutzt Wasserkraft, um Strom zu erzeugen. Das Kraftwerk soll besonders ökologisch arbeiten.

Diana Schellhas, 28.07.2020, 15:49 Uhr
WasserkraftEin spezielles Strömungsdesign soll Fische gefahrlos über die Turbinen des Schachtkraftwerks hinwegleiten.© Thomas Reimer / Fotolia.com

In Großweil an der Loisach hat das weltweit erste ökologische Wasserkraftwerk nach dem Schachtkraftwerkskonzept den Betrieb aufgenommen. Mit dieser Pilotanlage können alle Haushalte der Gemeinde Großweil mit 1.500 Einwohnern mit regenerativem Strom versorgt werden, teilt BayPAT, Anbieter von Dienstleistungen für den Technologietransfer, IP-Management und -Verwertung, mit.

Schachtkraftwerk arbeitet im Einklang mit der Natur

Bei herkömmlichen Wasserkraftwerk-Technologien leiden vielfach die Fischpopulationen, erklärt das Unternehmen. Massive Kraftwerksbauten im Fluss könnten die Wanderbewegungen behindern und flussabwärts wandernde Fische zu Kraftwerken treiben, wo die Tiere an Turbine und Gittern tödlich verletzt werden könnten. Um diesen und anderen Problemen der Wasserkraft zu begegnen, habe ein Team unter Leitung von Prof. Peter Rutschmann und Dipl.-Ing. Albert Sepp an der Technischen Universität München das Schachtkraftwerk, ein alternatives Wasserkraftkonzept, entwickelt. Neben der Universität seien auch der Bund und das Land Bayern an dem Projekt beteiligt gewesen.

Vorteile des Schachtkraftwerks

Das Schachtkraftwerk integriere sich beinahe unsichtbar in den Flusslauf. Flussabwärts schwimmende Fische leite ein spezielles Strömungsdesign gefahrlos über die Turbinen hinweg, stromaufwärts wanderten die Fische über eine konventionelle Fischtreppe nach oben. Weitere Vorteile des Schachtkraftwerks gegenüber herkömmlichen Wasserkraftwerken lägen in der geringen optischen und akustischen Beeinträchtigung von Fauna und Flora. Außerdem blieb der Fluss im vorhandenen Flussbett, eine Ausleitung sei nicht erforderlich. Insgesamt bliebe damit der ökologische Fußabdruck bei der Stromerzeugung so klein, dass sich der Kraftwerkstyp sogar für Naturschutzgebiete von europäischem Rang wie an der Loisach eigne.

Zwölf weitere Schachtkraftwerke geplant

Das an der Technischen Universität München entwickelt Konzept lizenzierte die BayPAT an das Team der Firma Hydroschaft GmbH, die künftig Nutzungs- und Betriebslizenzen an Interessenten vergibt. Zwölf weiteren Standorten für neue Schachtkraftwerke sollen bereits geplant sein.