Energiewende

Wasserstoff: Forscher prüfen Speicherpotenziale für den "Klimaretter"

Wasserstoff soll eine Schlüsselrolle bei der Energiewende in Deutschland einnehmen. Forscher haben jetzt die Speichermöglichkeiten hierzulande untersucht. Der Energieträger kann unter anderem beim Heizen genutzt werden. Einigen ist das einer Umfrage zufolge nicht bekannt.

19.11.2020, 12:29 Uhr
EnergiewendeEiner Umfrage zufolge ist 17 Prozent der Deutschen nicht bekannt, dass Wasserstoff als Energieträger genutzt wird.© jonasginter / Fotolia.com

Wasserstoff soll zu einer wesentlichen Säule der Energiewende in Deutschland werden. Dazu stellt die Bundesregierung Milliarden an Fördergeldern für Forschung und Innovation bereit. Der Energieträger soll sowohl im Wärmebereich als auch im Verkehr und in der Industrie fossile Brennstoffe ablösen.

Ein Team aus Forschern der RWTH Aachen, des Forschungszentrums Jülich und des Fraunhofer IEG hat sich mit den Möglichkeiten zur Speicherung von Wasserstoff beschäftigt. Spezieller geht es um das Speicherpotenzial in unterirdischen Salzkavernen.

Forscher: Salzkavernen sind die vielversprechendste Option für große Wasserstoff-Speicher

Das gesamte Energiespeicherpotenzial in Form von Wasserstoff in Salzkavernen an Land als auch auf See schätzt das interdisziplinäre Team auf 84,8 Petawattstunden, wobei 23,2 Petawattstunden an Land liegen und 61, 6 Petawattstunden – also mehr als zwei Drittel – auf See. Auf Deutschland entfallen demnach zusammen 35,7 Petawattstunden, davon 9,4 Petawattstunden an Land, zumeist in Norddeutschland. Im Vergleich dazu läge das Potenzial für Pump-Wasserspeicherkraftwerke in Europa bei etwa 0,123 Petawattstunden. In Deutschland habe der Primärenergieverbrauch im Jahr 2018 bei rund 3,64 PWh gelegen.

"Salzkavernen sind aufgrund der geringen Investitionskosten, der guten Abdichtung und des geringen Schutzgasbedarfs die vielversprechendste Option für große Speicher", sagt Peter Kukla, Leiter der Abteilung „Georesources“ am Fraunhofer IEG und Professor für Geologie an der RWTH Aachen. In der Studie wurden die Speicherkapazitäten der einzelnen Kavernen auf der Grundlage der standortspezifischen geologischen Daten und thermodynamischer Randbedingungen geschätzt. Um das wirtschaftliche Potenzial der Salzspeicher einschätzen zu können, bedürfe es weiterführender Energiesystemanalysen, die weitere ökonomische und ökologische Aspekte in Beziehung setzen würden.

Umfrage: Wie gut kennen sich die Deutschen mit Wasserstoff aus?

Indessen hat eine Umfrage des Bundesverbands der Energie und Wasserwirtschaft e.V. untersucht, wie gut sich die Bundesbürger mit dem Thema auskennen. Demnach haben vier von fünf Befragten davon gehört, dass Wasserstoff künftig als Energieträger genutzt werden kann. Gleichzeitig gaben 35 Prozent der Befragten an, zwar schon einmal von Wasserstoff als Energieträger gehört zu haben, sich aber nichts Konkretes darunter vorstellen zu können. 17 Prozent hätten sogar noch nie davon gehört, dass Wasserstoff als Energieträger zum Einsatz kommen kann.

Wofür kann Wasserstoff genutzt werden?

Auf die Frage, wie sie die Einsetzbarkeit von Wasserstoff im jeweiligen Sektor bewerten, gaben rund 55 Prozent der Befragten an, dass sie sich die Nutzung von Wasserstoff im Verkehr für den Betrieb von Pkw, Bussen oder Lkw gut (21,7 Prozent) oder sehr gut (33,4 Prozent) vorstellen können. Nur 7,3 Prozent konnten sich das weniger oder gar nicht vorstellen.

Rund 51 Prozent sehen laut Umfrage in der Industrie großes Potenzial für Wasserstoff (gut: 23,3 Prozent; sehr gut: 27,4 Prozent). Eine Wasserstoffnutzung zum Heizen von Wohnungen und Gebäuden bewerten 40 Prozent als gut (24,3 Prozent) oder sehr gut (15,6 Prozent). Lediglich 8,3 Prozent sehen hier eher kein Einsatzfeld für den Energieträger.

„Industrie und Verkehr sind wichtige Anwendungsfelder für Wasserstoff. Das Potenzial von Wasserstoff auf diese Sektoren zu beschränken, würde allerdings zu kurz greifen“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, und fordert, dass die Menschen stärker über die Potentiale und Vorteile von Wasserstoff als Energietalent für eine klimaneutrale Zukunft informieren.