Auf dem Zettel

Was die EU in Sachen Energieeffizienz plant

Steigende Strompreise, der Klimawandel, teures Heizöl und knappe Gaslieferungen aus Russland bei Eiseskälte: Die EU hat viele Gründe, das Energiesparen voranzutreiben - und etliche Pläne bereits konkret auf dem Zettel. Wir listen auf, welche Punkte besonders relevant für Verbraucher sein werden.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Als Zielmarke haben sich die Staaten ein Minus von 20 Prozent bis 2020 gesetzt. Umsetzen will das Energiekommissar Günther Oettinger mit einem breiten Bündel von Maßnahmen zum Energiesparen, gegen die Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) allerdings Widerstand leistet. Das sind im Einzelnen:

Das 20-Prozent-Ziel: Als Grundlage für das 20-Prozent-Ziel hat die Europäische Kommission errechnet, wie hoch der EU-weite Energieverbrauch 2020 wäre, wenn er nicht durch neue Vorgaben eingeschränkt wird. Ziel ist nun, dass der tatsächliche Energiebedarf bis dahin 20 Prozent niedriger liegt. Die Zahlen beziehen sich auf die Energie für Strom und Wärme in der Wirtschaft, im öffentlichen Sektor und bei den Bürgern; ausgeschlossen ist der Verkehr.

Gebäudesanierung: Im Sanieren von Gebäuden schlummert der EU-Kommission zufolge eines der größten Einsparpotenziale. Oettingers Entwurf schreibt deshalb vor, dass die öffentliche Hand jedes Jahr drei Prozent ihrer Gebäude - etwa Schulen und Behörden - energetisch saniert. Die derzeitige Quote liegt laut Kommission bei etwa 1,5 Prozent.

Energieversorger: Den Energieversorgern will die Kommission vorschreiben, jedes Jahr Energieeinsparungen von 1,5 Prozent vorzuweisen. Dabei soll der Absatz aber nicht gedeckelt werden. Die Versorger sollen stattdessen zu Energie-Dienstleistern werden: Sie helfen ihren Kunden beim Energiesparen. Im Gegenzug dürften sie höhere Preise für ihre Energie verlangen. Der Vorschlag der EU lässt aber auch ein Schlupfloch: Jedes Land kann entscheiden, ob es die 1,5-Prozent-Vorgabe durch "andere Maßnahmen" erreicht.

Rechnungen: Brüssel will die Unternehmen zwingen, den Kunden häufiger Rechnungen zuzustellen, damit diese einen besseren Überblick bekommen und kostensparender Licht, Heizung oder Waschmaschine einschalten. Für Strom soll es monatliche Rechnungen geben, die nach Wunsch per E-Mail oder Post kommen, für Gas alle ein bis zwei Monate. Auch Warmwasser würde wenigstens einmal in zwei Monaten abgerechnet. Die Rechnungen der Zukunft sollen zudem Vergleiche mit dem jeweiligen Vorjahreszeitraum ermöglichen.

Energieberatung: Die Staaten werden den EU-Plänen zufolge auch verpflichtet, eine freiwillige und "erschwingliche" Energieberatung für private Haushalte und für kleine und mittlere Unternehmen zu fördern. Dabei nehmen Experten die Verwendung oder Verschwendung von Energie in einem bestimmten Gebäude oder bei bestimmten Tätigkeiten unter die Lupe. Für große Unternehmen würden regelmäßige Energieaudits Pflicht.

Nutzen: Das 20-Prozent-Ziel ist ein wichtiger Teil der EU-Klimapolitik. Zudem wurde Energie in den vergangenen Jahren deutlich teurer - eine höhere Effizienz verspricht also auch, Geld zu sparen. Allein die besonders umstrittene Vorgabe für die Versorger, jährlich Einsparungen von 1,5 Prozent nachzuweisen, würde einer Studie zufolge Unternehmen und Verbraucher um rund 14 Milliarden Euro entlasten. Befürworter der geplanten EU-Richtlinie verweisen zudem darauf, dass die Energieversorgung Risiken unterliegt - so floss in den vergangenen Tagen etwa weniger Gas aus Russland nach Europa als normal.

Kritik von mehreren Seiten

Kritiker wie Bundeswirtschaftsminister Rösler bemängeln, die engen Vorgaben der Richtlinie seien "Planwirtschaft". Sie setzen daher auf Freiwilligkeit bei den Vorgaben zur Energieeffizienz. SPD und Grüne im Europaparlament hingegen kritisieren die Pläne der EU-Kommission als nicht weitgehend genug - die Ziele müssten ihren Vorstellungen zufolge höher angesetzt werden.

Quelle: AFP