Neues Atomkraftwerk

Umstrittenes AKW in Belarus lädt erste Brennstäbe

In Belarus soll schon bald das Atomkraftwerk in Ostrowez ans Netz gehen. Die ersten wichtigen Schritte für die Inbetriebnahme wurden gerade eingeleitet. Kritik kommt vor allem aus dem Nachbarland Litauen. Dabei geht es um die Einhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards.

Diana Schellhas, 10.08.2020, 10:12 Uhr (Quelle: DPA)
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Unter Protest des Nachbarlandes Litauen hat Belarus (Weißrussland) für das umstrittene Atomkraftwerk an der EU-Grenze mit einer wichtigen Phase für die Inbetriebnahme des ersten Blocks begonnen. Der erste Brennstab sei am Freitagvormittag geladen worden, teilten das Energieministerium in Minsk und der russische Atomenergiekonzern Rosatom mit.

Zweiter Block im AKW in Belarus geht 2022 ans Netz

Bis Ende August sollen mehr als 160 weitere Brennstäbe geladen werden. Das AKW in Ostrowez wird vom Unternehmen Rosatom gebaut, das die Anlage zu 90 Prozent mit Krediten finanziert. Das autoritär regierte Belarus war 1986 wie kein anderer Staat von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl in der benachbarten Ukraine betroffen.

Der zweite Block soll nach Angaben von Rosatom Mitte 2022 seinen Betrieb aufnehmen. Das AKW befindet sich 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernt.

Litauen äußert Bedenken wegen der Sicherheit

Litauen hatte immer wieder Verstöße gegen die Einhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards bemängelt. Auch soll es nach Angaben aus Vilnius bei den Bauarbeiten mehrfach zu Zwischenfällen gekommen sein. Die Inbetriebnahme sei "verantwortungslos", weil offensichtliche Sicherheitsprobleme nicht gelöst worden seien, twitterte der litauische Präsident Gitanas Nauseda. Zudem habe Belarus die Stresstest-Empfehlungen der EU nicht umgesetzt.

Das Außenministerium in Vilnius schickte eine diplomatische Note an Minsk. Belarus habe gegen die Grundsätze der Offenheit, Transparenz und guten Nachbarschaft verstoßen, hieß es. Der litauische Energieminister Zygimantas Vaiciunas betonte, dass er von der EU und der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO eine Reaktion erwarte.

AKW als Prestigeobjekt im Wahlkampf

Der Start des Kraftwerks fällt nach zahlreichen Terminverschiebungen mit der Präsidentenwahl in der Ex-Sowjetrepublik zusammen. Am Sonntag will sich Staatschef Alexander Lukaschenko für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen. Für ihn ist der Bau ein persönliches Prestigeprojekt. Im Wahlkampf betonte er mehrmals, dass die Anlage den wirtschaftlichen Durchbruch für Belarus bringen werde.