Energieministerium

Umstrittener Windpark nahe Tützpatz teilweise genehmigt

Schon seit Jahren sorgt ein nahe der Gemeinde Tützpatz in Mecklenburg-Vorpommern geplanter Windpark für dicke Luft. Das Energieministerium genehmigte aktuell die Installation von 13 Windrädern der Anlage, die später auch Wasserstoffgas aus überschüssigem Strom erzeugen soll.

Windkraft© Daniel Etzold / Fotolia.com

Tützpatz/ Schwerin - Das Schweriner Energieministerium hat gegen den Willen des Planungsverbandes Mecklenburgische Seenplatte einen Teil des heftig umstrittenen Windparkprojektes "Pripsleben-Tützpatz-Gültz" (PTG) genehmigt. Es handelt sich um ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren für das Wind-Wasserstoff-Projekt RH2-PTG, wie das Ministerium am Dienstag mitteilte. Ein Investor will dort 30 neue Windkraftanlagen bauen, deren Leistung modellhaft mit Wasserstoffspeicherung und Gaserzeugung kombiniert werden soll. Das Ministerium habe nun 13 Windräder nur auf dem Gebiet des Dorfes Gültz genehmigt, weil diese Gemeinde dem "innovativen Vorhaben" zugestimmt habe.

Kritik von der Partei Freier Horizont

"Das ist eine sehr schlechte Nachricht", sagte Norbert Schumacher von der windkraftkritischen Partei Freier Horizont, der auch im Planungsverband sitzt. Mit einer solchen Genehmigung werde Recht gebrochen. "An die Stelle gehört kein einziges Windrad hin", erklärte Schumacher. Er befürchte eine Salami-Taktik: Sobald die ersten 13 Windräder gebaut würden, könne der Druck auf die anderen Gemeinden wachsen - und auch diese Standorte zu "Zielabweichungsverfahren" erklärt werden.

Projekt sorgt seit Jahren für Streit

Das Vorhaben RH2-PTG der WIND-projekt Ingenieur- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH Börgerende (Landkreis Rostock) ist seit Jahren umstritten. Die geplante Region ist eigentlich kein Windeignungsgebiet. Die Region Altentreptow, das dem Vorhaben widersprach, hat bereits eine sehr hohe Windrad-Dichte. Auch der Investor betreibt dort zahlreiche Windräder und ein Modellprojekt zur Wasserstoffspeicherung, das nun weiterentwickelt werden soll.

Power-to-Gas: Anlage soll Wasserstoffgas erzeugen

Mit dem neuen Projekt soll eine sogenannte Power-to-Gas-Anlage entstehen, die reines Wasserstoffgas aus überschüssigem Strom erzeugt, um dieses in das Erdgasnetz einzuspeisen. "Das ist aber nichts Neues, das gibt es schon, und man kann das auch an Standorten betreiben, wo schon genug Windräder stehen", sagte Schumacher. Das Ministerium und der Investor werben dagegen mit der Sicherung von Arbeitsplätzen. So hat eine Windenergiefirma in der Region Grapzow/Altentreptow bereits einen Außenstandort mit rund 50 Leuten.

Zusagen an die Gemeinde Gülitz

Der Gemeinde Gültz habe der Investor zudem zusagt, sich um den Erwerb eines denkmalgeschützten Herrenhauses zu bemühen, hieß es. Das Gebäude solle saniert und vor dem Verfall bewahrt werden. Einwohner von Gültz sollen auch vergünstigte Stromtarife bekommen. Die immissionsschutzrechtliche Entscheidung der Umweltbehörden zu den 13 Windrädern steht aber noch aus.

Aussicht einer Klage wird derzeit geprüft

Ein Sprecher des Regionalen Planungsverbandes in Neubrandenburg reagierte zurückhaltend auf die Entscheidung des Energieministeriums. Landrat Heiko Kärger (CDU) prüfe als Vorstandsvorsitzender des Verbandes derzeit, welche Aussicht eine Klage gegen diese Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht hätte. Gehe die Prüfung positiv aus, werde der Planungsverband gegen die ministerielle Entscheidung zu dem Zielabweichungsverfahren klagen.

Quelle: DPA