Forschung

Test für Windenergie in bergigem Gelände genehmigt

Meist stehen Windkraftanlagen in flachem Gelände. Aber kann man auch in bergigen Gebieten in relevanter Menge Windstrom erzeugen? Das soll auf der Schwäbischen Alb getestet werden.

Melanie Zecher, 15.06.2020, 14:24 Uhr
Windkraft© DEVIce / Fotolia.com

Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) will mit der Errichtung eines Testfeldes in bergigem Gelände Windenergieanlagen für den Einsatz in komplexen Topografien optimieren. Das Projekt auf der Schwäbischen Alb zwischen Donzdorf und Geislingen hat jetzt eine weitere Hürde genommen: Das Landratsamt Göppingen hat dem Vorhaben die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erteilt.

Topografie stellt besondere Herausforderungen an Windkraft

Die meisten Windenergieanlagen weltweit stehen in relativ flachem Gelände, hierzulande vor allem in den Ebenen Nord- und Ostdeutschlands. In bergigem Gelände ist der Betrieb laut ZWS wesentlich anspruchsvoller: Ertragsprognosen seien unsicherer, die mechanische Belastung der Windenergieanlagen und die Wartungskosten höher. Weil die Windräder dadurch auch weniger wirtschaftlich sind, sollen auf dem Testgelände robustere Anlagen entwickelt werden, die sich zudem gut mit Energiespeichern koppeln lassen. Im Rahmen einer ökologischen Begleitforschung sollen Belange des Natur- und Artenschutzes untersucht und Lösungskonzepte für Konflikte entwickelt werden.

Das Windenergietestfeld liegt am Rand des Stöttener Berges. Am Standort stehen bereits zwei 100 Meter hohe meteorologische Messmasten, bisher mit einer temporären Genehmigung. Zwei weitere gleich hohe sind geplant. Sie zeichnen Geschwindigkeit und Richtung des Windes, Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck auf. Zwischen jeweils zwei Messmasten sollen in den kommenden Monaten die Windenergieanlagen errichtet werden, jede von ihnen mit einer installierten Leistung von 750 Kilowatt.

Forschung für Windkraftbranche und Naturschutz

Das Testfeld soll auch Forschung und Industrie als Plattform dienen. Hersteller von Windenergieanlagen und Zulieferer etwa könnten dort technologische Verbesserungen entwickeln und untersuchen lassen. Teil des Vorhabens ist außerdem die Entwicklung einer neuartigen Betriebsführung, mit der die Anlagen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz präziser als bislang auf sich ändernde Windverhältnisse reagieren können.

Das Windenergietestfeld dient darüber hinaus der Anwohner- und Naturschutzbegleitforschung. Mit Letzterer sollen der Einfluss von Windenergieanlagen auf Vögel und Fledermäuse genauer untersucht und Schutzmaßnahmen entwickelt werden. Das ZSW entwickelt eigenen Angaben zufolge ein kameragestütztes System, das geschützte Vogelarten erkennen und Kollisionsvermeidungsmaßnahmen bis hin zum Stopp der Rotoren auslösen soll. Das könnte helfen, pauschale Abschaltzeiten zum Schutz von Greifvögeln zu vermeiden, so dass mehr Strom produziert werden kann.

Partner des Projekts

Das ZSW errichtet das Testfeld im Rahmen des süddeutschen Windenergie-Forschungsclusters WindForS in Zusammenarbeit mit sechs Partnern – den Universitäten Stuttgart und Tübingen, der Technischen Universität München, dem Karlsruher Institut für Technologie sowie den Hochschulen Aalen und Esslingen. Fördergelder in Höhe von 14,5 Millionen Euro kommen vom Bund und vom Land Baden-Württemberg.