Lichtblick

Studie: Metropolen verschenken Potenzial für Solarstromerzeugung

Bei der Erzeugung von Sonnenstrom besteht in den 14 größten Städten Deutschlands noch viel Luft nach oben, so das Ergebnis einer Untersuchung. Gerade bei neuen Ein- und Zweifamilienhäusern fehlen demnach die Photovoltaikanlagen auf den Dächern.

Diana Schellhas, 26.08.2021, 09:38 Uhr
SolaranlageSchlusslicht bei der Untersuchung zur Solarstromerzeugung in den Metropolen Deutschlands bildet Hamburg.© pf30 / Fotolia.com

Dächer von Neubauten sind theoretisch der ideale Ort für neue Photovoltaikanlagen. Einer Untersuchung von Lichtblick zufolge wird das Potenzial zur Solarstromerzeugung in den 14 größten Metropolen Deutschlands nicht ausgenutzt. Der Solar-Faktor – das Verhältnis der Fläche neu errichteter Solaranlagen zu neu gebauten Dachflächen – liegt in 8 von 14 untersuchten Metropolen unter 30 Prozent.

Hamburg erneut Schlusslicht in Sachen Photovoltaik

Die regionalen Unterschiede sind laut "SolarCheck 2021" von Lichtblick enorm. In Essen liege der Solar-Faktor bei 62,9 Prozent, in Köln bei 47,2 Prozent, in Leipzig bei 46,5 Prozent. Der Berliner Solar-Faktor betrage 14,9 Prozent, in Frankfurt seien es 11,8 Prozent und in Hamburg sogar nur 10,3 Prozent. Die Elbmetropole sei damit zum zweiten Mal nach 2020 Schlusslicht der Untersuchung. Das könne sich jedoch ab 2023 ändern, wenn die Solarpflicht in der Hansestadt in Kraft tritt.

Große Verschiebungen, Solar-Faktor steigt im Schnitt

Die von der dpa GmbH durchgeführte Untersuchung zeige detailliert auf, wie die 14 größten deutschen Städte mit über 500.000 Einwohner und Einwohnerinnen ihre Solarpotenziale ausschöpfen.

Gegenüber dem ersten SolarCheck 2020 hätten sich im Städte-Ranking erhebliche Veränderungen ergeben. So habe der Vorjahressieger Nürnberg diesmal nur Platz 4 erreicht und Hannover sei von Platz 2 auf Platz 7 gerutscht. Der diesjährige Sieger Essen habe im Vorjahr noch auf Platz 7 gelegen. Es gäbe einen positiven Trend: Gegenüber dem Vorjahr steige der durchschnittliche Solar-Faktor in den 14 Metropolen von 26 auf 29 Prozent an.

Studie: Solaranlagen auf Ein- und Mehrfamilienhäusern sind die Ausnahme

Ein weiteres Fazit der Analyse: Wo viel gebaut würde, liege der Solar-Faktor meist niedrig. Für die meisten Bauträger spielt Photovoltaik nach wie vor keine Rolle, interpretiert Energieversoger Lichtblick die Ergebnisse. Auffällig sei auch, dass ein guter Solar-Faktor oft auf den Neubau weniger großer Dachanlagen zurückginge. So machten in Leipzig, Bremen, Dortmund und der Siegerstadt Essen große Anlagen mit einer Leistung von mindestens 100 Kilowatt über die Hälfte des gesamten PV-Neubaus aus. Solarmodule auf neuen Ein- oder Mehrfamilienhäusern oder kleineren Gewerbebauten seien auch in den gut platzierten Städten eher die Ausnahme.

Dabei würden vor allem in den Millionenstädten enorme Chancen vergeben. Das zeige ein Blick auf die Potenziale bei der Stromversorgung. Hätte zum Beispiel Berlin seine neuen Dachflächen 2019 vollständig mit Solar ausgerüstet, könnten damit 19.311 Haushalte versorgt werden. Die realisierten Solardächer lieferten dagegen nur Strom für 2.880 Haushalte. In Hamburg liege das Verhältnis Potenzial zu Realisierung bei 11.962 zu 1.232 Haushalten, in München bei 11.181 zu 1.755.