Klimaschutz

Studie: E-Autos können bis 2050 fast CO2-neutral sein

Auch Elektroautos fahren heute bei weitem nicht CO2-neutral. Wie klimafreundlich ein elektrisch betriebener Bus oder PKW tatsächlich ist, hängt vom Strommix ab. Einer Studie zufolge könnte hier in 30 Jahren fast die Klimaneutralität erreicht werden.

Diana Schellhas, 07.09.2020, 16:18 Uhr (Quelle: DPA)
elektrotankstelleBei der Studie zur Klimaneutralität von E-Autos wurde der gesamte Lebensweg von der Herstellung über die Nutzung und das Recycling miteinbezogen.© Petair/ Fotolia.com

Ob Bus, Lastwagen oder Auto – Fahrzeuge mit Elektroantrieb können bis 2050 fast CO2-neutral sein. Das zeigt die Studie “Lebenszyklus-Analyse konventioneller und alternativ betriebener Fahrzeuge“, die von der EU-Kommission in Auftrag gegeben wurde.

Das ambitionierte Szenario (ausgehend von einer EU-Politik, die die Klimaerwärmung entsprechend der Ziele des Pariser Abkommens auf 1,5 Grad begrenzen soll), zeigt: Der CO2-Ausstoß der Elektrofahrzeuge kann sogar gegen Null gehen, wenn in allen Bereichen des Lebenszyklus erneuerbare Energien eingesetzt werden, berichtet das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu).

CO2-Emmisionen bei Verbrennern und Elektroautos im Vergleich

Ein weiteres Resultat: Während ein elektrobetriebener Mittelklassewagen 2020 in der EU über seinen gesamten Lebenszyklus 120 Gramm CO2-Äquivalente je Kilometer ausstößt, könnte der Wert 2050 bis auf lediglich 33 Gramm CO2-Äquivalente je Kilometer sinken. Ähnliche Tendenzen zeigten sich auch für Lkw und Busse, bei denen die Treibhausgasbilanz von Elektrofahrzeugen in der EU bereits heute besser sei, als die von Verbrennern und sich bis 2050 in Richtung Klimaneutralität entwickeln könne.

"Elektrofahrzeuge haben über ihren gesamten Lebenszyklus in der EU schon heute eine deutlich geringere Klimaauswirkung als die konventionellen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor", sagt Hinrich Helms, Studienleiter am ifeu. Grund dafür seien vor allem die geringeren CO2-Emissionen im Betrieb, die die höheren Emissionen der Batterieherstellung kompensieren könnten. Das ifeu war bei der Studie für die Methodenentwicklung sowie die Berechnung der Strombereitstellung und der Vorkette fossiler Kraftstoffe verantwortlich. Ebenfalls an der Studie beteiligt waren die Beratungsgesellschaften Ricardo Energy & Environment in und E4tech erstellt wurde.

Einfluss des Strommixes in den jeweiligen EU-Ländern

Bedingung für die hohe CO2-Einsparung sei, dass der Strom für den Betrieb und die Herstellung der Fahrzeuge größtenteils aus erneuerbaren Energien stamme. Für 2050 geht die Studie davon aus, dass im Vergleich zu 2020 Strom aus Windenergie den größten Teil des Strommix ausmacht. Strom aus Kohlekraftwerken kommt demnach dann in Europa kaum noch vor.

Noch fielen die Umweltvorteile der Elektrofahrzeuge je nach EU-Staat unterschiedlich aus, weil der Strommix in den EU-Staaten heute noch stark variiere. So bewegten sich die Treibhausgasemissionen von Elektrofahrzeugen in Estland und Polen – beides Länder mit sehr großem Kohlestrom-Anteil – über den Lebensweg heute auf einem vergleichbaren Niveau von konventionellen Verbrennern. In Schweden, einem Land mit überwiegend erneuerbarer Stromerzeugung, stoße ein Elektrofahrzeug über den gesamten Lebensweg nur noch ein Viertel der Emissionen eines Verbrenners aus.

E-Autos schnitten bei Ressourcen schlechter ab

Im Bereich der Ressourcennutzung schnitten die Elektroantriebe jedoch 2050 weiterhin schlechter ab als die konventionellen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das liege daran, dass ihr Antrieb und die Batterie weiterhin zusätzliche erschöpfliche Ressourcen wie Kupfer, Kobalt und Lithium benötigten, auch wenn diese klimaschonend gewonnen und verarbeitet würden.