Bitkom

Studie: Digitalisierung kann CO-Ausstoß um ein Fünftel reduzieren

Bis 2030 muss der CO2-Ausstoß aufgrund von Vorgaben der Bundesregierung und der EU erheblich reduziert werden. Der Digitalverband Bitkom hat ausgerechnet, welche Mengen an Treibhausgasen durch die Digitalisierung in unterschiedlichen Bereichen eingespart werden können.

Diana Schellhas, 19.03.2021, 12:48 Uhr
CO2 EmissionenDer Studie zufolge können die größten CO2-Einsparungen in der industriellen Fertigung, der Mobilität und im Energiesektor erzielt werden.© designeo / Fotolia.com

Digitale Technologien können die Hälfte dazu beitragen, dass Deutschland bis zum Jahr 2030 seine Klimaziele erreicht. Der Digitalverband Bitkom stellt eine Studie " vor, nach der die CO2-Emissionen in Deutschland durch den gezielten und beschleunigten Einsatz digitaler Lösungen in den kommenden zehn Jahren um bis zu 151 Megatonnen CO2 verringert werden können. Das entspreche rund einem Fünftel der heutigen CO2-Emissionen.

Studie nimmt auch CO2-Ausstoß durch die Digitalisierung in den Blick

Die Bitkom-Studie wurde von Umwelt- und Digitalisierungsexperten von Accenture durchgeführt. Neben sieben Anwendungsbereichen digitaler Technologien wurde auch CO2-Ausstoß untersucht, der von den Techniken selbst ausginge. So verursachten insbesondere Herstellung und Betrieb von Endgeräten wie Bildschirmen, Computern oder Tablets, aber auch der Betrieb der Netzinfrastruktur und der Rechenzentren mittelbar CO2-Emissionen. Schreite die Digitalisierung in einem moderaten Tempo fort, würden hierdurch im Jahr 2030 rund 16 Megatonnen CO2 jährlich ausgestoßen. Bei einer beschleunigten Digitalisierung seien es 22 Megatonnen. Insgesamt, so das Fazit der Studie, ist das CO2-Einsparpotenzial der hier betrachteten digitalen Technologien mehr als sechs Mal höher als ihr eigener Ausstoß.

Wie stark muss der CO2-Ausstoß reduziert werden?

Insgesamt müsse Deutschland in den kommenden zehn Jahren 262 Megatonnen CO2 einsparen (von rund 805 Megatonnen 2019 auf 543 Megatonnen 2030). Für jeden einzelnen Bundesbürger bedeute das, dass sein Pro-Kopf-Verbrauch an CO2 von 9,7 Tonnen pro Jahr 2019 auf 6,5 Tonnen im Jahr 2030 sinken müsse.

Entscheidend sei laut Bitkom, wie konsequent die Digitalisierung bis 2030 vorangetrieben werde. So beziffert die Studie das CO2-Einsparpotenzial bei einer eher moderaten Entwicklung der Digitalisierung, wie sie aktuell in Deutschland stattfindet, auf rund 102 Megatonnen bis zum Jahr 2030. Das entspräche 39 Prozent der notwendigen CO2-Einsparungen. Unter Berücksichtigung des CO2-Ausstoßes, der durch die neuen Technologien verursacht würde, liege der Netto-Effekt in diesem Szenario bei 86 Megatonnen (33 Prozent der notwendigen Einsparungen). Mit einer beschleunigten und gezielten Digitalisierung sei die CO2-Reduktion mit den genannten 151 Megatonnen deutlich größer und betrage 58 Prozent der notwendigen Einsparungen (netto: 129 MT CO2 bzw. 49 Prozent der Einsparungen).

Ergebnisse der CO2-Studie im Überblick

  • Industrielle Fertigung: Im Bereich der industriellen Fertigung entfalten laut Studie digitale Technologien das größte CO2-Einsparpotenzial unter den betrachteten Anwendungsbereichen: Bis zu 61 Megatonnen CO2 könnten bei einer beschleunigten Digitalisierung bis 2030 eingespart werden – und 35 Megatonnen bei einem moderaten Digitalisierungstempo.
  • Energie: Im Energiesektor ließen sich bis zu 23 Megatonnen CO2 bei einer beschleunigten Digitalisierung und 19 Megatonnen CO2 bei einer moderaten Digitalisierung bis 2030 einsparen. Maßgebliche Technologie seien hier zum einen Smart Grids, also intelligente Stromnetze, in denen Stromerzeugung und -verbrauch präzise gesteuert werden könnten. Zum anderen ginge es um eine digital gesteuerte, effiziente Produktion erneuerbarer Energien. Digitale Technologien wie etwa Künstliche Intelligenz und Big Data könnten den Zustand von Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien in Echtzeit überwachen und analysieren.
  • Mobilität: Bis zu 28 Megatonnen CO2 bei einer beschleunigten Digitalisierung und 17 Megatonnen CO2 bei einer moderaten Digitalisierung ließen sich bis 2030 in diesem Bereich einsparen. Bedeutender Hebel sei hier zum einen eine intelligente Verkehrssteuerung, bei der etwa Sensoren an der Straße oder GPS-Systeme in Autos Daten lieferten, mit denen Ampeln geschaltet, Verkehrsströme umgeleitet oder öffentliche Transportmittel gestärkt werden könnten.
  • Gebäude: Smart-Home-Technologien helfen schon heute vielen Menschen dabei, Energie einzusparen, so der Verband. Auch in großen Büro- und Geschäftskomplexen würden digitale Lösungen eingesetzt, die Heizung, Lüftung oder Klimatisierung je nach Wetterverhältnissen oder Anzahl der anwesenden Angestellten automatisch regelten. Smart Homes und intelligente, vernetzte Gebäude könnten bei einer moderaten Verbreitung der entsprechenden Technologien bis 2030 rund 16 Megatonnen CO2 einsparen. Bis zu 19 Megatonnen seien es, wenn die Verbreitung smarter Technologien schneller vorangetrieben würde.
  • Landwirtschaft: Insgesamt ließen sich durch den Einsatz digitaler Technologien in der Landwirtschaft bis zu 7 Megatonnen CO2 bei einer beschleunigten und bis zu 4 Megatonnen CO2 bei einer moderaten Digitalisierung einsparen.
  • Gesundheit: Durch Apps, Video-Sprechstunden und anderen Anwendungen aus dem Bereich E-Health könnten bis zu 0,4 Megatonnen CO2 im Szenario einer beschleunigten Digitalisierung und bis zu 0,3 Megatonnen CO2 bei einer moderaten Digitalisierung bis 2030 eingespart werden. Allein die Einführung der elektronischen Patientenakte spare 6.000 Tonnen CO2 p.a. ein.
  • Arbeit und Business: Zuhause arbeiten statt ins Büro pendeln: Jeder Tag im Homeoffice könne einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Bei einer moderaten Entwicklung erreiche dieser Wert im Jahr 2030 48 Prozent – und 55 Prozent bei einer beschleunigten Digitalisierung der Büroarbeit. Auch der Ersatz von Geschäftsreisen durch Videokonferenzen sowie eine Reduktion von Büroflächen falle ins Gewicht. Zwischen 10 und 12 Megatonnen CO2 könnten so bis 2030 eingespart werden.