Klimaziele

Studie: CO2-Ausstoß von Plug-in-Hybriden wird unterschätzt

Mehr Elektroautos bedeuten eine bessere Klimabilanz. Die Rechnung geht aber nicht ganz auf, warnen mehrere Institute. In einer Studie kommen Umweltforscher zu dem Ergebnis, dass Plug-in-Hybride sehr viel mehr CO2 ausstoßen als in vielen Berechnungen angenommen.

Diana Schellhas, 13.01.2021, 09:33 Uhr
UmweltfreundlichPlug-In-Hybride haben wegen Bauform, Motorisierung und Gewicht oft einen überdurchschnittlichen Energiebedarf, erklären die Autoren. Aber nicht nur das soll einen erhöhten CO2-Ausstoß verursachen.© Markus Mainka / Fotolia.com

Der CO2-Ausstoß bei Elektroautos soll einer Studie zufolge deutlich höher ausfallen als in vielen Berechnungen angenommen. Das berichten das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu), das Öko-Institut und die Organisation "Transport & Environment" und stellen die Ergebnisse einer Studie vor, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums durchgeführt wurde.

Studie: 4,3 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich durch Plug-in-Hybride

"Unsere Berechnungen zeigen, dass wir angesichts der Marktprognosen von bis zu 4,3 Millionen Tonnen zusätzlichen CO2-Emissionen im Jahr 2030 für den Verkehrssektor durch Plug-in-Hybride ausgehen müssen, wenn die elektrischen Fahranteile so niedrig bleiben wie heute", so Ruth Blanck, Senior Researcher am Öko-Institut. Und dabei würde bereits nach bisherigen Abschätzungen das CO2-Ziel im Verkehrssektor von 95 Millionen Tonnen CO2 für das Jahr 2030 um etwa 30 Millionen Tonnen überschritten.

In bisherigen Szenarien zur Entwicklung der CO2-Emissionen des Verkehrssektors seien diese höheren Emissionen meist nicht enthalten, da hier mit den Emissionen nach Typgenehmigung gerechnet würde. Die realen Emissionen lägen, insbesondere bei schweren, Plug-In-Elektrofahrzeugen jedoch oft um ein Mehrfaches über diesen Werten.

Warum ist der CO2-Ausstoß bei Plug-in-Hybriden erhöht?

Plug-In-Hybride hätten wegen Bauform, Motorisierung und Gewicht oft einen überdurchschnittlichen Energiebedarf. Etwa ein Drittel der neu zugelassenen Plug-In-Hybride seien SUVs oder Geländewagen. In vielen Fällen reiche bei solch schweren Fahrzeugen der Akku für die Tageskilometer nicht aus. So würde im täglichen Betrieb in der Regel überwiegend der Verbrennungsmotor genutzt. Und bei schnellem Fahren oder starker Beschleunigung schalte sich der Verbrennungsmotor auch dann zu, wenn der Akku noch voll sei.

Ursache für den geringen Anteil an elektrischem Fahrten sehen die Autoren vor allem in den fehlenden wirtschaftliche Anreize zum elektrischen Laden und (gerade bei Dienstwagen) der oftmals hohen täglichen Fahrleistung. Hinzukäme, dass zu Hause und am Arbeitsplatz mitunter keine Lademöglichkeiten vorhanden seien.

Würden die Fahrzeuge mit CO2-armem Strom betankt, defensiv gefahren und seien überwiegend im elektrischen Fahrmodus unterwegs, sänken die CO2-Emissionen dagegen deutlich.

Studienautoren: Förderung für Plug-in-Hybride sollte überprüft werden

Vor allem bei privaten Plug-In-Hybriden zahle sich Ladedisziplin für die CO2-Bilanz aus. Gelänge es, alle privaten Plug-In-Hybride täglich aufzuladen, so würden diese Fahrzeuge ungefähr so viele CO2-Emissionen einsparen, wie in den Emissionsberechnungen für das Jahr 2030 bisher angenommen wurde.

Bei Dienstwagen blieben die realen CO2-Emissionen hingegen auch unter sehr optimistischen Annahmen für die Ladedisziplin in 2030 etwa doppelt so hoch wie in den Standard-Testverfahren. Vor allem hier wären zur Verbesserung der Situation deutlich höhere elektrische Reichweiten notwendig.

"Bei derzeitigen Rahmenbedingungen gefährdet der weitere Markthochlauf von Plug-in-Hybridfahrzeugen die deutschen Klimaziele 2030 im Verkehrsbereich. Aus umweltpolitischer Sicht sollte die Förderung aus Kaufprämie und Steuervorteilen dringend überprüft werden", so Studienleiter Julius Jöhrens vom ifeu. Vergünstigungen für Plug-In-Hybride sollten an harte Kriterien für die elektrische Reichweite, die elektrische Leistung und den Nachweis einer regelmäßigen Lademöglichkeit geknüpft sein.

Weiterführende Links
  • „Plug-in hybrid electric cars: Market development, technical analysis and CO₂ emission scenarios for Germany“ - Hier die komplette Studie downloaden