Biobrennstoff

Strohheizung im Stall kann sich für Landwirte lohnen

Stroh hat großes Potenzial als Biobrennstoff, wie die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) meint. Von derzeit 30 Millionen anfallenden Tonnen Stroh pro Jahr könnten etwa fünf Millionen für Strohheizungen verwendet werden. Drei Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern nutzen Stroh als Brennstoff, um ihre Ställe zu beheizen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Anklam/Gülzow (dapd/red) - Bei Dauerfrost braucht Landwirt Henning Schroll schon mal einen Ballen mehr für sein "Strohfeuer". Um für die Ställe genügend Wärme mit seiner Strohheizung zu erzeugen, genügen ansonsten etwa zwei Tonnen Stroh am Tag. Das sind vier der 2,50 Meter langen und jeweils 1,20 Meter breiten und hohen Strohballen. Der dänische Landwirt, der 1993 das Gut Dennin bei Anklam kaufte, wärmt seine Schweineställe für rund 5.000 Tiere mit einer Strohheizung. Und das schon seit 1994.

"In meiner Heimat ist das normal", sagt der 48-Jährige. In Deutschland ist diese Form der Wärmeerzeugung aber noch die Ausnahme. "Meines Wissens beheizen in Mecklenburg-Vorpommern nur noch ein Landwirt in Schwasdorf bei Gnoien und die Landfleischerei Wiechmann bei Dummerstorf ihre Schweineställe mit Strohheizungen", sagt Detlef Harker, der in der Beratungsgruppe Bioenergie des Landes für solche Projekte zuständig ist. "Ansonsten wird Stroh entweder zur Spitzenlast in Holzheizungen oder als Beimischung in Kohlekraftwerken energetisch genutzt. Aber auch das sind eher die Ausnahmen."

Kosteneinsparung gegenüber Ölheizung

Für Schroll waren die Einsparungen an den Brennstoffkosten gegenüber einer Ölheizung ausschlaggebend. Zwar muss auch das Stroh erst geborgen und gepresst werden, aber - auf den Heizwert eines Liters Heizöl bezogen - kostet ihn das Stroh lediglich etwa 21 Cent. Das Öl kostet heute das Vierfache.

Allerdings musste Schroll für die Anschaffung der 600 Kilowatt-Anlage aus Dänemark stolze 90.000 Euro hinlegen, von denen er 30.000 Euro als Fördermittel zurück erhielt. Eigentlich würden noch Kosten für Heizhaus und Leitungsnetz hinzukommen. Schroll konnte aber diese Anlagen des ehemaligen Volkseigenen Gutes nutzen, das seine Schweineställe mit vier Braunkohle-Kesseln geheizt hatte.

Strohheizung: Teuer und mit hohen Auflagen

Während jedoch in Dänemark die Genehmigung von Strohheizungen dieser Größenordnung sehr unbürokratisch vonstattengeht, ist das in Deutschland ein zeitaufwendiger und teurer Hindernislauf, wie der Landwirt bemängelt. Strohheizungen über 100 Kilowatt müssen nach der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImschV) genehmigt werden. Die Einhaltung derer Emissionsgrenzwerte insbesondere hinsichtlich der Staubpartikel machte die Ausrüstung mit einer teuren Filteranlage zwischen Ofen und Schornstein notwendig. Obgleich teuer und mit hohen Auflagen belegt, für landwirtschaftliche Betriebe könnten Strohheizungen sich lohnen, wenn viel Stroh anfällt. Dieser Meinung ist Andreas Schütte Geschäftsführer der FNR.

Stroh fällt genug an

Der Brennstoff Stroh fällt beim Gut Dennin selbst genug an. Schroll baut auf etwa 650 Hektar Getreide an. Für die Heizung braucht er etwa 400 Tonnen Stroh jährlich. "Geht man von drei Tonnen Stroh pro Hektar aus, benötige ich das Stroh von etwa einem Fünftel der Fläche für die Anlage", hat er errechnet. Ein weiteres Fünftel des Strohaufkommens benötigt er als Einstreu in seinen Milchviehställen. Der Rest wird wie in der Landwirtschaft üblich zur Humusbildung untergepflügt. Außerdem mischt Schroll die Phosphor- und Kaliumhaltige Asche der Strohheizung dem Dung unter, der als Dünger auf die Felder kommt.

Nebenprodukt benötigt keine Extra-Fläche

Aber neben dem betriebswirtschaftlichen hat Schroll auch den gesellschaftlichen Nutzen im Auge. "Viele Landwirte nutzen die Abwärme ihrer Biogasanlagen zum Heizen der Ställe. Dazu ist aber Mais erforderlich, dessen Anbau Fläche verbraucht. Stroh ist dagegen ein Nebenprodukt der Getreideproduktion."

Inzwischen hat Schroll nachgerüstet. Seine Strohheizung versorgt nun auch die Wirtschafts- und Wohngebäude des Gutes mit Wärme. Und im Sommer trocknet sie das Korn. Damit steigt der Nutzungsgrad, was die Anlage noch wirtschaftlicher macht.