Ukraine

Sperrzone Tschernobyl: 1.000 Feuerwehrleute löschen Glutnester

Rund um die Atomruine Tschernobyl ist die Zahl der Einsatzkräfte noch einmal erhöht worden. Starke Winde haben Glutnester entfacht, wodurch erneut kleinere Brandherde entfacht wurden. Die Brände waren vor rund zwei Wochen ausgebrochen.

Diana Schellhas, 17.04.2020, 09:02 Uhr (Quelle: DPA)
Zählrohr© djama / Fotolia.com

In der radioaktiv belasteten Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl ist die Zahl der Einsatzkräfte im Kampf gegen verbliebene Glutnester noch einmal deutlich erhöht worden. Unterstützt von Hubschraubern seien am Donnerstag mehr als 1.000 Feuerwehrleute im Einsatz, um die schwelenden Brände einzudämmen und Holzreste zu wässern, teilte der Katastrophenschutz in der Hauptstadt Kiew am Donnerstag mit. Der Wind habe im Laufe des Tages die Nester angefacht, dabei sei es zu drei kleineren Brandherden gekommen. Es gebe jedoch keine bedrohliche Situation, hieß es. Angrenzende besiedelte Gebiete seien nicht durch erhöhte Radioaktivität gefährdet.

Greenpeace warnt vor radioaktivem Staub

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte hingegen vor radioaktivem Staub, der durch die Brände aufgewirbelt worden sei. Die Flammen sollen Satellitenaufnahmen zufolge auf einer Fläche von 48.700 Hektar gewütet haben. Die Rauchfahne hätte zeitweise eine Länge von 200 und eine Breite von 20 Kilometer gehabt. "Bei Feuern dieses Ausmaßes geht auch 34 Jahre nach dem Reaktorunglück von den kontaminierten Böden eine große gesundheitliche Gefahr aus", sagte Heinz Smital, Atomphysiker von Greenpeace, einer Mitteilung zufolge.

Die ukrainischen Behörden gaben jedoch bislang an, dass von den Bränden nur 11.500 Hektar Fläche betroffen sei. Für die vor rund zwei Wochen ausgebrochenen Brände wird teilweise Brandstiftung als Ursache vermutet.

Starke Winde bringen Staubwolken nach Kiew

Am Donnerstag gab es einzelne Berichte, dass die Feuer neu aufgeflammt seien. An vielen Stellen soll starker Wind die Glut angefacht haben, teilte ein Unternehmer mit, der Touristen durch die Sperrzone führt. Offiziell bestätigt wurde dies bislang nicht.

Die heftigen Winde aus Nordwest zogen eine riesige Staubwolke durch die Hauptstadt Kiew, die etwa 70 Kilometer von der Sperrzone entfernt liegt. Ein deutlicher Rauchgeruch war in der Stadt zu spüren. Hier wurden bereits erhöhte Cäsium-137-Werte gemessen. Das Gesundheitsministerium hatte daraufhin vor allem chronisch erkrankten Menschen zusätzlich zu den Einschränkungen der Corona-Pandemie davon abgeraten, außer Haus zu gehen.

Sperrzone nach dem Supergau 1986

In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten der Zone. Nach der Explosion des Blocks vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 wurden radioaktiv belastete Landstriche um die Atomruine gesperrt. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Seit mehreren Jahren ist das Gebiet für geführte Touristen zugänglich.