Niedergang

Solarworld meldet Insolvenz an

Das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld meldet Insolvenz an, rund 3.000 Mitarbeiter sind nun im Ungewissen über ihre berufliche Zukunft. Zuletzt hatte der Chef von Solarworld ein scharfes Sparprogramm angekündigt, um noch etwas zu retten.

Förderung Solarenergie© stormpic / Fotolia.com

Bonn – Der Solartechnik-Hersteller Solarworld wird im Laufe des Donnerstags den erwarteten Insolvenzantrag stellen. Wie ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstag sagte, werde der Antrag in den nächsten Stunden beim zuständigen Amtsgericht eingereicht. Solarworld hatte am Mittwochabend überraschend - aber nicht völlig unerwartet - eingeräumt, keine Zukunft für das überschuldete Unternehmen mehr zu sehen und einen Insolvenzantrag angekündigt. Für die rund 3.000 Mitarbeiter beginnt nun eine Zeit der Ungewissheit.

Harter Sparkurs sollte Unternehmen retten

Der Antrag ist ein neuer Tiefpunkt im bereits länger andauernden Niedergang des einstigen Vorzeigeunternehmens Solarworld. Das Unternehmen kämpft schon länger mit sinkenden Preisen für Solarmodule und einer bedrohlichen Klage in den USA. 2016 gab es tiefrote Zahlen. Unternehmenschef Frank Asbeck hatte noch Ende März angekündigt, mit einem scharfen Sparprogramm bis 2019 wieder aus der Verlustzone kommen zu wollen. Mit "Qualität und Technologie" wolle man sich vom asiatischen Wettbewerb absetzen.

Mit dem Abbau von 400 Stellen - 300 davon in Deutschland - und zahlreichen Einzelmaßnahmen sollten die Kosten um ein Fünftel verringert werden. Ein Sozialplan wurde an den deutschen Standorten in Arnstadt (Thüringen) und Freiberg (Sachsen) bereits verhandelt. 2016 hatte das Unternehmen unter dem Strich knapp 92 Millionen Euro Verlust ausgewiesen.

Für die Tochtergesellschaften der Solarworld AG werde die jeweilige Insolvenzantragspflicht geprüft, teilte das Unternehmen weiter mit. Am Donnerstag gab es dazu noch keine neueren Angaben. Solarworld begründete den Insolvenzantrag mit dem "aktuellen Geschäftsverlauf" und "weiter voranschreitenden Preisverwerfungen".

Konkurrenz aus China und Rechtsstreit in den USA

2016 war der Weltmarktpreis für Solarmodule um rund ein Fünftel abgestürzt. Hintergrund sind starke Überkapazitäten in China. Solarworld wirft der chinesischen Solarbranche extremes Preisdumping vor. Zudem kämpft Solarworld in den USA mit einem Rechtsstreit: Der ehemalige US-Siliziumlieferant Hemlock hat die Deutschen auf umgerechnet rund 720 Millionen Euro Schadenersatz verklagt.

Solarworld hatte seine Verluste zuletzt binnen drei Monaten aber verringert und sich beim Umbau- und Sparprogramm auf Kurs gesehen. Nach vorläufigen Zahlen war das Minus beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im ersten Quartal 2017 auf 28 Millionen Euro gesunken. Im Schlussquartal 2016 hatte der Verlust noch bei 51 Millionen Euro gelegen. Die Absatzmenge an Solarmodulen war im gleichen Zeitraum von 348 auf 382 Megawatt gestiegen.

Mögliche Auswirkungen auf Kunden

Welche Auswirkungen hat die Pleite für Privatbetreiber, die eine Solaranlage des Herstellers auf ihrem Dach haben? "Treten Mängel an der Anlage auf, können sich Kunden innerhalb der gesetzlichen Gewährleistung an ihren Verkäufer wenden, das ist in der Regel der Installateur der Anlage", erklärt Bettina Cebulla, Juristin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Ist die Frist abgelaufen, können Verbraucher den Installateur nicht mehr haftbar machen. "Dann greift in der Regel die freiwillige Garantie des Herstellers", sagt Cebulla. Das Problem: Wenn der Hersteller Insolvenz anmeldet, besteht die Gefahr, dass Kunden den Garantieanspruch nur noch schwer durchsetzen können.

Was tun im Fall eines Mangels?

Wichtig: "Liegt ein Mangel vor, sollten Kunden nach Ablauf der Gewährleistung ihre Garantieansprüche auf jeden Fall beim Insolvenzverwalter anmelden", empfiehlt Cebulla. Dennoch kann es sein, dass der Anspruch nach einer erfolglosen Rettung des Insolvenzunternehmens erlischt.

Kauft eine andere Firma das insolvente Unternehmen auf, können sich Kunden an diese wenden. "In diesem Fall bleiben alle Kundenrechte bestehen und nur der Ansprechpartner ändert sich", sagt Cebulla. Möglich ist auch, dass der Installateur per Vertrag eine freiwillige Garantie übernommen hat. "Das müssen Kunden in ihren Vertragsbedingungen kontrollieren", rät Cebulla.

Quelle: DPA