Strohhalm

Solarworld: Deutsche Werke verkauft - Transfer einiger Jobs möglich

Für einige Mitarbeiter von Solarworld könnte es im Falle einer Übernahme möglich sein, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Die Beschäftigen wurden hierzu informiert. Nach bisherigen Informationen betrifft das 500 Mitarbeiter in Freiberg und nur 700 in Arnstadt.

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Freiberg - Die Mitarbeiter des insolventen Photovoltaik- Herstellers Solarworld in Freiberg sind am Montag vorsorglich über eine mögliche Transfergesellschaft informiert worden. Klarheit über einen Wechsel in diese Gesellschaft gebe es aber erst dann, wenn ein Kaufvertrag mit einer Investorengruppe zustande komme und die Gläubigerversammlung zustimme, sagte Thomas Schulz, Sprechers des Insolvenzverwalters Horst Piepenburg, noch am Montag auf Anfrage.

Update: Deutsche Werke der Solarworld-Gruppe verkauft

Am Dienstag erfolgte dann die Meldung , dass der einstige Gründer des insolventen Solarkonzerns, Frank Asbeck, über eine neue Firma die zwei deutschen Werke des Konzerns übernehmen will. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, hat Insolvenzverwalter Horst Piepenburg einen Kaufvertrag mit der Ende Juli von Asbeck gegründeten Solarworld Industries GmbH geschlossen. Diese solle "wesentliche Teile der Solarzellen- und Modulproduktion" weiterführen und sich auch um den Vertrieb kümmern, hieß es.

Das Geld für das Geschäft soll nach unbestätigten Berichten aus Katar kommen. Das Unternehmen Qatar Solar aus dem Emirat am Golf ist an Solarworld mit 29 Prozent beteiligt. Wenn die Gläubiger zustimmen, will Solarworld Industries in der neuen Struktur am 16. August starten. Zur Kaufsumme machten Piepenburg und Solarworld keine Angaben.

Es habe mehrere andere seriöse Interessenten aus aller Welt gegeben, aber alle hätten noch mehrere Monate für die Prüfung des Kaufs benötigt, sagte ein Sprecher Piepenburgs. So viel Zeit habe das Unternehmen aber nicht, da für die Gehälter kein Geld mehr da sei.

Mitarbeiter wurden über Übernahmemöglichkeiten informiert

Bei der Mitarbeiterversammlung am Montag hatten die Beschäftigten erfahren, wer seinen Job im Fall einer Übernahme durch Investoren behalten kann und wer nicht. Dazu bekam nach Gewerkschaftsangaben jeder Mitarbeiter einen Brief. Es habe zwar eine große Anspannung gegeben, die Beschäftigten seien aber sachlich geblieben und hätten später viele Fragen gestellt. Für jeden Kandidaten eines Wechsels in die Transfergesellschaft soll nun ein Profil auf Basis eines Interviews erstellt werden, hieß es. Das soll eine möglichst schnelle Weiterqualifizierung und Vermittlung auf einen neuen Arbeitsplatz erleichtern.

1.200 Mitarbeiter können in die Transfergesellschaft wechseln

Für 1.200 Beschäftigte in den beiden Werken im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt, die nicht mehr benötigt werden, seien Transfergesellschaften bis Mitte Februar 2018 geplant - 500 in Arnstadt und 700 in Freiberg, so die Mitteilung am Dienstag. Der Einigung müssen die Gläubiger noch zustimmen. Dazu hat Piepenburg für diesen Freitag (11.8.) eine außerordentliche Gläubigerversammlung in Bonn beantragt.

Solarworld machte sechs Jahre lang Verluste in Folge

Mitte Mai hatte Solarworld mit weltweit rund 3.000 Beschäftigten nach sechs Verlustjahren in Folge Insolvenz anmelden müssen. Solarworld sieht sich als Opfer des weltweiten Preissturzes bei Solarmodulen durch Dumping-Angebote vor allem chinesischer Hersteller. Kritiker werfen Asbeck aber auch eigene Fehler und eine zu späte Reaktion auf die Marktveränderungen vor. 2013/14 war der Konzern schon einmal der Pleite nur knapp mit einem tiefen Schuldenschnitt entkommen. In Deutschland wurden zuletzt knapp 1900 Mitarbeiter beschäftigt.

Fachmann: Mit Verkauf kann Konzern deutlich entlastet starten

Dem neuen Eigentümer würden fast alle Anlagen, Vorräte und ausstehende Forderungen übertragen, erklärte der Konzern. Dazu kämen Anteile an den Auslandsgesellschaften des Solarkonzerns mit Ausnahme der US-Gesellschaft. Ein Großteil des Kaufpreises bestehe in der Ablösung der Schulden von Solarworld. Aktionäre der bisherigen Solarworld AG hätten keine Aussicht, an den Verkaufserlösen oder am restlichen Vermögen beteiligt zu werden.

Falls der Verkauf der Werke gelinge, könne die neue Gesellschaft ohne die Schuldenlast des Konzerns deutlich entlastet starten, sagte ein Branchenfachmann. Außerdem falle das existenzgefährdende Risiko einer US-Schadenersatzklage von rund 700 Millionen Euro eines früheren Silizium-Lieferanten gegen Solarworld weg. "Mit dem Neustart hätte der Rest von Solarworld wieder eine Chance, auch wenn die Dumpingpreise am Markt natürlich bleiben", sagte ein Marktinsider.

Quelle: DPA