Wunsiedel

Siemens baut CO2-freie Wasserstoff-Anlage in Nordbayern

Technikkonzern Siemens errichtet in Bayern eine große Wasserstofferzeugungsanlage. Wasserstoff gilt als Schlüssel bei der Umstellung großer Wirtschaftssektoren auf eine klimaneutrale Produktion. Mit der Anlage sollen unter anderem Kunden in Oberfranken, Sachsen und Thüringen versorgt werden.

Diana Schellhas, 29.09.2020, 09:48 Uhr
Siemens AGIn der Wasserstoff-Anlage im Wunsiedler Energiepark sollen ausschließlich erneuerbare Energien zum Einsatz kommen.© Siemens AG

Siemens Smart Infrastructure, Teil der Siemens AG, und die WUN H2 GmbH haben einen Vertrag zum Bau einer der größten Wasserstofferzeugungsanlagen Deutschlands unterzeichnet. Sie wird in der Stadt Wunsiedel im Fichtelgebirge in Bayern errichtet.

Die Elektrolyse-Anlage von Siemens Energy mit einer Anschlussleistung von sechs Megawatt in der ersten Ausbauphase soll ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben werden und somit CO2-frei arbeiten, erklärt der Energie- und Technikkonzern. Sie könne einen Wasserstoffbedarf von über 900 Tonnen pro Jahr in der ersten Ausbauphase bereitstellen. Im Vollausbau seien bis zu 2.000 Tonnen möglich. Spatenstich ist für Ende dieses Jahres geplant und die Inbetriebnahme seien Ende 2021 vorgesehen.

Eigene "Wasserstoff-Quelle" für Nordbayern

Die Elektrolyse-Anlage würde am Wunsiedler Energiepark in unmittelbarer Nähe zu einem bereits in Betrieb befindlichen Batteriespeicher von Siemens errichtet und ergänze das zukunftsweisende Energiekonzept. Die Region Nordbayern erhalte mit dem Projekt eine eigene "Wasserstoff-Quelle". Denn bisher müsse das Gas für Endkunden über relativ lange Transportwege angeliefert werden. Der Wasserstoff würde für die lokale Distribution in Druckgasbehälter befüllt und über LKW-Trailer an lokale und regionale Endkunden, im Wesentlichen in den Regionen Oberfranken, nördliche Oberpfalz, südliches Thüringen und Sachsen sowie Westböhmen (Tschechische Republik), geliefert.

Umstellung auf Wasserstoff für den Klimaschutz

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 weitgehend treibhausgasneutral zu werden. Hierzu müssen alle Energie nutzenden Sektoren, wie zum Beispiel der Verkehrs- oder der Industriebereich, auf die Nutzung kohlenstoffhaltiger Energieträger verzichten.

Die Anlage in Wunsiedel hat Modellcharakter für ganz Deutschland, so die Siemens AG weiter. Sie diene dazu, die in dieser Region vorhandene erneuerbare Energie zum Beispiel aus Photovoltaik und Windkraft in das speicherbare Medium Wasserstoff zu wandeln und für verschiedene Anwendungen in der Mobilität und Industrie verfügbar zu machen. Das sei besonders sinnvoll, wenn an sonnigen und windreichen Tagen zeitweise mehr Strom aus Erneuerbaren erzeugt wird, als gerade benötigt wird. Die Anlage helfe überdies, Netzengpässe zu entschärfen sowie Flexibilität für das Stromnetz bereit zu stellen.