Innogy-Zerschlagung

RWE-Eon-Deal soll 5.000 Arbeitsplätze kosten

Zu dem Mega-Deal zwischen Eon und RWE sind weitere Details bekannt geworden. Eon soll die rund 77 Prozent an Innogy-Anteilen erhalten, die jetzt noch RWE gehören. Dafür soll RWE dann mit 16,7 Prozent an Eon beteiligt werden. Bei der Übernahme sollen tausende Jobs abgebaut werden.

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Essen/ Berlin - Der Energiekonzern Eon rechnet nach der Übernahme des Netz- und Vertriebsgeschäfts der RWE-Tochter Innogy mit dem Abbau von bis zu 5.000 Arbeitsplätzen. Das seien weniger als 7 Prozent der insgesamt deutlich über 70.000 Stellen bei der dann erweiterten Eon, teilten Eon und RWE am Montagabend mit. Gleichzeitig rechnet Eon damit, im kommenden Jahrzehnt Tausende neue Arbeitsplätze schaffen zu können. Eon erwartet zudem jährliche Synergieeffekte von 600 bis 800 Millionen Euro, die ab 2022 realisiert werden sollen.

RWE-Aufsichtsrat segnet Deal mit Eon ab

Zuvor hatte der RWE-Aufsichtsrat der Vereinbarung zugestimmt, die auf eine Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy hinausläuft. Der Eon-Aufsichtsrat hatte bereits am Sonntag grünes Licht gegeben. RWE soll durch den Deal mit Eon die komplette Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien von Innogy und Eon übernehmen. Bisher betreibt RWE nur konventionelle Kraftwerke.

Energiekonzerne werden von Gewerkschaften und Politikern unterstützt

Für den Umbau mit weitreichenden Folgen für das gesamte deutsche Energiesystem haben Eon und RWE die Rückendeckung aus Politik und Gewerkschaften. Verbrauchschützer warnten die Konzerne aber vor möglichen Nachteilen für die Kunden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die bei RWE einflussreichen NRW-Kommunen sehen die geplante Neuordnung bei den Energieriesen im Prinzip positiv. Der Chef des Verbraucherzentralen-Verbands, Klaus Müller, betonte jedoch, dass die Konsequenzen des Deals etwa mit Blick auf die Strompreise genau geprüft werden sollten.

Verdi und IG BCE sehen in zwei starken deutschen Energiekonzernen "Perspektiven für Wachstum und Arbeitsplätze". Die Gewerkschaften erwarten, dass es bei der Neuordnung keine betriebsbedingten Kündigungen gibt und bestehende Tarifverträge erhalten bleiben.

Die Kommunen - mit gut 20 Prozent der Anteile wichtige Aktionäre bei RWE - stellten sich hinter die geplante Aufteilung. Sie sei "sowohl strategisch als auch finanzwirtschaftlich positiv zu bewerten", teilte ihr Verband mit. Es sei gut, dass mit Eon ein deutsches Unternehmen neuer Partner der RWE und indirekt der Kommunen werde.

Vereinbarung von Eon und RWE im Detail

Die Vereinbarung zwischen den Konzernen sieht vor, dass Eon zunächst den RWE-Anteil von rund 77 Prozent an Innogy komplett übernimmt und im Gegenzug RWE mit 16,7 Prozent am eigenen Unternehmen beteiligt. Anschließend sollen die Unternehmensaktivitäten so getauscht werden, dass Eon das komplette Netz- und Vertriebsgeschäft von Innogy erhält. Die erneuerbaren Energien sollen unter dem Dach von RWE vereint werden. Zudem sieht die Vereinbarung eine Zahlung von RWE an Eon in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vor. Den Innogy-Minderheitsaktionären macht Eon ein Übernahmeangebot im Gesamtwert von 40 Euro je Aktie.

Sinken die Preise für Stromkunden?

Verbraucherschützer hoffen auf sinkende Preise. Jeder Wettbewerber, der vom Strommarkt verschwinde, bedeute zwar eine traurige Nachricht für den Kunden, sagte Müller dem "Handelsblatt". "Innogy ist aber ein eher teurer Grundversorger. Darum ist zu hoffen, dass Eon die Strompreise senken wird." Später ergänzte er: "Die Strompreise für Verbraucher dürfen nicht noch weiter ansteigen. Zudem darf sich die Teilhabe von privaten Verbrauchern an der Energiewende nicht verschlechtern."

Prüfung durch die EU-Kommission ist wahrscheinlich

Das Bundeskartellamt wollte das Geschäft und mögliche rechtliche Hürden nicht kommentieren. Vermutlich prüft ohnehin die EU-Kommission den Fall - Brüssel kommt dann zum Zuge, wenn es um sehr große Firmen geht, deren Zusammenschluss grenzüberschreitende Auswirkungen hat. Die Aktien der Unternehmen konnten am Montag teils stark zulegen.

Quelle: DPA