Zwischenbilanz

RWE blickt nach Milliardenverlust hoffnungsvoll in die Zukunft

Im vergangenen Jahr schrieb RWE den höchsten Verlust seit dem Bestehen des Unternehmens. Maßgeblich dafür ist das immer schwächer werdende Geschäft mit den konventionellen Energien. Dann erfolgte der Umbau der Firma. Für 2017 werden bessere Zahlen erwartet.

14.03.2017, 11:46 Uhr (Quelle: DPA)
RWE© RWE AG

Essen - Nach dem höchsten Verlust der Firmengeschichte geht der Energiekonzern RWE im laufenden Jahr von einer Entspannung der Lage aus. Der Gewinn aus dem Tagesgeschäft soll steigen; Problemfelder wie der Atomausstieg sind geregelt. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", erklärte Konzernchef Rolf Martin Schmitz am Dienstag in Essen. "Jetzt geht es darum, auf dieser soliden Grundlage RWE weiterzuentwickeln. Unser Geschäftsmodell dreht sich rund um das Thema Versorgungssicherheit."

RWE schrieb 2016 einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro

Wegen des Strompreis-Verfalls und des teuren Atomkompromisses mit der Bundesregierung hatte RWE im vergangenen Jahr einen Verlust von unterm Strich 5,7 Milliarden Euro geschrieben, wie der Konzern bereits im Februar mitgeteilt hatte. Deshalb soll das zweite Jahr in Folge die Dividende für die Stammaktionäre ausfallen. Für 2017 verspricht RWE weiterhin 0,50 Euro je Aktie und in den Folgejahren eine mindestens stabile Dividende.

"Durch unsere erfolgreiche Neuaufstellung und massive Kosteneinsparungen haben wir die Weichen dafür gestellt, im nächsten und in den folgenden Jahren wieder verlässlich eine Dividende zahlen zu können", erklärte Finanzvorstand Markus Krebber. Konzernchef Schmitz stellte aber gleichzeitig klar: "Ausschüttungen aus der Substanz, die wir durch Schuldenmachen oder den Verkauf von Innogy-Aktien finanzieren, halten wir für falsch."

Gerüchte um Innogy-Verkauf

Am Vorabend der RWE-Bilanzvorlage hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass der französische Strom- und Gaskonzern Engie eine Übernahme von Innogy erwäge. Der frühere Staatskonzern Engie berate sich derzeit mit Experten, hieß es unter Berufung auf gut informierte Kreise. Eine finale Entscheidung sei noch nicht getroffen worden, der Deal könne auch noch abgeblasen werden.

RWE erklärte, man kommentiere derartige Marktgerüchte nicht. Gleichzeitig verwiesen die Essener auf einen Beschluss des Aufsichtsrats aus dem Jahr 2015, dass RWE zwar grundsätzlich Innogy-Anteile verkaufen könne - jedoch nur bis auf 51 Prozent. Nach dem Innogy-Börsengang im Herbst vergangenen Jahres hält RWE noch knapp 77 Prozent. Damit fließen die Geschäftszahlen weiterhin in die Bilanz des Mutterkonzerns ein.

Gewinnbringer Innogy

Innogy hatte am Vortag seine Geschäftszahlen verkündet und ist als einziger der vier großen nordrhein-westfälischen Energieversorger profitabel. In Innogy hat RWE sein Zukunftsgeschäft mit Netzen, Vertrieb und Ökostrom gebündelt. Bei RWE selbst verblieben die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke sowie der Großhandel mit Strom.

Innogy ist auch einer der Gründe, weshalb RWE für das laufende Jahr zuversichtlicher ist. Hier soll das Ergebnis steigen. Zum zweiten Treiber soll das Handelsgeschäft werden, das im vergangenen Jahr einen Verlust eingefahren hatte. Vorstandschef Schmitz hofft hier auf eine Normalisierung. Dagegen rechnet das Management in der konventionellen Stromerzeugung mit einem Ergebnisrückgang, denn der Strom aus den deutschen Braunkohle- und Kernkraftwerken sei deutlich unter den Vorjahrespreisen verkauft worden. "Das Umfeld bleibt schwierig", stellte Konzernchef Schmitz im Geschäftsbericht fest.

RWE-Ergebnis soll sich leicht verbessern

Insgesamt geht die Konzernführung 2017 beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von einem Wert zwischen 5,4 und 5,7 Milliarden Euro aus, nachdem hier im vergangenen Jahr 5,4 Milliarden Euro herausgekommen waren. Das bereinigte Nettoergebnis soll von 0,8 Milliarden Euro auf 1,0 bis 1,3 Milliarden Euro steigen.

Verlustgeschäft mit konventionellen Energien

Die Kohle-, Gas, und Atomanlagen stecken wegen des Booms der erneuerbaren Energien in der Krise. Der Ökostrom wird vorrangig in die Netze eingespeist und verdrängt deshalb die Produktion aus den konventionellen Kraftwerken. Die Folge ist ein Preisverfall. RWE musste vor diesem Hintergrund im vergangen Jahr 4,3 Milliarden Euro insbesondere auf den deutschen Kraftwerkspark sowie auf Anlagen in Großbritannien, den Niederlanden und der Türkei abschreiben.

Milliarden wandern in den Atomfonds

Zweite große Baustelle des Konzerns ist der Atomkompromiss: RWE zahlt zum 1. Juli 2017 die vereinbarten 6,8 Milliarden Euro in den neuen staatlichen Atomfonds. Darin enthalten ist die sogenannte Risikoprämie, mit der sich der Staat für mögliche Kostensteigerungen bei der Atommüllentsorgung wappnen möchte. Mit der Zahlung übernimmt der Staat die Haftung für den Atomausstieg. "Das ist ein gewaltiger finanzieller Kraftakt für uns", sagte Schmitz. Es sei aber letztlich günstiger, den Betrag auf einen Schlag als in Raten zu überweisen.