Stromnetz

Regierung erwägt Beteiligung an Netzbetreiber Tennet

Tennet ist der größte Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland. Der Ausbau der Stromnetze zur Verwirklichung der Energiewende erfordert erhebliche Investitionen. Deshalb prüft die Bundesregierung eine Beteilung an dem Unternehmen.

Diana Schellhas, 19.05.2020, 17:29 Uhr (Quelle: DPA)
Stromnetz© mik ivan / Fotolia.com

Angesichts notwendiger umfangreicher Investitionen ins deutsche Stromnetz prüft die Bundesregierung eine Beteiligung am wichtigen Betreiber Tennet. Eine mit der niederländischen Regierung geschlossene Absichtserklärung sieht ein gemeinsames Vorgehen vor, um die Kapitalbasis von Tennet zu stärken. Dabei sollen auch Optionen bezüglich Investitionen und Beteiligungen seitens Deutschlands und der Niederlande untersucht werden, wie das Bundesfinanz- sowie Wirtschaftsministerium am Dienstag mitteilten. Die Muttergesellschaft des Netzbetreibers, die Tennet Holding, gehört dem niederländischen Staat.

Tennet: Rahmenvereinbarung wird zum Jahresende angestrebt

Die Erklärung bedeutet noch nicht, dass Deutschland tatsächlich Anteile der Tennet Deutschland erwirbt. Tennet ist der größte deutsche Übertragungsnetzbetreiber und hat eine wichtige Rolle beim Ausbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende.

Das Unternehmen erklärte, Schritte zu einer möglichen Beteiligung des deutschen Staates zu unterstützen. Ein Einstieg wäre bei der Tennet Holding oder der Tennet Deutschland denkbar. Alle Beteiligten strebten bis zum Jahresende eine Rahmenvereinbarung an, so Tennet: "Sollten die beiden Länder, die demnächst möglicherweise Anteilseigner eines gemeinsamen, grenzübergreifenden und integrierten Übertragungsnetzbetreibers Tennet sein könnten, noch intensiver zusammenarbeiten, könnte die Energiewende in Nordwesteuropa kosteneffizient bewältigt werden."

Erhebliche Investitionen für neue Stromleitungen erforderlich

In Deutschland gibt es vier große Netzbetreiber. Es sollen Tausende Kilometer neuer Stromleitungen gebaut werden, damit der vor allem im Norden produzierte Windstrom in großen Industriezentren im Süden und Südwesten transportiert werden kann. Für die geplanten Investitionen von Tennet in das deutsch-niederländische Übertragungsnetz würden erhebliche zusätzliche Mittel bis 2029 erforderlich, wie es in der Mitteilung heißt.

Tennet schätzt die nötigen Investitionen bis 2029 auf 40 bis 50 Milliarden Euro, wie das niederländische Finanzministerium in Den Haag mitteilte. Dazu müssten mindestens 5,3 Milliarden Euro von den Anteilseignern aufgebracht werden. Die Niederlande wollen nach eigenen Angaben nur an Investitionen im eigenen Land beitragen. Sollte es aber nicht zu einer deutschen Beteiligung kommen, müssten die Niederlande auch Kapital für den deutschen Teil von Tennet beisteuern.

Beteiligung der Bundesregierung an anderen Firmen

Deutschland ist bereits am Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz beteiligt, über die Staatsbank KfW. Damit wurde der Einstieg eines chinesischen Investors verhindert.

In der Absichtserklärung geht es um eine engere Zusammenarbeit von Übertragungsnetzbetreibern in den Niederlanden, Deutschland und möglicherweise weiteren benachbarten Mitgliedstaaten. Ziel sei eine effiziente Energieversorgung.