Aktivistencamp

Proteste im Hambacher Wald: Situation spitzt sich zu

Im Hambacher Wald kommt es immer wieder zu gewalttätigen Konflikten zwischen der Polizei und Demonstranten. In dem Wald hat sich wegen der geplanten Rodungen von Energiekonzern RWE ein Aktivistencamp niedergelassen.

29.08.2018, 09:23 Uhr (Quelle: DPA)
PflanzeDer Hambacher Wald hat mittlerweile symbolischen Wert beim Kampf gegen den Kohleabbau.© Christian Malsch / Fotolia.com

Hambach - Bei der Durchsuchung eines Aktivistencamps im potenziellen Tagebau-Rodungsgebiet Hambacher Wald hat die nordrhein-westfälische Polizei Pyrotechnik, Zwillen, Krähenfüße und Material für Brennsätze sichergestellt. Eingezogen wurde nach Angaben einer Polizeisprecherin am Dienstag auch Material, das für den Bau von Barrikaden geeignet ist. Bei der Durchsuchung auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden 21 Personen in Gewahrsam genommen, weil sich ihre Identität vor Ort nicht habe feststellen lassen. Drei Personen wurden festgenommen, unter anderem weil sie nach Angaben der Polizei Widerstand gegen den Einsatz leisteten.

Hambacher Wald soll für den Kohleabbau gerodet werden

Seit Tagen gibt es im und am Hambacher Wald immer wieder gewalttätige Konflikte und Angriffe auf Polizisten. Das Waldgebiet liegt im Südosten des Tagebaus Hambach und gilt als Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle. Der Konzern RWE plant ab Oktober Rodungsarbeiten für den Tagebau. Darüber war es in der frisch gegründeten Kohlekommission in Berlin zu einem offenen Streit gekommen.

Massives Kräfte-Aufgebot der Polizei sucht nach Beweisen

Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen vom Wochenende suche die Polizei nach Beweisen für kürzlich begangene Straftaten. Außerdem gehe es um Gegenstände, die zur Vorbereitung oder Durchführung von Straftaten geeignet sind, teilte die Polizei mit.

RWE riss nach eigenen Angaben Zäune und Bretterverschläge auf einem angrenzenden Grundstück ab, das im RWE-Eigentum ist. Dabei sei "geklautes Baumaterial" gesichert worden, sagte ein RWE-Sprecher.

Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach begründete das massive Kräfte-Aufgebot mit einer Gewalteskalation innerhalb einer Woche. "Nachdem wir mit geringen Kräften nicht mehr ohne Gefahr für Leib und Leben der Kollegen in den Wald gehen können, ist jeder Einsatz ein großer – zwangsläufig", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Besetzerszene habe sich stark gewandelt durch neue Gruppen und Straftäter aus ganz Europa.

Bürgerinitiative: Proteste könnten Rodungen noch vorantreiben

Umweltschützer machen dagegen die Rodungspläne von RWE noch während der laufenden Gespräche über die Braunkohle in der Berliner Kommission für die Spannungen verantwortlich. Die Braunkohle kritische Bürgerinitiative Buirer für Buir erklärte, die aktuelle Eskalation könnte sogar zu einer Räumung der Baumhäuser im Hambacher Wald aus Sicherheitsgründen und damit zum Fällen vieler Bäume führen, damit die Polizei mit schweren Fahrzeugen überhaupt in den Wald komme: "Dann hätte RWE das Ziel erreicht und im Herzstück des Waldes würde bereits vor dem 1. Oktober gerodet."