Radioaktiver Abfall

Öffentliche Diskussion zur Endlager-Suche hat begonnen

Die Suche nach einem Atommüll-Endlager geht in die nächste Runde. Am Wochenende diskutieren Wissenschaftler, Kommunen, Verbände und Privatpersonen unter anderem über die Ausschlusskriterien für einen möglichen Standort.

Diana Schellhas, 05.02.2021, 11:56 Uhr (Quelle: DPA)
Atommüll Lagerung© Markus Schieder / Fotolia.com

Wohin mit dem hochradioaktiven Atommüll in Deutschland? Und was zeichnet einen geeigneten Endlager-Standort aus? Über diese und ähnliche Fragen diskutieren von Freitag bis Sonntag Bürger aus ganz Deutschland auf der digitalen Fachkonferenz Teilgebiete. Unter den mehr als 1.600 Teilnehmern sind neben Privatpersonen auch Wissenschaftler sowie Vertreter von Kommunen, Verbänden und Organisationen.

Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen stehen im Mittelpunkt

Ziel ist es, die Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen für einen möglichen Standort für ein Atommüll-Endlager zu erörtern. Organisiert wird die Veranstaltung vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Ursprünglich sollte die Fachkonferenz in Kassel stattfinden, pandemiebedingt mussten die Organisatoren aber auf digitale Konferenzräume ausweichen.

Zwischenbericht des BGE grenzt mögliche Standorte für das Atommüll-Endlager ein

Die Teilnehmer werden sich in erster Linie mit dem Zwischenbericht befassen, den die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) im September 2020 vorgestellt hatte. Mit dem Bericht sind die möglichen Standorte für ein Atommüll-Endlager in Deutschland eingegrenzt worden. Demnach sind hierzulande 90 Gebiete nach geologischen Kriterien grundsätzlich dafür geeignet - das entspricht 54 Prozent des Bundesgebiets. In der nun anstehenden Phase soll die Zahl eingegrenzt werden, damit bis zum Jahr 2031 der Standort für ein Atommüll-Endlager gefunden ist.

Der Zwischenbericht zur Suche nach einem Endlager war bei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Herbst auf große Skepsis gestoßen. Von Bayern gebe es im Verfahren jetzt "keine Totalblockade", der Freistaat werde das Verfahren aber "sehr konstruktiv und kritisch begleiten", sagte der CSU-Chef damals.

Große Erwartungen an politische Akteure

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat vor allem die Länder dazu aufgerufen, sich konstruktiv an der Suche nach einem Atommüll-Endlager zu beteiligen. "Ich bin überzeugt, dass wir uns in Deutschland der gemeinsamen Verantwortung gegenüber der heutigen Bevölkerung als auch vieler Generationen in der Zukunft bewusst sind", sagte sie der "Rheinischen Post" (Freitag) vor Beginn des öffentlichen Beteiligungsverfahrens. Das gelte vor allem für Regierungspolitiker in den Ländern. "Ich erwarte von allen, zur gemeinsamen Verantwortung zu stehen, und werde weiter alles dafür tun, dass wir gut vorankommen."

Grünen-Chef Robert Habeck mahnte eine konstruktive politische Flankierung des Prozesses an. Er erwarte von allen politischen Akteuren, "dass auch sie sich konstruktiv an der Endlager-Suche beteiligen und sich nicht wegducken - von Nord bis Süd, von Ost bis West", sagte Habeck der «Rheinischen Post». Dabei verwies auch er ausdrücklich auf Bayern: "Ich halte es für fatal, dass Bayern sich aus dem Rennen zu nehmen versucht." Es sei der Job aller politisch Handelnden, "hier volle Verantwortung zu übernehmen, auch wenn es unbequem ist".