Solarenergie

Neues Gesetz bringt Förderung für Mieterstrom

Mit Mieterstrom-Modellen können auch Bewohner von Mietwohnungen von lokal erzeugtem Sonnenstrom profitieren. Bisher rechnete sich das Konzept aber für viele Vermieter nicht. Mit einem aktuell verabschiedeten Gesetz soll sich das ändern.

Solaranlage HausdachEiner Umfrage zufolge können sich 66 Prozent an Mietern vorstellen, Mieterstrom zu beziehen.© anweber / Fotolia.com

Berlin - Die Versorgung von Mietern mit selbst erzeugtem Solarstrom soll stärker gefördert und damit der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf Wohngebäuden vorangetrieben werden. Die Bundesregierung brachte am Mittwoch einen Gesetzentwurf zum Ausbau sogenannter Mieterstrom-Modelle auf den Weg. Dabei handelt es sich um Strom aus Quellen wie Solaranlagen auf dem Dach, der an Mieter im gleichen Wohngebäude geliefert wird. Um die Investition für Vermieter attraktiv zu machen, sollen sie für den Strom einen Zuschuss bekommen. Der Bundestag muss zustimmen, Branchenverbände fordern bereits Nachbesserungen.

Lokal erzeugter Sonnenstrom für Mieter

Bisher haben vor allem Eigenheimbesitzer die Möglichkeit, lokal erzeugten Strom aus Solaranlagen auf dem Hausdach zu nutzen. Das soll jetzt auch für Bewohner von Mietwohnungen möglich sein. Wenn ein Vermieter eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert hat, kann er den so erzeugten Strom an seine Mieter liefern.

Mieterstromzuschlag verbessert Rechnung für Vermieter

Das ist zwar schon bisher möglich, rechnet sich aber für die meisten Vermieter nicht. Diese Lücke wird jetzt geschlossen, indem ein Mieterstromzuschlag eingeführt wird. Die Höhe hängt von der Größe der Solaranlage und dem Photovoltaik-Ausbau insgesamt ab. Zugleich wird sichergestellt, dass der Mieter seinen Stromanbieter weiter frei wählen kann und von einer Förderung auch wirklich profitiert.

Der von den Mietern nicht verbrauchte Strom wird ins Netz eingespeist und vergütet. Um die volle Versorgung der Mieterstromkunden sicherzustellen, werden diese gegebenenfalls mit am Markt beschafftem Zusatzstrom versorgt.

Ohne Stromsteuer und Netzentgelte

Mieterstrom ist nach Darstellung der Bundesregierung wirtschaftlich interessant, weil einige Kostenbestandteile wie Netzentgelte, Netzumlagen, Stromsteuer und Konzessionsabgabe nicht anfallen. Dennoch sei es bisher nur in Einzelfällen rentabel. Zugleich liege Deutschland bei der Stromerzeugung aus Solaranlagen zurück.

BDEW: Viele andere werden bei Netzentgelten draufzahlen

Der Branchenverband BDEW warnte indes, die Mehrheit der Mieter würde von dem geplanten Mieterstrommodell nicht profitieren und dieses stattdessen über Mehrbelastungen beim Strompreis finanzieren. Denn "wenige privilegierte Haushalte" würden von Netzentgelten befreit, viele andere zahlten drauf. Vor allem in Städten mit einer hohen Anzahl geeigneter Mietwohngebäude sowie Regionen mit verhältnismäßig hohen Netzentgelten wäre mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen. Denn dort wäre das Mieterstrommodell besonders attraktiv.

Auch der Verband kommunaler Unternehmen sprach sich dafür aus, das Umlagen- und Entgeltsystem grundlegend zu überarbeiten, "um in Zukunft eine faire Lastenverteilung sicherzustellen." Das Mieterstromgesetz dürfe auch nicht dazu führen, dass Unternehmen der Wohnungswirtschaft gegenüber Energieversorgern bevorzugt werden.

Umfrage: 66 Prozent der Mieter sind interessiert

Das Interesse von Mietern an einer Versorgung mit selbst erzeugtem Ökostrom ist laut einer aktuellen Umfrage groß. 66 Prozent der befragten Mieter könnten sich vorstellen, sogenannten Mieterstrom zu beziehen, jeder sechste Mieter würde sich dagegen entscheiden. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Energieanbieters Lichtblick.

Lichtblick: Stromanlagen fehlen

Der Umfrage zufolge beziehen bisher vier Prozent aller Befragten nach eigenen Angaben Mieterstrom. Mit solchen Modellen könnten nach Darstellung von Lichtblick auch Bewohner von Mehrfamilienhäusern von der Energiewende und niedrigen Strompreisen profitieren. Die größte Hürde sei nicht die Akzeptanz, sondern es fehlten Anlagen. Die Umfrage zeige, dass in 82 Prozent der Mietwohnungen keine Anlagen installiert seien, um vor Ort Ökostrom zu erzeugen.

Um das vom Wirtschaftsministerium ermittelte Potenzial von 3,8 Millionen Wohnungen voll auszuschöpfen, müssten rund 370.000 Solaranlagen installiert werden, hieß es bei Lichtblick.

Quelle: DPA