Genehmigung

Neue Brennelemente für Tihange und Doel kommen aus Deutschland

Die beiden belgischen Atomkraftwerke Doel und Tihange werden mit neuen Brennelementen versorgt. Die Lieferung erfolgt mit Genehmigung der Bundesregierung aus Deutschland. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Regierung um die Abschaltung der beiden Reaktoren gebeten hatte.

28.03.2017, 17:33 Uhr (Quelle: DPA)
Atomkraft© bluedesign / Fotolia.com

Aachen - Trotz aller Bedenken an der Sicherheit des belgischen Atomkraftwerks Tihange 2 sind aus Deutschland neue Brennelemente an den Reaktor in der Nähe von Aachen geliefert worden. Insgesamt 50 Transporte für die belgischen Atomkraftwerke Doel und Tihange sind von der Bundesregierung gebilligt worden, wie aus einer Liste des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit hervorgeht. 17 Transporte haben bereits stattgefunden.

Brennstäbe werden trotz Abschalt-Forderung geliefert

Eine verhältnismäßig große Lieferung mit 68 Brennelementen sollte an Tihange 2 gehen. Der WDR hatte zuerst über die Brennelemente-Lieferungen berichtet. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) warf der Bundesregierung vor, sie werde mit ihrer Kritik an dem Atomkraftwerk unglaubwürdig.

"Wortreich wird die Forderung nach Abschaltung der belgischen Bröckelreaktoren unterstützt, aber gleichzeitig genehmigt sie Atomlieferungen, ausgerechnet zu dem umstrittenen belgischen Reaktor Tihange 2", kritisierte Remmel. Es gebe gut begründete Rechtsauffassungen, wonach die Lieferung von Brennelementen ins Ausland sehr wohl verboten werden könne, wenn die Sicherheit der Anlagen nicht ausreichend nachgewiesen sei.

Argumentation der Bundesregierung

Das Bundesumweltministerium kommt unter Verweis auf gesetzliche Bestimmungen zu einem anderen Schluss: "Es kommt vor, dass die Rechtslage nicht alles zulässt, was man politisch für wünschenswert und richtig hält", sagte eine Sprecherin. Die Ausfuhr dürfe nur untersagt werden, "wenn sie gegen unsere internationalen Verpflichtungen verstieße oder die innere und äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden würde".

Risse in den Reaktorblöcken Doel 3 und Tinhange 2

Wegen Tausender kleiner Risse in den Reaktorblöcken und offener Sicherheitsfragen hatte die Bundesregierung vor einem Jahr vergeblich eine Betriebspause für Doel 3 bei Antwerpen und Tihange 2 gefordert. Deutsche Fachleute konnten nicht mit Sicherheit sagen, ob die Meiler im Störfall sicher wären.

Atomkraftgegner betonten, durch die Brennelemente-Lieferungen sei die Sicherheit Deutschlands gefährdet. Ein Lieferverbot der Bundesregierung wäre auch aus ihrer Sicht durch das Atomgesetz gedeckt.