2018

Netzentgelte bleiben größter Kostenblock beim Strompreis

Obwohl viele Betreiber die Netzentgelte im kommenden Jahr senken wollen, bleiben die Gebühren für die Stromnetze einer der größten Kostenblöcke beim Strompreis. Die höchsten Gebühren müssen einer Analyse zufolge die Stromkunden im Nordosten Deutschlands zahlen.

Strompreise© Christian Jung / Fotolia.com

Hamburg - Die durchschnittlichen Netzentgelte bleiben neben Steuern und weiteren Abgaben auch 2018 der größte Kostenblock auf der Stromrechnung der Verbraucher. Sie machen mehr als ein Viertel des Strompreises aus. Während die EEG-Umlage im kommenden Jahr 6,79 Cent pro Kilowattstunde beträgt, fallen für den Stromtransport im Durchschnitt 7,06 Cent an, berichtet Energieunternehmen Lichtblick. In Summe zahlt ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden demnach 2018 im Schnitt 247 Euro für die Netznutzung - gegenüber 238 Euro für die EEG-Umlage.

36 Netzbetreiber wollen die Gebühren senken

Lichtblick analysierte die Netzentgelte in den 16 Landeshauptstädten und 20 weiteren großen Netzgebieten. Die Netzbetreiber müssen die Entgelte für das Folgejahr bis zum 15. Oktober veröffentlichen.

Die Entwicklung der Netzentgelte ist demnach regional sehr unterschiedlich: 8 der 36 untersuchten Betreiber heben die Gebühren um durchschnittlich 8 Euro pro Jahr an, während 27 Leitungsbetreiber die Kosten im Schnitt um 26 Euro senken. Ein Betreiber hatte bis zum Stichtag noch keine neuen Entgelte veröffentlicht.

Unterschiedliche Netzgebühren in den Landeshauptstädten

Im Vergleich der 16 Landeshauptstädte müssen die Verbraucher in Kiel der Analyse zufolge im kommenden Jahr mit Netzkosten von 259 Euro pro Jahr am tiefsten in die Tasche greifen, gefolgt von Hamburg und Saarbrücken mit 244 Euro. Berlin liege mit 205 Euro im unteren Mittelfeld. Am wenigsten zahlten die Bremer mit 162 Euro. Die höchsten Entlastungen gäbe es in Potsdam, wo die Netzkosten um fast 53 Euro auf 219 Euro sinken. Den stärksten Anstieg müssten die Düsseldorfer mit einem Plus von 9 Euro auf 190 Euro verkraften.

Netzentgelte nach Regionen: 381 Euro bei Betreiber Wemag

Die größte Belastung mit Netzkosten treffe Stromkunden im Nordosten der Republik. Im Westteil Mecklenburg-Vorpommerns fielen beim Netzbetreiber Wemag trotz einer Senkung um knapp 29 Euro immer noch 381 Euro an. Es folge die Schleswig-Holstein Netz AG mit 359 Euro (minus 13 Euro). Die stärkste Entlastung gäbe es im Brandenburger und Mecklenburger Netz der EON-Tochter EDIS AG mit minus 79 Euro, trotzdem liege die Gebühr bei 337 Euro. Zur höchsten Steigerung komme es in Baden-Württemberg bei der EnBW-Tochter Netze BW mit einem Plus von 22 Euro auf 294 Euro.

Forderung nach mehr Transparenz

"Nachdem die Netzfirmen jahrelang kräftig an der Preisschraube gedreht haben, gibt es 2018 für viele Stromkunden eine kurze Atempause. Aber das ist kein Grund zur Entwarnung", sagt Gero Lücking, Geschäftsführung Energiewirtschaft bei LichtBlick. So kritisiert das Unternehmen überhöhte gesetzliche Garantierenditen für Netzbetreiber und fordert mehr Transparenz bei der Netzfinanzierung und wirksame Kostenkontrollen durch Aufsichtsbehörden und Gerichte.