Netzausbau

Netzbetreiber: Energiewende macht weitere Stromautobahnen notwendig

Die beiden Stromautobahnen Suedlink und Südostlink sorgen noch immer für Diskussionen. Jetzt gaben die Stromnetzbetreiber bekannt, dass weitere Stromleitungen für den Umstieg auf Erneuerbare gebaut werden müssen.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin - Der beschleunigte Ausbau der Ökoenergien macht nach Berechnungen der Übertragungsnetzbetreiber den Bau von zwei weiteren Nord-Süd-Stromautobahnen erforderlich. Die zusätzlichen Gleichstrom-Erdkabel seien notwendig, wenn der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2030 auf 65 Prozent steigen solle, teilten sie am Montag bei der Veröffentlichung des Entwurfs für die neue Fassung des Netzentwicklungsplans mit.

Die beiden zusätzlichen Höchstspannungsleitungen sollen vor allem Windstrom von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bis nach Baden-Württemberg transportieren. Empfehlungen für konkrete Trassen enthält der Entwurf nicht.

Tennet: Netzausbaukosten steigen auf 52 Milliarden

Die Kosten für den zusätzlichen Netzausbau werden mit rund 52 Milliarden Euro angegeben. Das sind etwa 20 Milliarden Euro mehr als bisher, wie eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet sagte. Für die Anbindung der Windparks auf Nord- und Ostsee kommen bis 2030 - je nach Szenario - bis zu 24 Milliarden Euro hinzu. Derzeit sind drei große Nord-Süd-Verbindungen in Planung. Sie sollen 2025 fertig werden. Die Baukosten landen über die Netzentgelte auf den Stromrechnungen der Verbraucher.

Die Empfehlungen der Kohlekommission seien in dem Entwurf noch nicht eingearbeitet, heißt es in der Mitteilung. Der Vorschlag der Kommission, die Kapazität von Kohlekraftwerken bis 2030 auf 17 Gigawatt zu senken, entspreche aber fast exakt einem der von den Netzbetreibern entwickelten Szenarien für den Netzausbau.

Sprecherin: Durch Digitalisierung können Kosten noch sinken

Der Netzausbau könne aber geringer ausfallen, als in einer früheren Version des Entwicklungsplans angenommen, sagte die Tennnet-Sprecherin. Das sei dank der zunehmenden Digitalisierung, absehbar besseren Speichermöglichkeiten und durch den Verzicht auf das Ziel, Netzengpässe vollständig zu vermeiden, möglich. In die Kosten seien erstmals auch Ausgaben für Grundstücke sowie für Planungs- und Genehmigungsverfahren einberechnet worden.

Der Entwicklungsplan verdeutliche die Dringlichkeit eines zügigen Netzausbaus, kommentierte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) den Entwurf. Es sei vollkommen klar dass die Ziele beim Ökostrom zusätzlichen Netzausbau erforderten. Die Politik müsse deshalb mit aller Kraft für die Akzeptanz der Baumaßnahmen werben, forderte BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer.

Die Grünen dringen auf mehr Transparenz beim Netzausbau. Nur wenn die Bürger "echte Einflussmöglichkeiten auf die Ausgestaltung der Trassen vor ihrer Haustür haben, können wir beim Netzausbau Tempo machen", sagte die Grünen-Energiepolitikerin Ingrid Nestle.

Diana Schellhas / Quelle: DPA