Bundesamt für Strahlenschutz

Nach Tschernobyl-Unfall: Einige Speisepilze noch immer verstrahlt

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl liegt über 30 Jahre zurück. Dem Bundesamt für Strahlenschutz zufolge sind aber noch immer einige Speisepilze, die in deutschen Wäldern wachsen, stark radioaktiv belastet.

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Salzgitter - Auch 32 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind deren Auswirkungen in Deutschland zu beobachten. Das belegen Messergebnisse, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in zwei aktuellen Berichten veröffentlicht hat. Demnach sind einzelne Wildpilzarten in bestimmten Regionen Bayerns nach wie vor stark radioaktiv belastet. Bei landwirtschaftlichen Produkten insgesamt ist die Belastung infolge des Reaktorunfalls von Tschernobyl einem weiteren Bericht zufolge aber deutlich zurückgegangen und die aktuellen Messwerte sind gering.

Radioaktiv belastete Speisepilze

Bei einer Reihe wild wachsender Speisepilze werden immer noch deutlich erhöhte Werte des radioaktiven Cäsium (Cäsium-137) gemessen, welches nach dem Unfall in Tschernobyl ausgetreten ist. Das geht aus dem aktuellen BfS-Bericht "Radioaktive Kontamination von Speisepilzen (Stand: 2017)" hervor. Demnach können beispielsweise Braunscheibige und Orangefalbe Schnecklinge oder Rotbraune Semmelstoppelpilze bis zu einige 1.000 Becquerel (Bq) Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse aufweisen.

Mit einer Mahlzeit höher belasteter Wildpilze könnten dem Körper mehr Cäsium-137 zugeführt werden als mit Lebensmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion innerhalb eines ganzen Jahres. Gesundheitliche Folgen seien dennoch nicht zu befürchten, wenn selbst gesammelte Wildpilze in üblichen Mengen verzehrt werden. Für Pilze, die in den Handel gebracht werden, gelte, dass ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm nicht überschritten werden darf.

Regionen sind unterschiedlich stark belastet

Die höchsten Gehalte an Cäsium-137 in Wildpilzen sind in höher kontaminierten kleineren Gebieten im Bayerischen Wald, im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt und in der Region Mittenwald zu finden, berichtet das BfS weiter. Diese Gebiete seien durch den Reaktorunfall im Jahr 1986 zehnmal höher belastet worden als beispielsweise der Norden Deutschlands. In anderen Regionen seien die Werte in Pilzen wegen der geringeren Ablagerung von Cäsium-137 entsprechend niedriger.

Bericht: Nahrung ist insgesamt weniger radioaktiv belastet

Insgesamt ist die radioaktive Belastung von Lebensmitteln als Folge des Tschernobyl-Unglücks deutlich zurückgegangen. Das geht aus einem weiteren Bericht zur Umweltradioaktivität in Deutschland hervor, in dem das BfS und anderere Leitstellen des Bundes Messergebnisse aus den Jahren 2014 bis 2016 veröffentlichen. Demnach sind beispielsweise die Werte des Cäsium-137 bei Fischen aus Binnengewässern in Süddeutschland seit 1986 um den Faktor 200 gesunken, bei Milch nimmt die Belastung stetig ab und und bei Trink- und Grundwasser sind nahezu alle Messwerte für Radiocäsium sehr gering und liegen weit unterhalb der geforderten Nachweisgrenzen.

Diana Schellhas