Bundesnetzagentur

Monitoringbericht: Strompreise gestiegen – mehr Ökostrom

Die Strompreise sind 2020 für private Haushalte im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Bei der Stromerzeugung hat sich der Anteil erneuerbarer Energien vergrößert. Beides sind Ergebnisse des Monitoringberichts der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamtes.

Diana Schellhas, 28.01.2021, 11:03 Uhr
Regenerative Energien© VRD / Fotolia.com

Das Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur haben den Monitoringbericht 2020 über die Entwicklungen auf den deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkten veröffentlicht. Beim Umstieg von konventioneller auf erneuerbare Stromerzeugung gibt es demnach Fortschritte. "Bis 2023 werden mindestens 9 GW zusätzliche Kohlekapazitäten stillgelegt oder umgerüstet", sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Die Strompreise für Haushaltskunden sind gestiegen, heißt es weiter, wobei aber weniger Verbraucher den Anbieter gewechselt hätten.

Weniger Strom aus fossilen Brennstoffen

Die konventionelle Stromerzeugung ging insgesamt laut Monitoringbericht wie schon in den Vorjahren um 13 Prozent zurück. Die Kohlestromversorgung habe sich auch im Jahr 2019 weiter reduziert. Die Erzeugung in Kohlekraftwerken sei gegenüber dem Jahr 2018 um 59 TWh gesunken (27 Prozent). Bis Ende 2023 würde sich die am Markt befindliche Kohlekapazität auf Basis des Gesetzes zur Reduzierung und zur Beendigung der Kohleverstromung (KVBG) zusätzlich um voraussichtlich 9 GW oder mehr reduzieren. Als Ergebnis des ersten Ausschreibungsverfahrens haben Kohleanlagen mit einer Leistung von knapp 5 GW ihre Kohlestromvermarktung bereits zum Jahreswechsel eingestellt.

Erdgas habe im Vergleich zu 2018 wieder einen größeren Anteil bei der Stromerzeugung beigetragen (+ 17,3 Prozent).

Die Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energieträger sei 2019 wieder etwas stärker gestiegen als im vergleichsweise schwachen Jahr 2018, dabei sei der Anteil von Strom aus Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 42 Prozent gestiegen.

Weniger Redispatch-Maßnahmen nötig

Bei der installierten Erzeugungsleistung sei der Zubau bei den erneuerbaren Energieträgern in 2019 mit dem Vorjahr vergleichbar. Trotz eines deutlichen Anstiegs des Volumens der Abregelung von Erneuerbaren Anlagen aufgrund von Netzengpässen im Vergleich zum Vorjahr seien im Jahr 2019 weiterhin rund 97 Prozent des Erneuerbaren Stroms zum Letztverbraucher transportiert worden. Die Einspeisereduzierungen und –erhöhungen von konventionellen Kraftwerken seien 2019 leicht gesunken. Die Gesamtkosten für Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Systemsicherheit seien von 1,48 Milliarden Euro 2018 auf 1,28 Milliarden Euro in 2019 gesunken.

Entwicklung der Strom- und Gaspreise für Haushaltskunden

Für einen typischen Haushaltskunden habe der durchschnittliche Strompreis zum Stichtag 1. April 2020 bei 32,05 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) gelegen. Damit sei eine Steigerung um 1,2 ct/kWh zum Vorjahr zu verzeichnen. Mit der Senkung der EEG-Umlage ab Januar 2021 auf 6,5 ct/kWh sei ein Schritt unternommen worden, um den Strompreis zu stabilisieren.

Der Gaspreis, der für Haushaltskunden 2020 konstant geblieben sei, würde 2021 aufgrund der CO2-Abgabe voraussichtlich leicht steigen.

Im EU-Vergleich lag Deutschland laut Bericht im zweiten Halbjahr 2019 mit einem Strompreis von 28,78 ct/kWh auf dem zweiten Platz hinter Dänemark mit 29,74 ct/kWh (bei einem Verbrauch zwischen 2.500 und 5.000 kWh). Der durchschnittliche Preis in der EU lag demnach bei 21,66 ct/kWh.

Rund 26 Prozent beziehen Strom über den Grundversorger

Auf den jeweiligen Endkundenmärkten ist wie auch in den vergangenen Jahren derzeit kein Anbieter marktbeherrschend, berichtet die Bundesnetzagentur weiter. Obwohl die Haushaltskunden in Deutschland mittlerweile zwischen über hundert Energielieferanten wählen könnten, sei die Anzahl von Haushaltskunden, die ihren Lieferanten gewechselt hätten, leicht gesunken. Zudem befänden sich weiterhin 26 Prozent der Strom- und 17 Prozent der Gaskunden in der Grundversorgung.

"Der Wechsel des Lieferanten ist fast immer mit einer Ersparnis verbunden, dementsprechend ist der Anteil der teuren Grundversorgungsverträge immer noch zu hoch. In Zeiten von Homeoffice möchten wir verstärkt an die Verbraucher appellieren, sich über den Vertragsstatus und die aktuellen Preise ihrer derzeitigen Strom- und Gaslieferanten zu informieren und diese mit denen anderer Lieferanten zu vergleichen. Der Monitoringbericht 2020 zeigt, dass die jährlichen Einsparpotentiale für Haushaltskunden im dreistelligen Eurobereich liegen können", so Jochen Homann.

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