Selbst Strom erzeugen

Mini-Solaranlagen dürfen nun auch in Deutschland betrieben werden

Der eigene Strom vom Balkon: Der Betrieb von Mini-Solaranlagen ist nun auch in Deutschland erlaubt. Was aber nützen die Anlagen Stromverbrauchern, auf was sollte man achten und können sie auch einen Beitrag zur Energiewende leisten?

Solarkollektoren© Franz Metelec / Fotolia.com

Frankfurt/Hamburg - Kleine Mini-Solaranlagen für Balkon oder Terrasse dürfen nun in Deutschland betrieben werden. In anderen europäischen Staaten wie der Schweiz, Portugal und Österreich war das schon möglich. Damit eröffnet sich auch für Mieter die Möglichkeit, erneuerbare Energien zu erzeugen.

Was versteht man unter dem Begriff "Mini-Solaranlage"?

Mini-Solar-Anlagen sind steckbare Solaranlagen, die sich leicht auf- und wieder abbauen lassen. Sie eignen sich dadurch für den Einsatz auf Balkon und Terrasse - und sind ideal für Mieter. Die Anlagen lassen sich bei einem Umzug auch einfach mitnehmen. Die Technik unterscheide sich aber sonst nicht von den üblichen Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach, erklärt Alexander Nollau vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE).

Welchen Beitrag können kleine Solaranlagen zur Energiewende leisten?

"Zum einen haben sie einen motivierenden Effekt", sagt Michael Friedrich, Pressesprecher von Greenpeace Energy in Hamburg. "Vor allem Stadtbewohner, die selbst bisher aus eigener Kraft kaum direkt zur Energiewende beitragen konnten, können jetzt aktiv werden. Je mehr Nutzer, desto größer der Effekt." Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) rechnete aus, dass in Deutschland sich so viele Stecker-Solar-Geräte installieren lassen, dass mindestens ein großes Braunkohlekraftwerk mit hohem CO2-Ausstoß überflüssig werden kann.

Was haben Nutzer von der Solaranlage auf dem Balkon?

Die Module werden mit einem Wechselrichter verkauft. "Im Solarmodul wird die Sonnenenergie in Gleichstrom umgewandelt", erklärt Marcus Vietzke von der DGS. Der Gleichstrom wird wiederum im Wechselrichter zu Wechselstrom, der in das Wohnungs- oder Hausnetz eingespeist wird. Die Geräte in diesem Netz benutzen vorrangig den Sonnenstrom, danach erst den Netzstrom. Somit lassen sich Stromkosten sparen.

Eine typische Anlage besteht aus ein bis zwei Modulen. Die kleinsten Vertreter haben eine Leistung von circa 150 Watt, die größten von 600 Watt. "Mit 600 Watt lassen sich in Süddeutschland bis zu 660 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Dies entspricht 20 Prozent des Stromverbrauchs des deutschen Durchschnittshaushalts", sagt Vietzke. In weitgehend energieoptimierten Haushalten sind Mini-Solarkraftwerke damit eine effiziente Möglichkeit, den Strombezug spürbar zu senken. "Schon bei einem 150-Watt-Modell lassen sich auf Südbalkonen rund fünf Prozent an Einsparung erzielen", schätzt Friedrich.

Wann macht sich eine Mini-Solaranlage bezahlt?

Experte Vietzke macht eine Beispielrechnung auf: Eine steckbare Solaranlage mit 270 Watt inklusive Zubehör und Lieferung gebe es bei seriösen Händlern für rund 470 Euro. Im besten Fall produziert das Gerät jährlich 300 Kilowattstunden Strom für je 7 Cent und vermeidet den Bezug von Netzstrom für 29 Cent pro Kilowattstunde. Das kann bei aktuellen Strompreisen 87 Euro pro Jahr Ersparnis bedeuten. Das Gerät würde sich auf Basis dieser Rechnung nach fünf Jahren amortisiert haben. Wenn sich die Strompreisentwicklung der vergangenen 25 Jahre fortsetzt, mache das 2.326 Euro Gewinn. Dies entspricht einem effektiven Jahreszins von 6,6 Prozent.

An welche Steckdose kann so eine Solaranlage angeschlossen werden?

Im Prinzip lasst sich das Gerät an eine Steckdose hängen - und gemäß der neuen Norm DIN VDE 0100-551-1, die voraussichtlich 2019 in Kraft tritt, darf es in jeden Stromkreis angeschlossen werden. Für einen normgerechten Anschluss muss dieser Stromkreis aber eine spezielle Einspeisesteckdose aufweisen, die mit der maximalen Anschlussleistung gekennzeichnet ist. "Hersteller können aber auch Geräte anbieten, die an vorhandene Steckdosen angeschlossen werden", sagt Vietzke.

Friedrich ergänzt: "Moderne Stecker-PV-Module mit hochwertigen Wechselrichtern sind sicher. Sie können aus unserer Sicht schon jetzt auch mit Schuko-Steckern genutzt werden." Die Produktnorm sei nur für die Hersteller dieser Geräte wichtig. Damit können sie einfach nachweisen, dass sie ein sicheres Produkt anbieten. "Bis zum Inkrafttreten der Produktnorm voraussichtlich 2019 können sich Verbraucher und Hersteller am Sicherheitsstandard für steckbare Stromerzeugungsgeräte orientieren, den die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie veröffentlicht hat", so Vietzke.

Gibt es weitere Voraussetzungen?

"Es ist verboten, Zähler rückwärts laufen zu lassen", betont Nollau. Das würde aber passieren, wenn mehr Energie eingespeist als verbraucht wird. "Deshalb ist man rechtlich auf der sicheren Seite, wenn der Zähler eine Rücklaufsperre hat." Ist diese nicht vorhanden, sollte der Zähler vom Messstellenbetreiber getauscht werden. In den meisten Fällen ist dies der Netzbetreiber.

Die kleinen Anlagen sind so dimensioniert, dass kaum Strom in das öffentliche Netz gelangt, sondern im Haus verbraucht wird. "Für einzelne Fälle wäre das Einspeisen sicher unproblematisch", sagt Nollau. Es gibt in Deutschland aber über 700 Netzbetreiber, und man bekommt bisher unterschiedliche Auskünfte von ihnen: Das Spektrum reicht vom kostenlosen Zähleraustausch bis zur Behauptung, die Geräte seien illegal und gefährlich. "Einige Netzbetreiber argumentieren, dass Risiken bestehen, wenn Hunderttausende Kunden gleichzeitig Strom in die Netze geben", berichtet Nollau.

Kann es zu Überspannungsschäden oder Bränden kommen?

Nein, betont Vietzke. Er bezieht sich auf Untersuchungen, nach denen mit 600 Watt aus zwei Solarmodulen nicht genug Energie zugeführt wird, um eine fehlerfreie Elektroinstallation zu überlasten. Dies zeigen auch die Erfahrungen mit rund 250.000 steckbaren Solargeräten in anderen europäischen Ländern.

Quelle: DPA