Strom tanken

Ladesäulen-Test: komplizierter Zugang und deutliche Preisunterschiede

Das Tanken an öffentlichen Ladesäulen in Deutschland ist einer Untersuchung zufolge noch immer kompliziert. In der Kritik stehen sowohl die uneinheitlichen Zugangsarten zu den Stromtankstellen als auch die unterschiedlichen Kosten.

Diana Schellhas, 20.10.2020, 11:27 Uhr
Elektroauto Stecker Typ 2© Picture-Factory / fotolia.com

Erneut erhält das System an Ladesäulen in Deutschland ein schlechtes Zeugnis. Energieanbieter Lichtblick hat gemeinsam mit dem Datendienstleister Statista 14 Anbietern von Ladestromtarifen unter die Lupe genommen. Auch die Angebote von zwei Roaminganbietern waren Teil der Analyse. Unterwegs Strom laden bleibt auch 2020 für die Mehrzahl der Fahrer von Elektroautos eine Zumutung, lautet das ernüchternde Urteil.

Mehrere Kritikpunkte an den Ladesäulen und Abrechnungssystemen

Aufgrund des vierten Ladesäulencheck werden gleich mehrere Punkte bemängelt. Der Zugang zu den rund 30.000 öffentlichen Strom-Zapfsäulen sei kompliziert und die Abrechnungsverfahren undurchsichtig. Wer unterwegs Strom laden wolle, erfahre meist erst später mit der Abrechnung den wirklichen Preis.

Preisunterschiede bei den unterschiedlichen Ladestrom-Anbietern

Und der könne erheblich variieren, wie der Vergleich für eine 100-Kilometer-Stromladung eines BMW i3 an einer Standard-Ladesäule (AC) zeige. Zum Haushalts-Strompreis würde die Ladung 4,73 Euro pro Kilowattstunde (31,5 Cent pro kWh) kosten, erklärt der Ökostromversorger. An der Ladesäule sei es fast immer teurer. Die untersuchten Anbieter würden zwischen 4,80 Euro (32 Cent/kWh, Stadtwerke Dresden) und 7,75 Euro (52 Cent/kWh, E.ON) verlangen. In Hamburg fielen 6,66 Euro (44 Cent/kWh, Stromnetz Hamburg) an und in Berlin 6,00 Euro (40 Cent/kwh, Allego). Bei zwei Anbietern könnten E-Auto-Fahrer kostenlos laden.

Hohe Preise fielen auch für den Strom an Schnelladesäulen (DC) an. Hier würden die Anbieter zwischen 48 (EWE, ENBW) und 77 Cent (Ionity) pro kWh verlangen.

Vier der untersuchten Anbieter stellten Pauschalpreise von 5,56 Euro (Stadtwerke Düsseldorf) bis 14,49 Euro (Comfortcharge) pro Ladevorgang in Rechnung. Gerade wenn man nur wenige Kilowattstunden lade, ginge das ins Geld. Zudem berechneten einige Betreiber Zusatzgebühren für jeden Ladevorgang.

Mehrkosten für das Laden über Drittanbieter

Noch teuer sei in der Regel das Roaming, also das Laden über Drittanbieter: Lade ein E-Auto-Fahrer an einer E.ON-Ladesäule mit dem Dienstleister New Motion, zahle er 8,69 Euro für 100 Kilometer Reichweite (statt 7,75 Euro beim Betreiber). Der Preis sei höher als die Kosten einer vergleichbaren Tankfüllung für einen Benziner, die mit 7,50 Euro zu Buche schlage.

Komplizierter Zugang zu den Ladesäulen

Eine große Hürde für E-Auto-Fahrerinnen sei der oft komplizierte Zugang zu den Ladesäulen. Wer zwischen Flensburg nach München in unterschiedlichen Regionen sein E-Auto laden wolle, müsse sich eine Vielzahl von Apps oder Ladekarten besorgen und sich jeweils registrieren. Roaming-Dienstleister lösten dieses Problem, indem sie eine Karte für zehntausende Ladepunkte anbieten. Sie ließen sich diesen Service durch teils kräftige Aufschläge bezahlen.

LichtBlick: Öffentliche Strom-Zapfsäulen sollten allen Versorgern zur Verfügung stehen

LichtBlick fordert eine grundlegende Reform der Ladesäulen-Infrastruktur. Künftig sollen öffentliche Strom-Zapfsäulen allen Versorgern zur Verfügung stehen. Diese zahlen dafür ein Nutzungsentgelt an die Betreiber. Der Vorteil liege darin, dass Verbraucher unter den wettbewerblichen Fahrstrom-Angeboten vieler Versorger wählen und so zu dem Tarif ihres Wahlanbieters an jeder öffentlichen Ladesäulen tanken könnten. In den letzten Monaten sei Bewegung in die Debatte gekommen. Die Bundesnetzagentur wolle es Versorgern technisch ermöglichen, Stromtarife an allen öffentlichen Zapfsäulen anzubieten. Und das Bundeskartellamt untersucht seit Juli den Ladesäulenmarkt.