Schlechte Luft

Kostenintensive Nachrüstungen – Merkel bewertet Diesel-Problem

Reichen bei den Diesel-Fahrzeugen Software-Updates zur Senkung der Stickoxid-Werte aus, oder muss auch an der Hardware geschraubt werden? Laut der Deutschen Umwelthilfe und der Grünen-Bundestagsfraktion kämen bei letzterem Kosten von bis zu 15 Milliarden Euro zusammen. Kanzlerin Merkel äußert sich skeptisch.

Abgase© Avantgarde / Fotolia.com

Meseberg/Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in der Dieselkrise skeptisch zu umfangreichen technischen Nachrüstungen von Diesel-Fahrzeugen geäußert. Solche Nachrüstungen seien "relativ kostenintensiv", sagte Merkel am Mittwoch zum Abschluss der Kabinettsklausur in Meseberg. Sie machte aber zugleich deutlich, die Regierung habe "ganz klare Erwartungen" an die Autoindustrie, die "erkennbar gravierende Fehler" gemacht habe. "Dafür kann weder der Kunde gerade stehen noch der Steuerzahler, sondern dass muss so weit wie möglich von der Automobilindustrie wieder in Ordnung gebracht werden."

Merkel: Nutzen und Kosten müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen

Die Bundesregierung werte derzeit noch verschiedene Gutachten zu Hardware-Nachrüstungen aus. In den nächsten Wochen werde es ein Ergebnis geben, was daraus folge, sagte Merkel. "Aber was man glaube ich schon sagen kann ist, dass auf jeden Fall Nutzen und Kosten in einem vernünftigen Verhältnis sein müssen, und diese Hardware-Nachrüstung ist ja relativ kostenintensiv." Die Autobranche habe zugesagt, Software-Updates bis Ende 2018 abzuschließen. Ein weiterer "großer" Auto-Gipfel sei vorerst nicht geplant.

Überschrittene Schadstoff-Grenzwerte: Reichen Software-Updates aus?

Hardware-Nachrüstungen älterer Dieselautos, also Umbauten an Motor oder Abgasanlage, sind umstritten. Die Autobranche lehnt sie als zu aufwendig und zu teuer ab. Aus Sicht etwa von Umweltverbänden reichen aber Software-Updates der Hersteller nicht aus, um die Emissionen von gesundheitsschädlichen Stickoxiden angemessen zu senken. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte überschritten, Diesel-Fahrzeuge sind ein Hauptverursacher. Es drohen Diesel-Fahrverbote.

Die Kanzlerin sagte, die Zahl der Städte, in denen die Schadstoff-Grenzwerte überschritten werden, sei im vergangenen Jahr auf 66 gesunken. In den nächsten zwei bis drei Jahren würden die "allerallermeisten" Städte die Grenzwerte einhalten. Es würden dann noch etwa 10 Städte übrig bleiben, mit denen die Bundesregierung "besondere Maßnahmen" besprechen werde.

Regierung will weiterhin Fahrverbote vermeiden

Der Bund hatte ein milliardenschweres Programm für bessere Luft in Kommunen auf den Weg gebracht. Dieses sieht etwa Umrüstungen von Bussen oder eine bessere Taktung des öffentlichen Nahverkehrs vor. Das Bundesverwaltungsgericht hatte Diesel-Fahrverbote in Städten generell für zulässig erklärt. Die Politik will Fahrverbote unbedingt vermeiden.

Merkel sagte, die Bundesregierung warte noch auf die schriftliche Urteilsbegründung des Bundesverwaltungsgerichts. "Klar ist aber, dass der Bund sich aus seiner Verantwortung nicht wegziehen wird."

Die Kanzlerin bekräftigte, die Bundesregierung setze nach wie vor nicht auf Fahrverbote und blaue Plaketten, sondern auf "individuelle Maßnahmen" in Städten, mit denen die Bürger so weit wie möglich von Auswirkungen verschont blieben. Kommunen fordern eine Kennzeichnung wie die bundeseinheitliche Regelung mit einer blauen Plakette schon lange, um einen Flickenteppich verschiedener Verbote zu vermeiden.

Rechnungen: Hardware-Nachrüstungen würden 15 Milliarden Euro kosten

Berechnungen zufolge würden Hardware-Nachrüstungen von Diesel-Fahrzeugen der Schadstoffklassen Euro 5 und 6 bis zu 15 Milliarden Euro kosten. Das geht aus Modellen der Deutschen Umwelthilfe sowie der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Quelle: DPA