Weißrussland

Kernbrennstoff erreicht umstrittenes AKW in Belarus

Das Atomkraftwerk in Belarus, das kurz vor seiner Fertigstellung steht, erntet gerade vom Nachbarland Litauen heftige Kritik. Dabei geht es vor allem um die Sicherheitsstandards der Anlage. Jetzt ist auch der Kernbrennstoff für das Kraftwerk eingetroffen.

Diana Schellhas, 06.05.2020, 17:41 Uhr (Quelle: DPA)
Atomkraft© bluedesign / Fotolia.com

Das umstrittene Atomkraftwerk in Belarus (Weißrussland) hat kurz vor seiner Fertigstellung seinen Kernbrennstoff erhalten. Dieser sei für den ersten Atommeiler vorgesehen, teilte das Energieministerium der Ex-Sowjetrepublik in Minsk am Mittwoch mit. Das Akw in Ostrowez an der Grenze zum EU-Land Litauen wird vom russischen Atomenergiekonzern Rosatom gebaut, der die Anlage zu 90 Prozent mit Krediten finanziert. Das Akw soll im Juni fertig werden und ab Herbst ans Netz gehen. Es ist das Prestigeprojekt von Präsident Alexander Lukaschenko. Das Nachbarland Litauen bemängelte immer wieder die Einhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards.

Anfahren des ersten Meilers im AKW Belarus mehrfach verschoben

Der erste Meiler des Milliarden-Projekts mit 1.200 Megawatt Leistung sollte eigentlich schon im vergangenen Jahr den Betrieb aufnehmen. Der Start wurde jedoch immer wieder verschoben. Nach Angaben der Regierung in Vilnius kam es bei den Bauarbeiten mehrfach zu Zwischenfällen. Minsk hält die Kritik für unbegründet. Das autoritär regierte Belarus war 1986 wie kein anderer Staat von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl in der benachbarten Ukraine betroffen.

Litauen stuft AKW als Gefahr für die nationale Sicherheit ein

Litauen hatte das nur 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernte Atomkraftwerk als Gefahr für die nationale Sicherheit eingestuft. In einer diplomatischen Note rief das Land Belarus auf, die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks zu verschieben. Die Sicherheit habe Vorrang vor der Erfüllung des Bauplans, hieß es.

Auch Außenminister Linas Linkevicius appellierte in einem Telefonat mit seinem Amtskollegen Wladimir Makei an die Führung in Minsk, den Reaktor nicht voreilig mit Brennstoff zu befüllen.

Sanktionen und weitere Maßnahmen gefordert

Das litauische Parlament forderte die eigene Regierung ebenfalls zu einem resoluten Vorgehen dagegen auf. Demnach sollten unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden, um Atomstrom aus Belarus den Zugang zum litauischen Strommarkt zu verwehren. Auch sollte die Regierung international um Unterstützung für die litauische Position werben und sich für Sanktionen gegen die am Bau beteiligten Unternehmen stark machen.