Energie und Klimaschutz

Kabinett verabschiedet Wasserstoff-Strategie

Ist Wasserstoff die Lösung gegen die Klimaverschmutzung? Die Bundesregierung hat sich dafür entschieden, besonders die Technologien rund um den grünen Wasserstoff zu fördern. Dabei geht es um Zuschüsse, aber auch um rechtliche Erleichterungen.

Diana Schellhas, 10.06.2020, 17:02 Uhr (Quelle: DPA)
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Deutschland soll nach dem Willen der großen Koalition bei der Nutzung neuartiger klimafreundlicher Wasserstoff-Energie weltweit zum Vorbild werden. Dazu verabschiedete das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin eine Strategie, die Milliarden-Zuschüsse, rechtliche Erleichterungen und konkrete Produktionsziele vorsieht.

Neben den laufenden Förderprogrammen soll mit sieben Milliarden Euro erreicht werden, dass sich Wasserstoff am Markt durchsetzt, weitere zwei Milliarden sind für internationale Partnerschaften eingeplant.

Fokus auf grünen Wasserstoff

Im Zentrum steht dabei sogenannter grüner Wasserstoff, der ausschließlich mit erneuerbarer Energie gewonnen wird. Er kann als Basis für Kraft- und Brennstoffe dienen, um etwa in Industrie und Verkehr die Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas abzulösen. Die Strategie kommt mit einem guten halben Jahr Verspätung, da wichtige Fragen lange zwischen den Ministerien umstritten waren.

"Wir wollen bei den neuen Wasserstoff-Technologien hin zu grünem Wasserstoff weltweit führend sein, als Ausrüster für die Welt, aber auch als Produzenten", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Ziele des Pariser Klimaabkommens könnten nur erreicht werden, wenn auch andere Länder die Potenziale erkennen würden.

Gründung eines nationalen Wasserstoffrats

Bis 2030 sollen in einem ersten Schritt Erzeugungsanlagen für Wasserstoff von bis zu fünf Gigawatt Gesamtleistung in Deutschland entstehen. Ein Nationaler Wasserstoffrat soll die Politik in Zukunft beraten, zudem soll es einen Innovationsbeauftragten beim Bund geben.

Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, um weltweit an die Spitze zu kommen, brauche es noch "jede Menge Forschung und Entwicklung". Vieles könne man in kleinem Maßstab, jetzt gelte es, die Technologien im großen Maßstab in die Praxisanwendung zu bringen.

Bundesregierung will Wasserstoff importieren

Für die Wasserstoff-Produktion braucht es aber sehr viel Energie. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mahnte, wer Ja zu Wasserstoff sage, müsse auch Ja zum Ausbau der Windkraft sagen, weil es zusätzlich Ökostrom brauche.

Die Bundesregierung geht allerdings davon aus, dass ein großer Teil der benötigten Wasserstoff-Menge auf absehbare Zeit importiert werden wird. Entwicklungsminister Gerd Müller unterzeichnete am Mittwoch eine Vereinbarung mit der marrokanischen Regierung zum Aufbau einer ersten industriellen Produktionsanlage für Wasserstoff in dem nordafrikanischen Land.

Aus der Energiewirtschaft und der Industrie kam viel Lob für die Strategie. Umweltschützer begrüßten besonders, dass grüner Wasserstoff im Zentrum stehe - sehen aber den geplanten Ausbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes kritisch, da batterieelektrische Pkw den Strom effizienter nutzen.