Notfälle

Hochwasser-Schäden im Westen: Stromausfälle und defekte Gasleitungen

Durch das Hochwasser im Zuge der Unwetter müssen viele Menschen im Westen Deutschlands ohne Strom auskommen. Im Kreis Ahrweiler kommt es zur Unterbrechung der Gasversorgung, die über Wochen anhalten könnte. Vor allem durch Spenden kann man den Flutopfern aktuell helfen.

Diana Schellhas, 16.07.2021, 16:11 Uhr (Quelle: DPA)
NaturkatastropheWer für die Opfer des Hochwassers spenden möchte, hat mehrere Möglichkeiten. DRK, DLRG und auch die Caritas bieten Spendenkonten an.© M. Klawitter / Fotolia.com

Rund 165.000 Menschen im Westen Deutschlands waren nach Angaben des Energieversorgers Eon wegen des Unwetters und des Hochwassers auch am Donnerstagnachmittag noch ohne Strom. Besonders betroffen seien die Eifel, der linksrheinische Rhein-Sieg-Kreis, der Rheinisch-Bergische Kreis und Teile des Bergischen Landes, teilte das Unternehmen in Essen mit.

Anlagen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet

Im Gebiet der E.ON-Tochter Westnetz hatte Starkregen in der Nacht zum Donnerstag die Pegelstände stark steigen lassen und den Boden aufgeweicht. In Ortsnetzstationen und Umspannanlagen sei es deshalb zu Überflutungen gekommen. Aus Sicherheitsgründen seien die Anlagen bei eindringendem Wasser abgeschaltet worden. Teilweise wurden Anlagen nach Unternehmensangaben schwer beschädigt oder mit den Fluten weggerissen. Alle verfügbaren Mitarbeiter seien vor Ort im Dauereinsatz, um die Stromversorgung wiederherzustellen, hieß es.

Gasleitung zerstört – Reparatur soll Monate oder Wochen dauern

Der Versorger Energienetze Mittelrhein hat die Situation bezüglich der Gasversorgung nach der Hochwasserkatastrophe im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz indessen als dramatisch bezeichnet. "Die Gasleitung ist komplett gerissen. Wirklich zerstört", sagte Unternehmenssprecher Marcelo Peerenboom am Freitag in Koblenz. Mehrere Kilometer Leitung müssten komplett neu gebaut werden. "Das wird leider Wochen oder Monate dauern, bis dort wieder Gasversorgung ist. Das heißt für die Bürger: kaltes Wasser, und wenn die Heizperiode kommt, auch kalte Wohnung."

Das Unternehmen denke darüber nach, wie den Menschen geholfen werden könne. Derzeit komme der Versorger jedoch nicht einmal an alle Schadensstellen heran. "Eine Gasregelstation zum Beispiel liegt komplett unter Wasser", sagte Peerenboom. "Da müssen wir warten, bis Monteure an die Anlagen kommen." Dann könne man sich ein komplettes Bild von der Lage machen. "Bis dahin können Sie nur schätzen."

Wie kann man den Flutopfern helfen?

Helfen können Bürger zum Beispiel mit Spenden: Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG ist in der Wasserrettung im Einsatz. Hier wird gebeten, sich an die drei Regionalverbände (Nordrhein, Westfalen oder Rheinland-Pfalz) zu wenden. Die Spenden an die jeweiligen Konten sollten mit dem Stichwort "Hochwassereinsatz 2021" versehen sein, damit klar ist, wofür das Geld bestimmt ist.

Unterstützung können auch die großen Hilfsorganisationen an verschiedenen Orten gebrauchen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), kümmert sich unter anderem um Sanitätsdienst, Betreuung, Unterbringung und Verpflegung. Das DRK nimmt unter dem Stichwort "Hochwasser" über das bundesweite Spendenkonto Beiträge entgegen.

Menschen, die jetzt Spenden möchten, können sich auch an die jeweiligen Kreise wenden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat diese auf seiner Homepage aufgelistet. Die Kreise haben Bürgertelefone eingerichtet oder veröffentlichen Informationen auf ihren Homepages.

Auch die Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, ruft zu Spenden auf. Dafür ist in Absprache mit den regionalen und lokalen Caritasverbänden ein bundesweit gültiges, zentrales Spendenkonto eingerichtet worden. Alle eingehenden Spenden werden direkt an die lokalen Caritas-Einrichtungen und Ortsverbände, in den am schwersten betroffenen Katastrophengebieten fließen.

Unterkünfte anbieten

Wer nicht materiell helfen möchte, kann auch mit einem Schlafplatz helfen: Die Bonner Oberbürgermeisterin rief am Donnerstag bereits Menschen in ihrer Stadt dazu auf, Hilfe anzubieten: "Liebe Bonnerinnen und Bonner, bitte stellt Unterkünfte zur Verfügung! Meldet Euch, die Stadt stellt den Kontakt zu Menschen her, die Eure Hilfe brauchen", schrieb Katja Dörner (Grüne) am Donnerstag auf Twitter. Im Netz gibt es hierfür ein Kontaktformular auf dem Portal der Stadt Bonn.

Hotline für die Suche nach Angehörigen

Wer Angehörige vermisst sollte sich an die Polizei wenden. In der rheinland-pfälzischen Eifel ist hierfür eine Hotline für Angehörige sowie ein Internetportal für Videos und Bilder eingerichtet. Unter der Nummer 0800-6565651 können sich Menschen melden, die Angehörige vermissen. Unter dem Hinweisportal rlp.hinweisportal.de kann man Videosequenzen und Fotos hochladen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bittet außerdem, sich bei zuständigen Städten und Gemeinden über die aktuelle Lage zu informieren.

Auch, wenn es schwer fällt: Keine Hilfe sind Reisen in das Katastrophengebiet. Denn die Gefahr ist groß, dass sich weitere Menschen damit in Gefahr bringen. "Halten Sie sich von fließenden Gewässern fern, Treibgut ist oft schlecht zu erkennen. Und auch wo es stellenweise wieder trocken scheint, ist die Lage nach wie vor gefährlich", warnt Frank Zantis von der DLRG Nordrhein.

Spendenkonten:

  • Caritas: mit dem Stichwort "Fluthilfe Deutschland CY00897"
  • Lebenshilfe Ahrweiler: Kreissparkasse Ahrweiler / IBAN: DE61 5775 1310 0000 8211 24 / BIC: MALADE51AHR; Volksbank RheinAhrEifel eG / IBAN: DE28 5776 1591 0024 1330 01 / BIC: GENODED1BNA
  • Deutsches Rotes Kreuz (DRK): IBAN: DE63370205000005023307; BIC: BFSWDE33XXX Stichwort: Hochwasser