Blockade

Hambach: "Ziviler Ungehorsam gegen Kohle" geht weiter

Am Wochenende haben Aktivisten mehr als 24 Stunden lang eine Kohlebahn blockiert und damit RWE-Kraftwerke vom Kohlenachschub aus dem Hambacher Tagebau abgeschnitten. Die Polizei erstattete 400 Strafanzeigen.

29.10.2018, 10:46 Uhr (Quelle: DPA)
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Kerpen - Tausende Klima-Aktivisten haben am Wochenende mit einer Gleis-Besetzung über mehr als 24 Stunden RWE-Kraftwerke vom Kohlenachschub aus dem rheinischen Tagebau Hambach abgeschnitten. Außerdem besetzten Demonstranten über Stunden einen Braunkohlebagger in dem Tagebau am Hambacher Forst. Die jungen Leute forderten in einer Aktion des Aktionsbündnisses Ende Gelände den sofortigen Kohleausstieg und Klimagerechtigkeit.

In der Spitze waren 2.500 Aktivisten an der Blockade der Kohlebahn beteiligt, die am Sonntag von der Polizei geräumt wurde. Das Bündnis "Ende Gelände" sprach von der bisher größten "Aktion zivilen Ungehorsams gegen Kohle" mit 6.500 Aktivisten.

Wirtschaftlicher Schaden für RWE

Die Blockade hatte zwar laut RWE keine Folgen auf die Leistung der Kraftwerke. Es seien aber Straftaten verübt worden, die für das Unternehmen einen wirtschaftlichen Schaden in noch nicht zu beziffernder Höhe bedeuteten, teilte das Unternehmen am Sonntag mit. Nach der Räumung müssten aus Sicherheitsgründen Schienen und Gleisbett untersucht und möglicherweise Ausbesserungen vorgenommen werden.

Schwerer Unfall knapp verhindert

Am Rande der Proteste ist ein schwerer Unfall nur knapp verhindert worden. Ein Triebwagen hätte beinahe zwei Demonstranten überrollt, die sich an Gleisen festgekettet hatten. Das berichtete eine Sprecherin der Polizei am Montagmorgen über den Vorfall vom späten Sonntagnachmittag. Der Lokführer habe eine Notbremsung eingeleitet. Der Triebwagen sei zehn Meter vor den Angeketteten zum Stehen gekommen, die sich gegen Einbruch der Dunkelheit dort postiert hatten.

Weil Demonstranten über Autobahn und Schiene liefen, waren die A4 und die Bahnstrecke zwischen Düren und Aachen am Samstag stundenlang gesperrt.

Friedliche Proteste oder "Öko-Terrorismus"?

Im Zuge der Proteste erstattete die Polizei 400 Strafanzeigen. Die Staatsanwaltschaft Aachen leitete Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs ein. Der parlamentarische Beobachter der Linken im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin, stellte dagegen am Sonntag zum Ende der Proteste fest: "Die friedlichen Klimaproteste sind das Gegenteil von Landfriedensbruch."

Die Formen des zivilen Ungehorsams wie das Besetzen von Kohlebaggern, Straßen und Gleisen seien völlig legitim und dürften nicht als Rechtsbruch kriminalisiert werden. "Die Klimaaktivisten sind keine Öko-Terroristen", stellte er fest.

Weniger Teilnehmer als erwartet bei Kundgebung

Verbände wie Robin Wood, Naturfreunde Deutschland und das Kampagnennetzwerk Campact hatten in Kerpen-Buir am Hambacher Forst zu einer Solidaritätskundgebung mit den Aktivisten aufgerufen. Es kamen mit bis zu 3.000 Teilnehmern weniger als erwartet.