Anschlag?

Gasleitung explodiert: Ganz Syrien ohne Strom

In Syrien ist nahe der Hauptstadt Damaskus eine Gas-Pipeline explodiert. Im ganzen Land ist deshalb der Strom ausgefallen. Der Zeitpunkt der Explosion fällt mit der Wiederaufnahme der Gespräche über eine neue Verfassung zusammen.

Diana Schellhas, 25.08.2020, 10:54 Uhr (Quelle: DPA)
ErdölpipelineSyriens Ministerpräsident Hussein Arnus beschuldigt die Opposition, die Gasleitung gesprengt zu haben.© Alexander Tarasov / Fotolia.com

Im Süden Syriens hat die Explosion einer Gas-Pipeline am Montagmorgen zu einem landesweiten Stromausfall geführt. Es gebe Anzeichen auf einen Terroranschlag, sagte der syrische Energieminister Ali Ghanem im staatlichen Fernsehen. Man arbeite mit Hochdruck an den Reparaturen. Viele Haushalte hätten schon wieder Strom.

Wiederholte Angriffe auf Gas-Pipelines

Gegen Mitternacht war es zwischen den Vororten Adra und Dumair nordöstlich der Hauptstadt Damaskus zu einer großen Explosion gekommen. Elektrizitätsminister Mohammed Suhair Charbutli zufolge war sie "die sechste ihrer Art, der diese Pipeline im selben Gebiet ausgesetzt war". Die Explosion habe den Gasdruck im Kraftwerk beeinträchtigt, wodurch andere Stationen ihren Betrieb einstellen mussten und ein landesweiter Stromausfall verursacht wurde. Bildaufnahmen der staatlichen Nachrichtenagentur zeigten Großbrände in den Vororten.

Angriffe auf Gaspipelines in Gebieten, die von der Regierung kontrolliert werden, sind seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 keine Seltenheit.

Der geschäftsführende Ministerpräsident Hussein Arnus sagte während einer Besichtigung der Baustelle, die Reparaturen gingen "schnell voran". Bis zum Abend seien die Arbeiten abgeschlossen und die Leitungen wieder voll funktionsfähig.

Syriengespräche sollen nach der Corona-Zwangspause fortgesetzt werden

In Genf begann derweil nach einer neunmonatigen Corona-Zwangspause am Montag die dritte Runde der Syriengespräche über eine neue Verfassung, die aber nach positiven Corona-Tests bei Teilnehmern zunächst unterbrochen wurden. Je 15 Vertreterinnen und Vertreter von Regierung, Opposition und Zivilgesellschaft sollen mit der neuen Verfassung den Weg für eine politische Lösung des seit 2011 dauernden Konflikts erreichen, bei dem Hunderttausende ums Leben kamen, Millionen vertrieben und das Land weitgehend zerstört wurde.

Beschuldigung: Opposition soll Gas-Pipeline gesprengt haben

Arnus beschuldigte die syrische Opposition, die Gasleitung für die Kraftwerke in Syrien gesprengt zu haben. "Diese Explosion fiel mit dem Beginn der Sitzungen des Verfassungsausschusses zusammen", sagte Arnus während seiner Inspektion vor Ort in einer Erklärung gegenüber Journalisten. Eine Quelle der syrischen Opposition beschuldigte wiederum die syrische Regierung, hinter den Bombenanschlägen zu stehen. Man habe sich daran gewöhnt, dass jedem internationalen Treffen, in dem es um eine Lösung der Syrienkrise gehe, ein Anschlag von Seiten des Regimes vorauseile.