Bergbau-Geschichte

Ende einer Ära: Letzte Steinkohlezeche schließt

Zum Ende dieses Monats schließt in Bottrop die letzte Steinkohlezeche. Im Ruhrgebiet zeugen Museen und andere Ausflugsziele von den 150 Jahren Bergbaugeschichte in Deutschland. Der Strukturwandel kostete Milliarden Euro.

KohleIn den 1950er arbeiteten fast 500.000 Menschen im Ruhrbergbau. Sehr bald schließt die letzte Steinkohlezeche.© Katarzyna M. Wächter / Fotolia.com

Bottrop - Es dürfte ein historisches Datum werden. Am 21. Dezember wird in Bottrop mit Prosper-Haniel die letzte Steinkohlezeche im Ruhrgebiet geschlossen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll dabei sein, wenn Bergleute den symbolisch letzten Förderwagen mit Kohle ans Tageslicht holen. Mehr als 150 Jahre industrieller Steinkohlebergbau in Deutschland sind dann zu Ende.

1950er: Knapp 500.000 Menschen arbeiten im Ruhrbergbau

Erinnert wird im Ruhrgebiet in diesen Tagen immer wieder an die goldene Zeit der Kohle in den 1950er Jahren, als das Revier die Energie und den Stahl für das deutsche Wirtschaftswunder lieferte. Fast eine halbe Million Menschen arbeiteten damals im Ruhrbergbau - so viele wie nie zuvor und nie wieder danach.

"Man kann sagen, dass unser Bild vom Bergbau vor allem durch die erfolgreiche Zeit der 1950er Jahre bestimmt ist. Damals erhielt er das positive, teilweise heroische Image, das ihm bis heute zu eigen ist", sagt Heinrich Theodor Grütter. Er leitet das Ruhrmuseum auf der zum Weltkulturerbe aufgestiegenen Zeche Zollverein in Essen. "Der Kohlehunger war immens, Arbeitskräfte wurden gesucht, Bergleute verdienten Spitzenlöhne wie heute bei VW oder Daimler", beschreibt Grütter die Zeit, als Kohle noch schwarzes Gold war.

Heute ist die Zahl der aktiven Bergleute auf eine überschaubare Gruppe geschrumpft. Auf Prosper-Haniel und der zweiten zum Jahresende schließenden Zeche in Ibbenbüren im Münsterland arbeiten noch rund 3.500 Bergleute.

Öl und Importkohle läuten das Ende der Steinkohle ein

Begonnen hatte der Niedergang schon 1958, als Millionen Tonnen Kohle und Koks unverkäuflich auf den Halden lagen. Das Öl lief der Kohle beim Heizen von Häusern und Wohnungen mehr und mehr den Rang ab. Später kam die deutlich billigere Importkohle hinzu, die in Australien oder Kanada unter viel einfacheren Bedingungen und niedrigeren Kosten abgebaut werden kann.

Auf Druck der Politik und der Bergarbeitergewerkschaft schlossen sich die Bergwerksbesitzer schließlich am 27. November 1968 zur Ruhrkohle AG zusammen. Die Fusion der damals noch fördernden 52 Schachtanlagen gilt als erster wichtiger Schritt des geordneten Rückzugs des deutschen Steinkohlebergbaus. Ein Ausstieg, der schließlich 50 Jahre dauerte und viele Subventionsmilliarden kostete. Und ein Schicksal, das die Braunkohle, um deren Zukunft gerade erbittert gerungen wird, teils noch vor sich hat.

Milliarden an Subventionen für den Strukturwandel

Als das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI 2005 nachrechnete, standen unter dem Strich bereits 130 Milliarden Euro, die in den Bergbau geflossen waren. Inzwischen "dürften wir uns auf rund 200 Milliarden Euro an Subventionen zubewegen, die geflossen sind und noch fließen", sagt der RWI-Energieökonom Manuel Frondel. Ohne diese Subventionen, meint Frondel, wäre "der Strukturwandel an der Ruhr sehr viel schneller in Gang gekommen".

Ganz anders sieht das Stefan Berger, der an Ruhr-Universität das Institut für soziale Bewegungen leitet. "Nirgends auf der Welt ist der Strukturwandel schwerindustrieller Ballungsregionen vergleichsweise so gut gelungen wie im Ruhrgebiet", ist Berger überzeugt. In Großbritannien und den USA habe man den Wandel den Märkten überlassen. "Das hat zum Zusammenbruch ganzer Industrien innerhalb kurzer Zeit und im schlimmsten Fall zu Geisterstadt-Phänomenen geführt, wie wir sie aus Detroit, aber auch aus den Montanregionen im Norden Englands und in Südwales kennen."

Studie: Hohe Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet

Vergleicht man das Revier aber mit anderen Regionen in den alten Bundesländern, dann ergibt sich ein anderes Bild. Trotz aller Förderprogramme, der Gründung von Universitäten und Hochschulen mit inzwischen rund 280.000 Studierenden und Unternehmensansiedlungen ist der Strukturwandel im Revier einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft nach "insgesamt nicht durch ausreichende Erfolge im Aufbau neuer, wachstumsstarker Branchen" geprägt. Entsprechend hoch sind die Arbeitslosenquoten.

Ehemalige Zechen werden zu Freizeitzielen

Auch wenn der Bergbau bald endgültig Geschichte ist, er bleibt dem Ruhrgebiet erhalten. Nicht nur wegen der vielen liebevoll restaurierten Bergarbeitersiedlungen und der zu Museen und Veranstaltungshallen gewordenen Zechengebäude. Die Bergleute haben die Landschaft umgewälzt. Davon zeugen die großen Halden, auf denen lagert, was mit der Kohle aus der Erde geholt wurde. Als begrünte Hügel sind sie jetzt Freizeitziele.

Große Teile des Ruhrgebiets haben sich durch den Kohleabbau abgesenkt, in extremen Fällen bis zu 25 Meter und mehr. Damit sich in den Senken kein Wasser sammelt und das Revier zu einer Seenplatte wird, müssen die Wasserströme auf Dauer mit Hunderten Pumpen reguliert werden. "Ewigkeitslasten" heißen diese und andere Aufgaben, die auch bleiben, wenn die letzte Zeche geschlossen ist.

Diana Schellhas / Quelle: DPA