Forschungsprojekt Nezzy2

EnBW und aerodyn testen schwimmende Windkraftanlagen

Offshore-Windkraftanlagen können bisher nur bis zu einer bestimmten Wassertiefe im Meer errichtet werden, weil das Funament im Boden verankert werden muss. EnBW und aerodyn arbeiten gemeinsam an einem Prototypen für eine schwimmende Windanlage.

Diana Schellhas, 04.06.2020, 15:44 Uhr (Quelle: DPA)
OffshoreBisher schwimmt Nezzy2 in einem Baggersee bei Bremerhaven.© F. Schmidt / Fotolia.com

Zwei Windkraftanlagen auf einer schwimmenden Plattform aus Betonfertigteilen: So sieht ein 18 Meter hohe Prototyp im Maßstab 1:10 aus, mit dem Energieanbieter EnBW und das norddeutsche Ingenieurunternehmen aerodyn engineering in einem Baggersee bei Bremerhaven Tests durchführen.

Im Sommer soll der Prototyp mit dem Namen "Nezzy2" sich in der Ostsee bei Wind und Wellen beweisen. Verlaufen die Tests positiv, soll das Modell mit einem weiteren Partner in Originalgröße in China getestet werden. Ziel des Forschungsprojektes ist die Entwicklung einer neuen Offshore-Technologie, bei der die Windkraftanlagen auf der Wasseroberfläche schwimmen.

Vorteile schwimmender Windkraftanlagen

Bislang werden Offshore-Windkraftanlagen bei maximalen Wassertiefen von 50 Metern mit Fundamenten im Meeresboden verankert. Das begrenzt die Anzahl geeigneter Meeresflächen. Ganz anders sieht das bei schwimmenden Anlagen aus: "Das Potential ist riesig. Mit der neuen Technologie kommen Länder und Meeresflächen mit großen Wassertiefen in Frage und erweitern so die Möglichkeiten der regenerativen Energiegewinnung", erklärt Dr. Hannah König, Leiterin Wind- und Maritime Technik bei der EnBW. Bei künftigen Projekten plane die EnBW selbst schwimmende Anlagen einzusetzen.

Nezzy2-Vorgänger wurde 2018 getestet

Aerodyn hat im Jahr 2018 bereits ein Vorgängerkonzept mit einer Turbine im Maßstab 1:10 erfolgreich im Meer vor Japan erprobt. Das Folgekonzept Nezzy2 ist mit zwei Rotoren ausgestattet und wurde bislang im Maßstab von 1:36 in einem künstlichen Wellenkanal in Cork in Irland getestet.