Unruhige Zeiten

Doch noch Chancen für Kohlekraftwerk in Datteln?

Das Steinkohlekraftwerk in Datteln soll 2020 in Betrieb gehen, wenn es nach dem Betreiber Uniper geht. Die Kohlekommission dagegen will nicht, dass in Bau befindliche Kohlekraftwerke angeschaltet werden. Uniper bereitet die Inbetriebnahme trotzdem vor.

Kohleabbau© eyetronic / Fotolia.com

Düsseldorf - Der Kraftwerksbetreiber Uniper steht vor unruhigen Zeiten. Das drohende Aus für das in Bau befindliche Steinkohlekraftwerk in Datteln, ein ungeklärtes Verhältnis zum Großaktionär Fortum und schlechtere Geschäftsaussichten belasten die frühere Tochter des Energieriesen Eon. Uniper sei aber "sehr gut aufgestellt", um mittelfristig von den steigenden Strompreisen in Deutschland und Europa zu profitieren, sagte Finanzvorstand Christopher Delbrück am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf.

Kohlekommission: Kraftwerk soll nicht angeschaltet werden

Das Steinkohlekraftwerk in Datteln, in das Uniper bislang mehr als 1,5 Milliarden Euro investiert hat, soll nach dem Willen der Kohlekommission nicht angeschaltet werden. Uniper will den Kohlemeiler nach jahrelangen Verzögerungen aber im Sommer kommenden Jahres in Betrieb nehmen. Daran halte man fest, betonte Uniper-Vorstand Eckhardt Rümmler. Er sei sich nicht sicher, "ob die Bundesregierung an das Thema Datteln herangehen und damit der Empfehlung der Kommission folgen will". Der Manager verwies dabei auf die "gewaltigen Investitionen", die kompensiert werden müssten.

Uniper arbeitet weiter an Datteln-Start

Die Kohlekommission hatte in ihrem Kompromiss zum Ausstieg aus der Kohleverstromung dafür ausgesprochen, in Bau befindliche Kohlekraftwerke nicht in Betrieb zu nehmen. Uniper werde, "solange wir keine anderweitigen Anhaltspunkte haben", weiter mit Hochdruck daran arbeiten, das Kraftwerk in Betrieb zu nehmen, sagte Rümmler. Wenn die Bundesregierung Datteln 4 für den Kohleausstieg ins Kalkül ziehe, sollte sie "umgehend mit uns sprechen".

Erneuter Verlust für Uniper

Zwar erhöhte Uniper im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 8 Prozent auf 78,2 Milliarden Euro, unter anderem dank eines spürbaren Anstiegs des Gasgeschäfts. Unter dem Strich verzeichnete der Konzern jedoch erneut einen Verlust. Der Konzernfehlbetrag betrug, unter anderem durch Abschreibungen auf Datteln und ein Kraftwerk in Frankreich, 492 Millionen Euro nach einem Minus von 538 Millionen Euro im Vorjahr. Für das neue Geschäftsjahr geht Uniper von einem weiteren Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Für 2018 will das Unternehmen seinen Aktionären aber mehr Dividende zahlen als ursprünglich geplant. Auch für das neue Geschäftsjahr plant der Konzern eine höhere Ausschüttungssumme ein.

Verhältnis zu Aktionär Fortum neu ordnen

Uniper will sein Verhältnis zu seinem finnischen Großaktionär Fortum, der knapp 50 Prozent der Aktien hält, neu ordnen. Der erkrankte Uniper-Vorstandschef Klaus Schäfer und Finanzvorstand Delbrück, die sich lange gegen den Einstieg der Finnen gewehrt hatten, scheiden zum 31. August aus ihren Ämtern aus. Der verbliebene Vorstand will jetzt mit Fortum über eine strategische und operative Zusammenarbeit sprechen. Für die Gespräche gebe es keine Tabus, sagte Rümmler. Derzeit hätten aber noch beide Seiten "eine andere Vorstellung, wie die Beziehung aussehen könnte".

Melanie Zecher / Quelle: DPA