Zwischenbilanz

Dieselskandal: VW-Updates zu 80 Prozent umgesetzt

Nach dem Dieselskandal hat VW die versprochenen Updates und Reparaturen innerhalb der EU schon zu 80 Prozent umgesetzt. In der Zwischenzeit sind die Ermittlungen wegen der Software-Manipulation einen Schritt weiter.

CO2-Ausstoß Autos© Stefan Redel / Fotolia.com

Brüssel/Braunschweig - EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova hat eine positive Zwischenbilanz der von Volkswagen versprochenen Reparaturen nach dem Dieselskandal gezogen. "Volkswagen hat den Aktionsplan weitgehend erfüllt", sagte Jourova am Montag in Brüssel. Rund 80 Prozent der von VW vorgesehenen Updates bei bis zu 8,5 Millionen Fahrzeugen in der EU seien inzwischen erledigt, mehr als bei solchen Rückrufaktionen in der Autoindustrie üblich. In Deutschland liege die Rate sogar bei 96 Prozent, in Rumänien allerdings nur bei 36 Prozent.

Kostenlose Reparatur bis Ende 2020

Auch habe Volkswagen versprochen, die Reparaturen noch bis Ende 2020 kostenlos anzubieten. Das sei eine gute Nachricht, lobte Jourova. "Verbraucher, die es bisher nicht geschafft haben, ihre Autos reparieren zu lassen, können das immer noch tun."

Dennoch kritisierte Jourova den Konzern. Die EU-Kommission bedaure, dass VW keine volle Garantie für die erledigten Reparaturen geben wolle. Obwohl das Unternehmen die 2016 unter Druck der EU-Kommission gegebenen Zusagen weitgehend erfüllt habe, tue es sich doch durch eine Strategie nach dem Motto "think small" hervor: "Der Slogan aus dem Jahr 1959 galt für ein neues Automodell, nicht für die Haltung eines weltweit führenden Autoherstellers gegenüber Verbrauchern", meinte Jourova.

Ermittlungen gegen VW-Spitze einen Schritt weiter

Derweil will die Staatsanwaltschaft Braunschweig wichtige Ermittlungsakten noch am Dienstag an die Anwälte der beschuldigten Manager verschicken. Er gehe davon aus, dass das Material "heute auf den Postweg" gehe, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe der Deutschen Presse-Agentur. Nach langer Vorbereitung können die Anwälte bald die Hauptakten einsehen. Ursprünglich war dieser Schritt frühestens für Anfang August erwartet worden. Die Unterlagen betreffen 39 Beschuldigte im Fall der Software-Manipulationen beim Stickstoffdioxid-Ausstoß, in 3 Fällen geht es um Marktmanipulation.

Die Anklagebehörde ermittelt unter anderem gegen Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn sowie gegen den neuen Konzernchef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch wegen möglicher Marktmanipulation, gegen Winterkorn zusätzlich auch wegen Betrugs. Winterkorn war im September 2015 von seinem Amt zurückgetreten - kurz nachdem US-Behörden Manipulationen bei Dieselautos aufgedeckt hatten. Volkswagen hatte nur mit einer "defeat device" genannten Software die Schadstoffgrenzwerte bei Abgastests eingehalten.

Die Akteneinsicht erlaubt es den Verteidigern, die Vorwürfe zu prüfen. Danach entscheidet die Staatsanwaltschaft abschließend über eine Anklage. Unklar war zunächst, ob dies noch 2018 geschehen soll.

Quelle: DPA