Rekord

Deutschland nutzt so viel Ökostrom wie nie zuvor

Beim Ökostrom-Anteil ist in Deutschland ein neuer Rekordwert erreicht worden. Wind- und Sonnenstrom deckten von Januar bis September über 40 Prozent des Stromverbrauchs. Im März war der Anteil noch sehr viel höher.

ÖkostromDer Ökostrom-Anteil ist auf 42,9 Prozent angewachsen.© Franz Metelec / Fotolia.com

Berlin - Der Ökostrom-Anteil in Deutschland ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf einen Rekordwert gestiegen - die erneuerbaren Energien haben Kohlestrom abgehängt. Nach Branchenangaben deckten erneuerbare Energiequellen aus Wind oder Sonne zusammen 42,9 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland. Das ist ein Plus von fast fünf Prozentpunkten zum Vorjahreszeitraum.

52 Prozent Ökostrom-Anteil im März

Zu diesem Ergebnis kommen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer ersten Auswertung. Demnach erreichten die erneuerbaren Energien im März wegen des sehr starken Windaufkommens gar einen Anteil von 52 Prozent.

Rund 50 Prozent mehr Ökostrom im Vergleich zur Erzeugung mit Kohle

In den ersten drei Quartalen wurden den Angaben zufolge insgesamt rund 183 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen erneuerbaren Quellen erzeugt. Damit lagen die Erneuerbaren fast 50 Prozent über der Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle, die insgesamt rund 125 Milliarden Kilowattstunden beitrugen. Im Vorjahreszeitraum lagen der Anteil der Erneuerbaren und jener der Kohle laut BDEW und ZSW noch fast gleichauf.

BDEW: Ökostrom-Ziel ist wegen stockendem Windkraft-Ausbau in Gefahr

Die Bundesregierung hat das Ziel, 2030 einen Anteil aus erneuerbaren Energien von 65 Prozent zu erreichen. Jedoch ist gerade der Ausbau der Windkraft an Land ins Stocken geraten. Hauptgründe sind lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen.

Der BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer sagte, die Rekordzahlen beim Öko-Stromanteil stünden im Kontrast zur dramatischen Situation beim Ausbau der Windenergie. "Aufgrund fehlender Flächen und immer restriktiverer Abstandsregelungen rutschen wir in eine regelrechte Rezession. Wenn die Politik nicht endlich die Bremsen für den Ausbau der Windanlagen lockert, werden wir das 65 Prozent-Ziel krachend verfehlen." Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW, forderte einen schnelleren Zubau der Photovoltaik.

Die Windkraftbranche sieht außerdem tausende Jobs in Gefahr. Gebe es weiter Genehmigungsprobleme und einen schwachen Zubau neuer Anlagen, würden 27 Prozent der Arbeitsplätze in der Windenergiebranche bis 2030 verloren gehen. Das geht aus einer Analyse der Beratungsfirma Prognos im Auftrag des Fachverbands VDMA Power Systems hervor, die am Freitag in Berlin vorgelegt wurde.

Diana Schellhas / Quelle: DPA