Energieerzeugung

Deutschland erzeugt weniger Strom – erstmals Wind vor Kohle

Die Menge an Strom, die 2020 in Deutschland produziert wurde, ist gegenüber dem Vorjahr gesunken, so das Statistische Bundesamt. Der Anteil der Erneuerbaren ist demnach auf einen Höchstwert geklettert, was teilweise auch auf den Lockdown im Frühjahr zurückgeführt werden könnte.

Diana Schellhas, 08.03.2021, 10:46 Uhr
ÖkostromtarifeDer Anteil Erneuerbarer bei der Stromerzeugung stieg 2020 auf 47 Prozent, so das Statistische Bundesamt.© vencav / Fotolia.com

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland 502,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und in das Stromnetz eingespeist. Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren das 5,9 Prozent weniger als im Jahr 2019. Dieser Rückgang ist demnach zumindest teilweise auf den niedrigeren Strombedarf infolge des Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 zurückzuführen.

Windanlagen erzeugen mehr Strom als Kohlekraftwerke

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der im Inland erzeugten und eingespeisten Strommenge erreichte laut Bericht unterdessen einen neuen Höchststand: Er stieg von 42,3 Prozent im Jahr 2019 auf 47,0 Prozent im Jahr 2020. Mit 25,6 Prozent habe mit der Windkraft erstmals ein erneuerbarer Energieträger den höchsten Anteil an der in einem Jahr eingespeisten Strommenge und damit Kohle als wichtigsten Energieträger abgelöst. Im Jahr 2020 sei 5,4 Prozent mehr Strom aus Windkraft erzeugt worden als 2019, als der Anteil noch bei 22,8 Prozent gelegen habe.

Starker Rückgang beim Kohlestrom

Die Stromeinspeisung aus konventionellen Energieträgern sei dagegen im Vergleich zum Vorjahr um 13,6 Prozent auf einen Anteil von nur noch 53,0 Prozent an der eingespeisten Strommenge gesunken. Insbesondere die Einspeisung von Kohlestrom sei mit einem Rückgang um 21,5 Prozent auf einen Anteil von 24,8 Prozent an der gesamten Strommenge deutlich niedriger als 2019, als Kohle mit einem Anteil von 29,8 Prozent noch der wichtigste Energieträger gewesen sei.

Mehr Ökostrom durch den Lockdown?

Die niedrigere Gesamtstromerzeugung sowie der gestiegene Anteil der erneuerbaren Energien und der Rückgang der Stromeinspeisung aus Kohlekraftwerken hingen teilweise mit dem Lockdown im Frühjahr 2020 zusammen. Der vergleichsweise geringe Strombedarf in dieser Zeit habe zu einem großen Teil aus erneuerbaren Energien gedeckt werden können. Aufgrund des Einspeisevorrangs für diese Energieträger seien viele konventionelle Kraftwerke zurückgefahren worden. Nur Erdgaskraftwerke, die im Vergleich zu anderen konventionellen Kraftwerken flexibler auf Schwankungen bei der Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energiequellen reagieren könnten, verzeichneten 2020 einen leichten Anstieg um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.