Braunkohleabbau

Demonstration im Hambacher Forst - Räumung am Sonntag ausgesetzt

Wegen einer Demonstration wurde die Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst am Sonntag gestoppt. Bisher sind 77 Hütten von Aktivisten aus dem Wald entfernt worden. Laut dem Manager des Energiekonzerns RWE gibt es keine Chance, den Wald stehen zu lassen.

Abholzung© Jörg Hüttenhölscher/ Fotolia.com

Kerpen - Bei der Räumung des Hambacher Forsts ist die Polizei am Wochenende vorangekommen, sieht sich aber noch nicht am Ziel. 77 Baumhäuser seien bisher geräumt und entfernt worden, sagte ein Polizei-Sprecher am Sonntag in Aachen. Das waren 9 mehr als am Freitag. Wann genau die Räumung abgeschlossen ist, könne aber noch nicht gesagt werden - es sei durchaus möglich, dass noch unentdeckte Hütten gefunden werden. "Das kann noch dauern."

Anzahl der Baumhäuser im Hambacher Forst ist unklar

Die Bäume sind in dem Wald stellenweise so hoch, dass manche der in großer Höhe gebauten Hütten vom Boden aus kaum oder gar nicht zu sehen sind. Ursprünglich war die Polizei von 50 bis 60 Baumhäusern ausgegangen. Nun vermuten die Beamten, dass Aktivisten neue Hütten in den Bäumen bauen und damit die Zahl der Hindernisse für die Ordnungskräfte hochschrauben. Von Aktivisten war zu hören, dass es in dem Forst noch immer besetzte Baumhäuser gebe.

Demonstration am Sonntag

Die Räumungsarbeiten ruhten am Sonntag wegen einer Demonstration auf dem Gelände. Nach Veranstalterangaben kamen mehr als 10.000 Rodungsgegner, um ihrem Unverständnis über die Pläne des Energiekonzerns RWE Ausdruck zu verleihen. Die beschrieb die Polizei als reibungslos. Allerdings bauten Aktivisten wieder Barrikaden im Wald auf. Diese würden halt wieder entfernt, sagte der Polizeisprecher.

RWE hält an seinen Plänen zur Rodung fest

Trotz des anhaltenden Protestes stehen die Zeichen weiter auf Rodung: Der Energiekonzern RWE stellt sein Vorhaben als zwingend notwendig dar, um die Stromproduktion in Braunkohlekraftwerken zu sichern. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz gab den Rodungsgegnern im "Kölner Stadt-Anzeiger" wenig Grund zum Optimismus. "Es gibt keine Chance, den Wald stehen zu lassen", sagte der Manager. Eine Lösung, bei der ein Teil des Forsts stehen bleibe, sei technisch unmöglich.

Ursprünglich hätte RWE mit den Baumfäll-Arbeiten schon an diesem Montag anfangen können - am 1. Oktober startet die Rodungssaison in deutschen Wäldern. Doch der Energiekonzern will eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster zur Rechtmäßigkeit des Vorhabens abwarten und gab daher eine Stillhaltezusage ab. Die gilt aber nur bis zum 14. Oktober. Kommt bis dahin keine Gerichtsentscheidung, könnte RWE loslegen, da das OVG-Verfahren keine aufschiebende Wirkung hat.

Aktivisten zeigen sich weiter optimistisch

Die Aktivisten geben sich unverändert trotzig. So äußerte sich Kathrin Henneberger von der Organisation "Ende Gelände" optimistisch für den weiteren Verlauf der Proteste - es kämen immer mehr Unterstützer, um die Rodung zu verhindern. "Selbst wenn die Polizei Baumhäuser zerstört - unseren Widerstand können sie nicht brechen."

Diana Schellhas / Quelle: DPA