Atommüll

Bohrverbot für Orte mit Endlager-Eignung

Die Suche nach einem Endlager für Atommüll wurde gerade neu aufgerollt. Gleichzeitig wollen Firmen aber tief in der Erde nach Gas bohren. Das muss ab sofort erst genehmigt werden, um ein mögliches Atommülllager nicht zu gefährden. Die Prüfergebnisse werden veröffentlicht.

Atomstrom© dasglasauge / Fotolia.com

Berlin - Niemand will ein Lager für hoch radioaktiven Atommüll vor der Haustür haben - aber irgendwo muss der strahlende Abfall hin. Dass sich bei der Endlager-Suche jetzt ganz konkret etwas tut, kann bald jeder Bürger im Netz verfolgen. Denn wenn Unternehmen in großer Tiefe zum Beispiel nach Wasser oder Gas bohren wollen, müssen sie sich nun bescheinigen lassen, dass sie keinen möglichen Endlager-Ort gefährden. Die Bescheide werden ins Netz gestellt. Wolfram König, Präsident des zuständigen Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), ist sicher: "Es wird öffentliche Diskussionen geben, das ist ganz klar".

Wie ist der aktuelle Stand bei der Endlager-Suche?

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), eine GmbH im Besitz des Bunds, wird demnächst die geologischen Landesbehörden und auch private Unternehmen anschreiben und nach Daten fragen. Auf Basis dieser Informationen erstellt die BGE dann eine Karte mit Regionen, in denen ein Endlager gebaut werden könnte - möglichst innerhalb der nächsten Legislaturperiode, also bis 2021. Infrage kommen grundsätzlich die Gesteinsarten Salz, Ton und Granit, es gibt aber viele Bedingungen - etwa keine starken Erdbeben und eine bestimmte Dicke des Gesteins.

Was hat es mit der Prüfung der Bohrvorhaben auf sich?

Wenn Unternehmen in großer Tiefe bohren, könnten sie mögliche Standorte für ein Endlager untauglich machen. Theoretisch könnten Regionen sich so selbst aus dem Rennen nehmen. Für die Endlager-Suche soll aber gelten: ausgewählt wird nach wissenschaftlichen Kriterien, transparent und mit Beteiligung der Betroffenen, so heißt es im Gesetz. "Wir müssen sicherstellen, dass kein Standort besonders geschützt wird", sagt König. Bisher galt eine sogenannte Veränderungssperre nur für den umstrittenen niedersächsischen Salzstock Gorleben - eine Vor-Festlegung, die Kritiker wütend machte.

Was genau passiert bei der Prüfung?

Wenn Unternehmen etwa nach Wasser, Gas oder Erdwärme bohren wollen, stellen sie einen Antrag bei der zuständigen Landesbehörde. Wenn es tiefer als 100 Meter gehen soll und Stein, Granit oder Salz im Untergrund zu erwarten sind, dann prüfen die Behörden, ob ein möglicher Endlager-Ort gefährdet werden könnte. Sie entwerfen einen Bescheid, der die Bohrung zulässt oder ablehnt. Das BfE nimmt Stellung zu diesem Bescheid und veröffentlicht das Ergebnis auf seiner Homepage. Eine Entscheidung über Vorhaben in 100 bis 200 Metern Tiefe muss innerhalb von acht Wochen fallen, um die Wirtschaft möglichst wenig zu behindern.

Lassen sich so künftige Atomlager erkennen?

Nein, auch wenn die Veröffentlichung der Bescheide in den Regionen natürlich für Aufsehen sorgen dürfte. "Es geht nicht um die Feststellung, hier ist irgendein Endlager-Standort möglich", sagt König. "Sondern es geht um eine sehr punktuelle Betrachtung und darum festzustellen, ob es generell ausgeschlossen ist oder sich lohnt, genauer hinzugucken." Wenn an einer Stelle gebohrt werden darf, dann heißt das auch nicht automatisch, dass dort kein Endlager entstehen kann. Zum Beispiel könnte in 120 Metern Tiefe gebohrt werden, wenn ein Endlager noch weiter unten denkbar wäre.

Warum findet nicht erst die Suche nach einem Endlager statt?

Nach den jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um Gorleben waren sich Parteien und Experten weitestgehend einig, dass die Endlager-Suche einen Neustart braucht. Das neue Standortauswahl-Gesetz ist seit Mai in Kraft. Die Grundlagen dafür haben Wissenschaftler, Politiker aller Parteien im Bundestag, Umweltschützer und engagierte Bürger zusammen erarbeitet. Ziel ist, bis 2031 einen Standort zu finden und das Endlager zur Mitte des Jahrhunderts fertig zu haben. Schon jetzt halten aber viele diesen Zeitplan für unrealistisch.

Quelle: DPA