Windkraft-Insolvenz

Bewährungsstrafe für früheren Prokon-Chef

Der Windkraftanlagen-Betreiber Prokon ging 2014 in die Insolvenz. Nun ist gegen den ehemaligen Chef und Mitbegründer des Unternehmens wegen Steuerhinterziehung eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verhängt worden.

Melanie Zecher, 12.06.2020, 17:55 Uhr (Quelle: DPA)
Prokon Energiesysteme GmbH© Prokon Energiesysteme GmbH

Gegen den früheren Prokon-Chef Carsten Rodbertus (59) hat das Amtsgericht Itzehoe einen Strafbefehl von zehn Monaten Freiheitsstrafe "wegen Steuerhinterziehung in großem Ausmaß" erlassen. Die Strafe gegen den Mitbegründer des Windkraftanlagen-Betreibers sei zur Bewährung ausgesetzt, sagte eine Sprecherin des Landgerichts Itzehoe am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte das "Handelsblatt" berichtet. Bei der Anklage ging es um zwei Fälle der verkürzten Kapitalertragsteuer für die Prokon Regenerative Energien GmbH im Jahr 2013.

Der bereits am 20. Mai ergangene Strafbefehl ist nach Angaben des Landgerichts inzwischen rechtskräftig. Ein Einspruch sei nicht bei Gericht eingegangen. Rodbertus sagte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur: "Ich nehme zu nichts mehr Stellung".

Die Prokon-Insolvenz und die Folgen

Prokon finanzierte sich Anfang der 2010er Jahre mit Hilfe sogenannter Genussrechte, einer Mischform aus Aktie und Anleihe. Anleger erhielten hohe Zinsen von bis zu acht Prozent. Nachdem Prokon als Unternehmen 2014 Insolvenz anmelden musste, ist als Nachfolger die Genossenschaft entstanden. Vor der Insolvenz hatten rund 75.000 Anleger 1,4 Milliarden Euro in Prokon investiert. Sie haben gut 40 Prozent ihres Einsatzes verloren, können aber auf künftige Ausschüttungen der Genossenschaft hoffen, sofern sie dabeigeblieben sind.

2019 machte Prokon knapp 93 Millionen Euro Umsatz und erzielte einen hohen einstelligen Millionengewinn, wie Vorstand Henning von Stechow dem "Handelsblatt" sagte.