Krisenmanagement

Berlin nicht für längeren Stromausfall gewappnet

Wissenschaftler haben in einer Untersuchung geprüft, wie es um Berlin bei einem länger andauernden Stromausfall bestellt wäre. Das Ergebnis: Bereits nach wenigen Stunden gäbe es die ersten Toten; Feuerwehr, Krankenhäuser oder Polizei würden an ihre Grenzen stoßen und nach zwei Tagen wäre die Versorgung nicht mehr gewährleistet.

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Berlin (red) – Für Einrichtungen des Katastrophenschutzes käme ein mehrtägiger Stromausfall in der deutschen Hauptstadt einem Fiasko gleich: In einer Pressekonferenz im Rathaus Zehlendorf wurden die Ergebnisse des noch laufenden Projektes KatLeuchttürme der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin vorgestellt. Weiter standen die Ergebnisse einer Umfrage unter der Berliner Bevölkerung auf dem Programm.

Energetisch stark vernetzt

Tatsächlich ist die Energieversorgung in Berlin stark vernetzt: Drei Höchstspannungsleitungen verbinden die Hauptstadt mit dem europäischen Verbundnetz. Würde der Verbund ausfallen oder die drei Leitungen durch Unwetter oder ähnliches beschädigt oder gar sabotiert, wäre es problematisch, die Kraftwerke in Betrieb zu halten, so die Experten auf der Konferenz.

Tote nach wenigen Stunden

Beginnend bei der Stromversorgung ergäben sich gleich mehrere ernst zu nehmende Gefahren. Die ersten Todesfälle gäbe es bereits nach sechs Stunden bei Patienten, die auf lebenserhaltende Geräte angewiesen wären, berichtet tagesspiegel.de. Menschen würden in U-Bahnen festsitzen, alle Ampeln der Stadt würden ausfallen und insgesamt würden Feuerwehr und Polizei "stark an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit kommen", so Brandschutzdirektor Frieder Kircher.

Generatoren laufen mit Diesel

"Mit Notstromaggregaten sind wir gut ausgestattet", schätzt Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke die Lage ein. Allerdings würde die Versorgung bei Kliniken und Mobilfunkbetreibern trotzdem nach einigen Stunden knapp. Die Stromgeneratoren müssten mit Diesel versorgt werden und nur drei Tankstellen der Stadt verfügten über einen eigenen Notstrombetrieb. Dann müsse man entscheiden: "Sollen im Krankenhaus die Wachkoma-Patienten mit Strom versorgt werden oder im Rathaus der Krisenstab?", so Wilke weiter.

Strategien für den Notfall

Die Kraftwerke von Vattenfall könnten im Winter ein Drittel der Stadt mit Strom versorgen, so Julia Klausch, Sprecherin des Energiekonzerns. Ein Notfallplan sehe die abwechselnde Versorgung der unterschiedlichen Kieze vor.

"KatLeuchttürme" soll ein Konzept für Anlaufstellen in Krisenfällen entwickeln. Im Rathaus Zehlendorf und in der Charité werden in einem Pilotprojekt sogenannte "Leuchttürme" erprobt. Tatsächlich sei eine dreistellige Zahl der Anlaufstellen, die über eine bessere Kommunikationstechnik oder eine Notstromversorgung verfügen, im Gespräch. Mit diesen Tests solle herausgefunden werden, was die Leuchttürme im Krisenfall leisten müssten.

Einwohner Berlins wurden befragt

Die genannte Umfrage lieferte Aufschluss über Reaktionen und Ausstattung der Bevölkerung im Fall der Fälle: 65 Prozent von 800 Befragten nehmen Medikamente ein, rund drei Viertel verfügen meist über Lebensmittel, die bis zu vier Tage reichen könnten. Der größte Teil der Befragten würde bei Ausfallen des Telefons Polizei, Feuerwehr oder Krankenhäuser aufsuchen. Weniger würde man das Deutsche Rote Kreuz, Kirchen oder andere Anlaufstellen in Anspruch nehmen. Die meisten zeigen sich hilfsbereit, wenn es darum ginge, sich um den Nachbarn zu kümmern.