Rheinische Post

Bericht: Kohle-Aus könnte RWE Milliarden an Entschädigung bringen

Energieriese RWE kann einem Pressebericht zufolge mit einer gigantischen Entschädigungssumme wegen des Kohleausstieges rechnen. RWE-Chef Rolf Schmitz hatte zuletzt bis zu 1,5 Milliarden Euro für jedes Gigawatt Leistung gefordert, das bis 2022 vom Netz gehen soll.

Diana Schellhas, 10.01.2020, 16:52 Uhr (Quelle: DPA)
RWEBis 2038 sollen alle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. RWE hat sogar© RWE AG

Der Energiekonzern RWE könnte einem Pressebericht zufolge im Zuge des Kohleausstiegs bis zu zwei Milliarden Euro Entschädigung erhalten. Hinzu kämen Anpassungsgelder von rund 700 Millionen Euro für Beschäftigte, die wegen des Kohleausstiegs ihren Arbeitsplatz verlieren, schreibt die "Rheinische Post" (Freitag) unter Berufung auf Berliner Kreise. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sei mit dem Essener Konzern weitgehend handelseinig. Ein Konzernsprecher wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

RWE-Aktie wird Spitzenreiter im Dax

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. RWE-Aktien legten am Morgen um 3,5 Prozent zu und waren damit mit Abstand Spitzenreiter im Dax. Sollte RWE tatsächlich zwei Milliarden Euro erhalten, wäre das wohl deutlich mehr als am Markt erwartet.

Analyst Alberto Gandolfi von der Investmentbank Goldman Sachs hatte die Entschädigungssumme jüngst auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Ihm zufolge dürfte dies auch etwa der Betrag sein, den Investoren allgemein erwarteten. Das nun in der "Rheinischen Post" beschriebene Gesamtpaket einschließlich der Millionen für die Beschäftigten falle pro Aktie gerechnet um zwei Euro höher aus als erwartet, schrieb Gandolfi am Morgen.

RWE-Chef verlangt 1,5 Milliarden an Entschädigung pro Gigawatt

RWE-Chef Rolf Schmitz hatte im vergangenen Jahr Entschädigungen von bis zu 1,5 Milliarden Euro für jedes Gigawatt Leistung gefordert, das bis 2022 vom Netz gehen soll. RWE werde die Hauptlast der Braunkohlekapazität von drei Gigawatt tragen müssen, die bis 2022 abgeschaltet werden soll, sagte er damals.

Ministertreffen zum Kohleausstieg

Nach Informationen der "Rheinischen Post" soll es am Sonntagabend ein Gespräch der Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff, mit Kanzleramtsminister Helge Braun (alle CDU) geben. Am Mittwoch ist ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und allen Ministerpräsidenten geplant, deren Länder von dem bis 2038 geplanten Kohleausstieg betroffenen Bundesländer sind, schreibt das Blatt. Dazu gehören auch Armin Laschet (CDU) aus Nordrhein-Westfalen und Dietmar Woidke (SPD) aus Brandenburg.

Kretschmer und Haseloff drängen die Bundesregierung, Ostdeutschland beim Ausstieg aus der Kohleenergie nicht gegenüber dem Westen zu benachteiligen. Nachteile könnte es im Osten vor allem geben, weil der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper überlegt, all seine Kohlekraftwerke abzuschalten oder auf Gas umzurüsten. Dazu könnte es kommen, wenn der Neubau Datteln 4 im Ruhrgebiet als modernstes Kohlekraftwerk Europas ans Netz gehen kann. In Schkopau in Sachsen-Anhalt betreibt Uniper mit dem Konzern EPH ein Braunkohle-Kraftwerk.