Atommüll

Behörde genehmigt Castor-Transport auf dem Neckar

Gegen den Castor-Transport auf dem Neckar protestieren Atomkraftgegner seit der ersten Bekanntmachung vor rund zwei Jahren. Grünes Licht für das Vorhaben gab es nun vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit. Betreiber EnBW will noch in dieser Woche die Schiffe beladen.

16.05.2017, 17:17 Uhr (Quelle: DPA)
Atommüll Lagerung© Markus Schieder / Fotolia.com

Obrigheim - Gegen den Widerstand von Atomkraftgegnern hat das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit den Transport von Castorbehältern mit radioaktivem Müll auf dem Neckar erlaubt. Die Beförderung von 15 Behältern mit insgesamt 342 Brennelementen vom stillgelegten AKW Obrigheim zum Zwischenlager Neckarwestheim sei genehmigt, teilte die Behörde in Berlin am Dienstag mit. Es wäre der erste Transport hoch radioaktiver Abfälle auf einem deutschen Fluss.

EnBW: Beladung der Schiffe beginnt in den kommenden Tagen

Die EnBW Kernkraft GmbH will noch in dieser Woche mit der Beladung der ersten drei Behälter beginnen. "Wir sind auf den gesamten Ablauf sehr gut vorbereitet", sagte Geschäftsführer Jörg Michels. Das Aktionsbündnis "Neckar castorfrei" kritisierte die Genehmigung scharf und sprach von einer "Entscheidung gegen die Sicherheit". Hingegen sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), er gehe bei der geplanten Beförderung von "höchsten Sicherheitsstandards" aus.

Wann der etwa 50 Kilometer lange Transport am unteren Neckar erfolgen könnte, war zunächst unklar. Die Beladung jedes einzelnen Behälters dauert laut EnBW einige Tage. Im Februar hatte das Unternehmen einen Probelauf mit Castoren ohne radioaktives Material unternommen.

Atomkraftgegner fürchten die Folgen eines Unfalls

Atomkraftgegner protestieren gegen die geplante Beförderung auf dem Neckar. "Ein gekentertes Schiff kann nicht einfach so geborgen werden. Ein Unfall betrifft viele Kilometer Wasser und Tausende Menschen", hatte etwa die Landesvorsitzende des Umweltverbandes BUND, Brigitte Dahlbender, gesagt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat hingegen keine Bedenken gegen den Transport auf dem Wasser.

Minister Untersteller sprach hingegen von einer guten Entscheidung. "Die Alternative, in Obrigheim ein weiteres Zwischenlager zu bauen, ist in der Abwägung die eindeutig schlechtere Lösung", betonte er.

Etwa 80 Arbeiter und zahlreiche Polizisten sollen die Castoren begleiten. Immer wieder hatten Aktivisten in den vergangenen Jahren in Deutschland gegen solche Transporte auf der Schiene oder auf der Straße protestiert. Gelegentlich kam es zu Ausschreitungen. Der Transport durch die Firma Nuclear Cargo & Service aus Hessen kostet EnBW zufolge einen "unteren zweistelligen Millionenbetrag".