Bundesnetzagentur

Behörde: Ausbau der Stromnetze geht voran – Bedarf wird neu geprüft

Der Ausbau der Stromnetze geht schrittweise voran, die Bundesnetzagentur meldet vor allem bei den Genehmigungsverfahren Fortschritte. Der Präsident der Behörde erachtet Sonderwünsche dabei als kritisch und weist darauf hin, dass nach den bisher geplanten Trassen weitere folgen werden.

Diana Schellhas, 29.07.2020, 16:42 Uhr (Quelle: DPA)
HochspannungsleitungenDie Stromnetze müssen noch um Tausende Kilometer ausgebaut werden.© JWS / Fotolia.com

Es ist eines der größten Projekte der Energiewende - und eines der umstrittensten: Der milliardenschwere Ausbau von Stromnetzen quer durch die Republik. Damit soll der vor allem im Norden produzierte Windstrom in den Süden kommen. Der Ausbau der Stromnetze kommt zwar schrittweise voran - es müssen aber noch Tausende Kilometer Leitungen neu gebaut oder umgebaut werden. Auch angesichts von Protesten sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, die Energiewende werde nur als "Gemeinschaftswerk" gelingen.

Streit und Proteste wegen der Stromnetze

"Die ohnehin schon großen Erwartungen an die Energiewende - sicher, bezahlbar, klima- und umweltfreundlich - werden im politischen Alltag überlagert durch eine Fülle von regionalen und sektoralen Sonderwünschen", sagte Homann der Deutschen Presse-Agentur.

An vielen Orten haben sich Bürgerinitiativen gegen die Stromautobahnen gebildet - wie auch gegen den Bau von Windrädern. Sie bezweifeln die Notwendigkeit von "Riesentrassen", es gibt Angst vor möglichen Strahlungen. Dazu kommen Klagen und lange Gerichtsverfahren, Streit um Standorte etwa von Konvertern und Umspannwerken. Die einen sind gegen Freileitungen, die anderen gegen Erdkabel. Und immer wieder gibt es Streit, wo genau in den Ländern die Trassen herführen sollen.

Bundesnetzagentur meldet Fortschritte bei den Genehmigungsverfahren

Die Bundesnetzagentur sieht aktuell große Fortschritte vor allem bei den Genehmigungsverfahren. Nach Angaben der Bundesbehörde befinden sich von den knapp 7.700 Kilometern zu realisierenden Stromtrassen, von denen ein Großteil auch verstärkt und optimiert werde, 1.700 Kilometer im Raumordnungs- oder Bundesfachplanungsverfahren. Rund 3.100 Kilometer sind demnach vor dem oder im Planfeststellungsverfahren. Weitere 800 Kilometer sind genehmigt, vor dem oder im Bau. Rund 1.300 Kilometer Stromtrasse seien fertiggestellt - nach Angaben von vor einem Jahr waren es damals 1.100 Kilometer. Etwa 800 Kilometer befänden sich noch vor einem Genehmigungsverfahren.

So seien aktuell alle Abschnitte der geplanten Stromtrasse Suedostlink (von Sachsen-Anhalt nach Bayern) in der Planfeststellung.

Beim Suedlink (von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland) werde voraussichtlich dieses Jahr der Trassenkorridor festgelegt. Danach beginne auch hier die Planfeststellung.

Neuer Streit wegen des Verlaufs der Suedlink-Stromtrasse

Der Streit um neue Stromtrassen aber geht weiter. Vor kurzem zeigte sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) empört über einen Vorschlag von vier westdeutschen Bundesländern, die Suedlink-Stromtrasse mit einer zusätzlichen Leitung zu versehen. "Das bedeutet, dass sich West-Bundesländer auf dem Rücken eines Ost-Bundeslandes aus der Affäre ziehen", sagte Ramelow. Hintergrund ist nach seinen Angaben ein Brief der Fachminister aus Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Darin werde vorgeschlagen, eine Leitung mit der Suedlink-Trasse zu verbinden, die auch durch Thüringen führen soll.

Die Suedlink-Trasse soll von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg führen - durch Niedersachsen, Hessen, Thüringen und Bayern. Gegner fürchten, dass darüber nicht nur Windstrom von Nord- nach Süddeutschland fließen könnte, sondern auch ausländischer Atom- und Kohlestrom. Das Investitionsvolumen beträgt laut den Netzbetreibern Tennet und TransnetBW rund zehn Milliarden Euro.

Energiewende: Umstieg auf erneuerbare Energien

Bei der Energiewende sollen Energiequellen wie Kohle, Gas und Atomkraft von umweltfreundlicheren Energieträgern aus Sonne und Wind ersetzt werden. Bis 2022 soll das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein, bis spätestens 2038 ist außerdem der Kohleausstieg geplant. Der Ökostrom-Anteil am Stromverbrauch soll bis 2030 deutlich steigen.

Bedarf an neuen Stromleitungen wird noch einmal geprüft

Die Bundesnetzagentur mit Sitz in Bonn wies darauf hin, dass der Netzausbau auch mit Inbetriebnahme der Projekte, die sich in der Genehmigung befinden, nicht abgeschlossen sei. Noch in diesem Jahr werde voraussichtlich ein neues Bundesbedarfsplangesetz mit zusätzlichen Vorhaben beschlossen, wie etwa einen neuen Gleichstrom-Korridor von Schleswig-Holstein ins Ruhrgebiet.

Die Herausforderung im Netzausbau sei es, die Zeitpläne, die zwischen Politik, Netzbetreibern und Bundesländern vereinbart wurden, einzuhalten. "Neben den Transportaufgaben der Strom- und Gasnetze sind ausreichende Erzeugungskapazitäten, belastbare Regelungsmechanismen für die Netzstabilität und hinreichender Schutz der Netze und Anlagen gegen Eingriffe Dritter sowie die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz für den politisch gewählten Weg bedeutende Herausforderungen der Energiewende."